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KomNet-Wissensdatenbank

Wie sind Arbeitsplattformen an Großgeräten wie Schaufelradbagger einzuordnen?

KomNet Dialog 5884

Stand:

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Baustellen > Gerüste, Absturzsicherungen

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Frage:

Ich habe eine Frage zum Thema Gerüste. Von unseren Mitarbeitern werden in größeren Höhen (z.B. 20 m) an Großgeräten Arbeitsplattformen oder Abdeckungen zwischen Laufstegen und Fördergurten mittels Gerüstbohlen erstellt, die von Personen begangen werden (z.B. zum Reparieren eines Fördergurtes an einem Schaufelradbagger). Frage: Ist dieser `Arbeitstisch/Arbeitsplattform` als Gerüst oder Behelfsgerüst zu sehen? Gibt es Ausnahmen? Müssen zu diesen Arbeitplattformen besondere Aufstiege erstellt werden, oder genügt eine Anlegeleiter? Muss -wie bei Gerüsten- eine Freigabe und eine Dokumentation erfolgen??

Antwort:

Im staatlichen Regelwerk ist keine Legaldefinition für Gerüste enthalten. Wenn man die allgemein anerkannte technische Definition von Gerüsten zu Grunde legt (vgl. z.B. "Lexikon Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit" , Universum Verlagsanstalt Wiesbaden), dann handelt es sich bei den von Ihnen beschriebenen Arbeitsplattformen tatsächlich um Gerüste, und zwar um Arbeitsgerüste. Auf dieser rein formalen Basis könnte man fordern, dass die Ziffer 5.2.1 des Anhangs 2 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)für Ihre Arbeitsplattformen gilt. Dann hätten Sie die Pflicht, eine Festigkeits- und Standfestigkeitsberechnung vorzunehmen, wenn Sie Ihre Arbeitsplattformen nicht nach einer allgemein anerkannten Regelausführung errichten können.

Aber auch wenn nicht streng nach dem Wortlaut der Ziffer 5.2.1 Anhang 2 BetrSichV geurteilt wird, müssen Sie im Ergebnis eine solche Festigkeitsberechnung durchführen. Die viel allgemeiner gehaltene Ziffer 2 der Mindestvorschrift zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Benutzung von Arbeitsmitteln (Anhang 2 BetrSichV), fordert, dass der Arbeitgeber die erforderlichen Informationen beschafft, die Hinweise zur sicheren Bereitstellung und Benutzung der Arbeitsmittel geben.
Dies bedeutet in Ihrem Fall: wenn Arbeitsplattformen in großen Höhen auf z.B. Schaufelradbaggern erstellt werden müssen, dann werden Arbeitsmittel bereitgestellt, die in dieser Form und Anordnung mit großer Wahrscheinlichkeit einmalig sind und keiner anerkannten Regelausführung entsprechen können. Der Arbeitgeber muss für diese einzigartigen Arbeitsmittel sicherstellen können, dass ihre Benutzung ungefährlich ist.
Dies kann er aber - wenn Erfahrungen aus der Benutzung von Regelausführungen fehlen - nur, wenn er für diesen Einzelfall eine Festigkeits- und Standfestigkeitsberechnung durchführt oder durchführen lässt.

Eine Ausnahme von dieser Verpflichtung ist nicht nur formal nicht möglich, sondern widerspräche auch den allgemeinen Grundsätzen des Arbeitsschutzes.

Die allgemeinen Mindestanforderungen des Anhangs 2 der BetrSichV fordern weiter, dass der Arbeitgeber dafür sorgen muss, dass die Arbeitsmittel vor der Benutzung auf Mängel überprüft werden und während der Benutzung Mängelfreiheit gewährleistet ist. Zur Erfüllung dieser Pflicht (und zum Nachweis!) bietet es sich an, dass Ihre Arbeitsplattformen vor der Benutzung geprüft und freigegeben werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Sie allein auf Grund der Mindestanforderungen der BetrSichV für Ihre Arbeitsplattformen auch dann Festigkeitsberechnungen und Freigabedokumentationen erarbeiten müssen, wenn diese Arbeitsplattformen nicht als Gerüste anzusehen wären.

Eine Leiter als Zugang zu den Arbeitsplattformen ist möglich, wenn die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass dadurch keine zusätzlichen Absturzgefahren entstehen (Ziffer 5.1.2 Anhang 2 BetrSichV).

Abschließend raten wir Ihnen, die Problematik möglichst vor Ort mit der für Ihren Betrieb zuständigen Aufsichtsbehörde (z.B. Bergaufsicht) und der zuständigen Aufsichtsperson Ihres Unfallversicherungsträgers zu erörtern.