Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Gibt es eine Regelung für Müllhandwerker im Entsorgungsbereich, wieviele Tonnen sie maximal pro Schicht bewegen dürfen?

KomNet Dialog 5903

Stand: 15.09.2007

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Ergonomie > Heben, Tragen, Schieben, Ziehen, Stehen

Dialog
Favorit

Frage:

Gibt es eine Sollregelung für Müllhandwerker im Entsorgungsbereich, wieviele Tonnen sie max. pro Schicht bewegen dürfen? In unserem Betrieb sind Arbeitsplätze eingespart worden und die Mitarbeiter müssen jetzt ihre Tour mit weniger Personal abarbeiten.

Antwort:

Generell muss der Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen für jeden Arbeitsplatz beurteilen und aus dieser Beurteilung heraus Maßnahmen ableiten, die die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten verbessern (§ 5 des Arbeitsschutzgesetzes). Für den Arbeitsplatz der Müllwerker muss dabei natürlich insbesondere die hohe Belastung durch das Bewegen, Heben und Tragen von Mülltonnen beurteilt werden.

Hinweise liefert die Lastenhandhabungsverordnung. Diese bestimmt in § 2, dass manuelle Handhabungen von Lasten, die für die Beschäftigten eine Gefährdung für Sicherheit und Gesundheit, insbesondere der Lendenwirbelsäule mit sich bringen, zu vermeiden sind. Wenn diese Belastung nicht vermieden werden kann, muss der Arbeitgeber aber alle geeigneten Maßnahmen treffen, um diese Belastungen möglichst gering zu halten (§ 2 Absatz 1 der Lastenhandhabungsverordnung).

Diese relativ allgemein gehaltenen Vorschriften werden ergänzt durch die spezielle Unfallverhütungsvorschrift BGV C27 Müllbeseitigung. Dort bestimmt § 11, dass ein Müllwerker Einzellasten von mehr als 35 kg nicht tragen darf und dass Müllbehälter nicht weiter als 15 m getragen werden dürfen.

Die Gefährdungsbeurteilung für den Arbeitsplatz der Müllwerker ist eine schwierige und komplexe Angelegenheit.

Hinweise für die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung können sie der neuen GUV-Regel "Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten der Abfallwirtschaft" (GUV R-2113) entnehmen. Relevant ist z.B. Nr. 3.2.1 der GUV R-2113:

"3.2.1 Bereitstellen, Abholen und Sammeln von Abfällen
Nach § 2 der LastHandhabV dürfen Abfälle von Bereitstellungsplätzen nur dann abgeholt werden, wenn ein gefahrloser Transport möglich ist und gesundheitsgefährdende Belastungen durch manuelle Handhabung so weit wie möglich vermieden werden.

Gefahrloser Transport ist z.B. möglich, wenn:
– sich der Unternehmer im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung über die Bereitstellungsplätze informiert und eine bedarfsgerechte Tourenplanung entsprechend einrichtet,
– die erforderlichen technischen Einrichtungen und Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden, deren Einsatz geregelt und bestimmungsgemäße Benutzung sichergestellt wird.
Zwei Versicherte eingesetzt werden:
– bei Abfallbehältern mit mehr als 2 Rädern,
– beim Transport von Abfallbehältern über Treppen, oder besonders schwierigen Transportwegen (z.B. steile Rampen, unebene Wege).
Der Transportweg ist der Weg zwischen Bereitstellungsplatz und Ladestelle für die Abfallbehälter.
Gesundheitsgefährdungen durch Belastungen bei der manuellen Handhabung können z.B. vermieden werden durch Festlegung des zulässigen durchschnittlichen Lastgewichtes und der Gesamtschichtleistung unter Berücksichtigung der Anzahl von Hebe- und Tragvorgängen sowie der Zieh- und Schiebevorgänge für die Versicherten je Arbeitsschicht entsprechend der Gefährdungsbeurteilung und der arbeitsmedizinischen Erkenntnisse.
Dabei sind insbesondere zu beachten:
– Handhaben schwerer Lasten,
– Einfluss der Anzahl und Art der pro Schicht transportierten Abfallbehälter,
– Gewichte von Einzellasten,
– Rumpfbeugewinkel, Hebevorgänge, z.B. bei niedrigen Abfallbehältern oder liegenden Säcken,
– Gewicht und Abmessungen von Sperrmüll,
– Abstand der Last vom Körper,
– Transportdauer, z.B. Tragen von Lasten über längere Wege,
– Drehung des Oberkörpers unter Last,
– Arbeitstempo, Pausenregelung,
– Einsatz geeigneter Transporthilfsmittel.
Bei der Gefährdungsbeurteilung zum Ziehen und Schieben von Lasten sind insbesondere zu beachten:
– Anzahl der Zieh- und Schiebevorgänge unter Berücksichtigung der Distanzen,
– Einfluss der Anzahl und Art der pro Schicht transportierten Abfallbehälter,
– Gewichte von Einzellasten,
– Positioniergenauigkeiten,
– Geschwindigkeit der Arbeitsausführung,
– Körperhaltung, insbesondere die Rumpfbeugewinkel,
– Ausführungsbedingungen in Bezug auf Art und Zustand der Verkehrswege.
Die Verwendung von geeigneten Transporthilfen wird z.B. erreicht durch:
– Einsatz von Abfallbehältern nach DIN EN 840-1 bis DIN EN 840-4 „Fahrbare Abfallsammelbehälter“ mit einem Mindestraddurchmesser von 200 mm,
– Einsatz von Abfallsammelfahrzeugen mit Ladekran bei besonders schweren oder sperrigen Abfällen,
– Einsatz von Transporteinrichtungen, soweit das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung dies erfordert
.

Siehe auch:
Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) – Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim „Heben und Tragen von Lasten“, LV 9 und – LASI – Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim „Ziehen und Schieben“ von Lasten, LV 29. ......"

Weitere Hilfestellung können Ihnen die Medien der beiden folgenden Projekte geben:

- Informationen zu Heben und Tragen von Lasten der Gemeinschaftsinitiative Gesünder Arbeiten: http://www.arbeit.nrw.de/arbeit/erfolgreich_arbeiten/index.php in Verbindung mit der durch den Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) entwickelten Leitmerkmalmethode zur Beurteilung von Hebe und Tragevorgängen ("Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim Heben und Tragen von Lasten" (LV 9)) und

- Medien der Entsorger, ein Gemeinschaftsprojekkt der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen mit dem Bundesverband der Unfallkassen: http://www.medien-der-entsorger.de/  .

Um die Belastung der Müllwerker besser einschätzen zu können und um entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes ableiten zu können, sollten Sie unbedingt eng mit dem Betriebsarzt Ihres Unternehmens zusammenarbeiten. Die Aufsichtspersonen Ihres Unfallversicherungsträgers und der zuständigen Arbeitsschutzbehörde sind ebenfalls gerne bereit, Sie und Ihren Arbeitgeber bei speziellen Fragen der Gefährdungsbeurteilung zu unterstützen.