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KomNet-Wissensdatenbank

Sind die beschriebenen Schichtzeiten im Pflegedienst zulässig?

KomNet Dialog 5832

Stand: 16.07.2007

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > Schichtarbeit

Dialog
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Frage:

Examinierte Mitarbeiter arbeiten im Pflegeheim in 3 Schichten 12 Tage am Stück. In dieser Zeit sind 2 Nachtdienste von 20.30 Uhr- 6.45 Uhr (10,5 Std.) zu erbringen. Die Mitarbeiter kommen am Morgen nach der 2. Nacht 6.45 Uhr aus dem Nachtdienst und sollen am nächsten Tag wieder im Frühdienst 6.30 Uhr eingesetzt werden. Die tägl. Arbeitszeit im Früh- und Spätdienst beträgt 6,42 Std. Ist das zulässig? Wie können wir bei Verstößen vorgehen?

Antwort:

Regelungen zur Arbeitszeit, Ruhepausen und Ruhezeiten sind im Arbeitszeitgesetz – ArbZG getroffen.
Die Arbeitszeit der Nacht- und Schichtarbeitnehmer ist nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit festzulegen (§ 6 ArbZG). Die werktägliche Arbeitszeit der Nachtarbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn abweichend von § 3 ArbZG innerhalb von einem Kalendermonat oder innerhalb von vier Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass Ruhepausen größer 15 Minuten nicht als Arbeitszeit zählen. Bei den beschriebenen Nachtdiensten beträgt die Arbeitszeit bei Einhaltung der vorgeschriebenen Ruhepausen (mindestens 45 Minuten gemäß § 4 ArbZG) weniger als 10 Stunden.

Kernpunkte der arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse sind:
- Die Anzahl der aufeinanderfolgenden Nachtschichten sollte möglichst gering sein.
- Nach einer Nachtschichtphase sollte eine möglichst lange Ruhephase folgen. Sie sollte auf keinen Fall weniger als 24 Stunden betragen.
- Geblockte Wochenendfreizeiten sind besser als einzelne freie Tage am Wochenende.
- Schichtarbeiter sollten möglichst mehr freie Tage im Jahr haben als Tagarbeiter.
- Ungünstige Schichtfolgen sollten vermieden werden, d. h. immer vorwärts rotieren.
- Die Frühschicht sollte nicht zu früh beginnen.
- Die Nachtschicht sollte möglichst früh enden.
- Zugunsten individueller Vorlieben sollte auf starre Anfangszeiten verzichtet werden.
- Die Massierung von Arbeitstagen oder Arbeitszeiten auf einen Tag sollte begrenzt werden.
- Schichtpläne sollen vorhersagbar und überschaubar sein.

Das Arbeitszeitgesetz sieht weiterhin vor, dass die Tarifpartner Regelungen zur Arbeitszeit in dem im § 7 ArbZG festgelegten Rahmen eigenverantwortlich vereinbaren können. Eine Beurteilung von Schichtplänen ist daher in der Regel nur möglich, wenn
- der komplette Schichtplan über einen gewissen Zeitraum (> ein Monat) und
- die anzuwendenden Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen
bekannt sind.

Hinweis:
Nach dem Arbeitsschutzgesetz – ArbSchG sind die Beschäftigten berechtigt, dem Arbeitgeber Vorschläge zu allen Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit zu machen. Sind Beschäftigte auf Grund konkreter Anhaltspunkte der Auffassung, daß die vom Arbeitgeber getroffenen Maßnahmen und bereitgestellten Mittel nicht ausreichen, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu gewährleisten, und hilft der Arbeitgeber darauf gerichteten Beschwerden von Beschäftigten nicht ab, können sich diese an die zuständige Behörde (in NRW: Arbeitsschutzdezernate der Bezirksregierungen) wenden. Hierdurch dürfen dem Beschäftigten keine Nachteile entstehen (§ 17 ArbSchG).