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Was ist bei der Reparatur von Abwasserpumpen hinsichtlich der biologischen Gefahr zu beachten?

KomNet Dialog 5864

Stand:

Kategorie: Belastungen durch Biostoffe > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Biostoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (6.)

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Frage:

Als Betriebsärztin sind verschiedene Fragen an mich herangetragen worden, die die Arbeitssicherheit in einem Wasserverband betreffen. 1) Es ist heutzutage üblich, vor einer anstehenden Reparatur von Pumpen, Maschinen etc. eine sog. Dekontaminationserklärung zu unterschreiben. Dies soll dem Reparatur-/Wartungsbetrieb garantieren, dass keine Gefährdungen biologischer oder chemischer Art von dem zu reparierenden Teil ausgehen. Dass Chemikalien durch eine Neutralisationslösung entfernt werden ist einzusehen. Sollte jedoch die biologische Gefahr (Abwasserpumpen!!) wirklich durch Desinfektionsmittelanwendung beseitigt werden? Um Resistenzbildung durch übermässigen Desinfektionsmittelgebrauch vorzubeugen, würde ich liebe eine gute Reinigung mit mechanischen Mitteln (Hochdruckreiniger unter Vollmaskenschutz) anwenden. Wie sehen Sie dieses Problem??? 2) Beim Gebrauch des Hochdruckreinigers auf Kläranlagen (z.B. Reinigen der Becken von Faulschlammablagerungen) wird oft Ablaufwasser als Betriebswasser zur Reinigung benutzt. Bisher war es noch in einigen Klärananlagen üblich, dieses Brauchwasser durch UV-Lampen zu entkeimen. Eigentlich ist dieses Verfahren jedoch sinnlos, da das `Abspritzwasser` wiederum hoch keimbelastet ist. Der Mitarbeiter muss also in jedem Fall Schutzausrüstung tragen. Von daher könnten die UV-Entkeimungsanlagen entfallen (wartungs-und kostenintensiv). Was halten Sie davon???

Antwort:

zu 1):
Die Dekontaminationserklärungen sind im Abwasserbereich noch nicht verbreitet. Bei Wartungsarbeiten kann von entsprechenden Fachfirmen erwartet werden, dass die biologische Gefährdung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt wird. Grundlage ist die TRBA 220 und die darin beschriebenen Schutzmaßnahmen für die Risikogruppe 2. Eine vollständige Dekontamination würde i.d.R. eine Demontage der Pumpe erfordern, was u.U. dem Auftrag einer kompletten Wartung zuwider läuft. Insofern ist die beschriebene Reinigung mit Hochdruckreinigung aus unserer Sicht üblich, zielführend und ausreichend.

zu 2):
Die Einschätzung zur Nutzung von Betriebswasser und speziell dem Verzicht auf Entkeimung ist nach unserer Auffassung richtig. Eine Untersuchung an der ETH Zürich unterstützt diese Position: Der Einsatz von Betriebs- oder Trinkwasser war bei Versuchen in abwassertechnischen Anlagen angesichts der z.T. sehr hohen Konzentrationen von untergeordneter Bedeutung. In der Untersuchung sind die Ergebnisse zur Belastung mit Mikroorganismen bei Reinigungsarbeiten mit Trinkwasser und Brauchwasser auf Abwasseranlagen bewertet und dargestellt: KA Betriebsinfo [pdf, 7 MB].

Stand: August 2007