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KomNet-Wissensdatenbank

Kann bei einem begehbaren Prüfplatz mit zwangläufigem Berührungsschutz auf die Türverriegelung verzichtet werden?

KomNet Dialog 5877

Stand: 27.06.2014

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Gefährdungen durch Arbeitsmittel und Einrichtungen

Dialog
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Frage:

Wir wollen in unserer Fertigung einen Prüfplatz mit zwangläufigem Berührungsschutz in betretbarer Ausführung nach BGI 891/VDE 0104 betreiben. Die Prüfspannung beträgt 100 KV Prüfling IP 00. Unser Lieferant der begehbaren Prüfkabine will keine Türverriegelung mit Zuhaltungsfunktion und Notöffnung (Panikschloss)liefern. Frage: Kann auf diese Regel (VDE 0104, 4.2.3) verzichtet werden?

Antwort:

Prinzipiell müssen alle technischen Arbeitsmittel und verwendungsfertigen Gebrauchsgegenstände den einschlägigen sicherheitstechnischen Anforderungen entsprechen.
Sicherheitsanforderungen, wie sie z. B. in der VDE 0104 / DIN EN 50191 und der DGUV-Information 203-034 (bisher: BGI 891) "Errichten und Betreiben von elektrischen Prüfanlagen" formuliert sind, müssen eingehalten werden, um einen ausreichenden Schutz für die Arbeitnehmer gewährleisten zu können. Die hier genannten Ausführungen sind Betrachtungen vom „grünen Tisch“ aus, da eine detaillierte/ausreichende Beschreibung nicht vorliegt/vorliegen kann.

Generell kann aber folgendes gesagt werden:
Bei einem Prüfplatz mit zwangsläufigem Berührungsschutz wird neben anderen Voraussetzungen gefordert...
... Diese Prüfplätze müssen mit Einrichtungen versehen sein, die das Öffnen der Türen zum Prüfbereich erst zulassen, wenn die Prüfanlagen ausgeschaltet und gegen Wiedereinschalten gesichert und – falls erforderlich – geerdet und kurzgeschlossen sind.

In Ihrem Fall ist zu beachten, dass hier eine Prüfspannung von 100 KV anliegt und der Prüfling in der Schutzart IP 00 ! ausgeführt ist. Eine Risikobetrachtung würde hier ergeben, dass davon auszugehen ist, dass der begehbare Prüfplatz ohne die o. a. Türverriegelung..., nicht gefahrlos betrieben werden kann.

Von hier aus ist nicht nachvollziehbar, warum der Lieferant auf diese Schutzfunktion verzichten will.

Grundsätzlich sollte man folgendes beachten:
Produkte (auch ein Prüfplatz mit zwangsläufigem Berührungsschutz) müssen entsprechend dem Stand der Sicherheitstechnik hergestellt sein / zur Verfügung gestellt werden und dürfen bei ordnungsgemäßer Installation und Wartung, sowie bei bestimmungsgemäßer Verwendung die Sicherheit von Menschen, Nutztieren und die Erhaltung von Sachwerten nicht gefährden.
Ein Nachweis hierfür muss vor dem Umgang mit dem Produkt vorhanden sein. Die Pflicht hierzu ergibt sich aus der vom Arbeitgeber gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz und § 3 Betriebssicherheitsverordnung zu erstellenden Gefährdungsbeurteilung. Bei der Gefährdungsbeurteilung hat der Arbeitgeber insbesondere die Gefährdungen zu berücksichtigen, die mit der Benutzung des Arbeitsmittels (hier begehbare Prüfkabine) selbst verbunden sind und die am Arbeitsplatz hervorgerufen werden. Weiter hat der Arbeitgeber die nach den allgemeinen Grundsätzen des § 4 des Arbeitsschutzgesetzes erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit den Beschäftigten nur Arbeitsmittel bereitgestellt werden, die für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sind und bei deren bestimmungsgemäßer Benutzung Sicherheit und Gesundheitsschutz gewährleistet sind (§ 4 Abs. 1 BetrSichV).

Aus Sicht des Arbeitsschutzes muss der Arbeitgeber die Benutzung unsicherer elektrischer Geräte in seinem Betrieb untersagen (§ 4 Abs. 3 Betriebssicherheitsverordnung und § 11 der DGUV Vorschrift "Grundsätze der Prävention" (bisher BGV A 1). Die Beschäftigten haben daran eine Mitwirkungspflicht (§§ 15, 16 Arbeitsschutzgesetz und §§ 15, 16 DGUV Vorschrift "Grundsätze der Prävention").