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KomNet-Wissensdatenbank

Was ist beim Transport von Kohlendioxid-Patronen zu beachten?

KomNet Dialog 5825

Stand: 19.08.2014

Kategorie: Sicherer Transport > Beförderung gefährlicher Güter > Gefahrguttransport

Dialog
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Frage:

Wir handeln mit Wasserspendern, welche mit CO² (Kohlendioxid)- Patronen funktionieren. Die Patronen haben ein Fassungsvermögen zwischen 0,7-0,9 l. Was ist beim Umgang mit den Patronen zu beachten (z.B. Bestücken der Wasserspender und Transport mit dem Fahrzeug)?

Antwort:

Die CO2- Patronen sind Druckgefäße, die der UN-Nummer 1013, Kohlendioxid. Klasse 2, Klassifizierungscode 2A, ADR zugeordnet sind. Es wird unterstellt, dass die Behälter nachfüllbar sind und der Fassungsraum > 0,5 l ist.

Kennzeichnung der Druckgefäße:

Auf dem Flaschenhals ist jeweils entsprechend dem Kapitel 5.2 der Gefahrzettel 2.2 sowie die weiteren Aufschriften entsprechend Unterabschnitt 5.2.1.6 ADR aufzubringen.

Schutz der Verschlussventile:

Nach Unterabschnitt 4.1.6.8 des ADR müssen die Verschlussventile so ausgelegt und gebaut sein, dass sie von sich aus in der Lage sind, Beschädigungen ohne Freiwerden von Füllgut standzuhalten, oder sie müssen durch eine oder mehrere der folgenden Methoden gegen Beschädigungen, die zu einem unbeabsichtigten Freiwerden von Füllgut des
Druckgefäßes führen können, geschützt sein (siehe auch Verzeichnis der Normen am Ende dieses Abschnitts):

a) die Verschlussventile sind im Innern des Gefäßhalses angebracht und durch einen aufgeschraubten Stopfen oder eine Schutzkappe geschützt;
b) die Verschlussventile sind durch Schutzkappen geschützt. Die Schutzkappen müssen mit Entlüftungslöchern mit genügendem Querschnitt versehen sein, damit bei einem Undichtwerden der Verschlussventile
die Gase entweichen können;
c) die Verschlussventile sind durch einen Verstärkungsrand oder durch andere Schutzvorrichtungen geschützt;
d) die Druckgefäße werden in Schutzrahmen befördert (z.B. Flaschen in Bündeln) oder
e) die Druckgefäße werden in Schutzkisten befördert. Bei UN-Druckgefäßen muss die versandfertige Verpackung in der Lage sein, die in Unterabschnitt 6.1.5.3 festgelegte Fallprüfung für die Prüfanforderungen der Verpackungsgruppe I zu bestehen.

Üblich ist die Verpackung der Flaschen in Schutzkisten. Bei der Verwendung dieser Schutzkisten sind diese als „Umverpackung“ im Sinne von Absatz 5.1.2 ADR anzusehen.

Die Kennzeichnung dieser Umverpackung muss dann entsprechend Unterabschnitt 5.1.2.1 ADR vorgenommen werden.
Eine Umverpackung muss mit dem Ausdruck "UMVERPACKUNG" und für jedes in der Umverpackung enthaltene gefährliche Gut mit der UN-Nummer, der die Buchstaben «UN» vorangestellt sind, gekennzeichnet und, wie nach Abschnitt 5.2.2 ADR für Versandstücke vorgeschrieben, bezettelt sein, es sei denn, die für alle in der Umverpackung enthaltenen gefährlichen Güter repräsentativen Gefahrzettel bleiben sichtbar. Ist ein und dieselbe Kennzeichnung oder ein und derselbe Gefahrzettel für verschiedene Versandstücke vorgeschrieben, muss diese Kennzeichnung oder dieser Gefahrzettel nur einmal angebracht werden.

Vorschriften für den unmittelbaren Beförderungsvorgang:
Hier wird aus der Erfahrung heraus unterstellt, dass in der Beförderungseinheit nicht mehr als 1000 l Gesamt-Nenninhalt aller Druckgefäße befördert werden. Bei der Betrachtung wurde ebenfalls unterstellt, dass keine weiteren Gefahrgüter in der Beförderungseinheit enthalten sind.

Unter dieser Vorraussetzung kann die Freistellungsregelung des Unterabschnitts 1.1.3.6 ADR in Anspruch genommen werden.

Druckgefäße mit der UN-Nummer 1013 sind der Beförderungskategorie 3 (Klasse 2 Gruppe A) in der Tabelle 1.1.3.6.3 ADR zugeordnet. Die bedeutet, dass für das Beförderungsmittel (Fahrzeug) und den Beförderungsvorgang selbst erleichternde Bestimmungen angewendet werden können, wenn nicht mehr als 1000 l Gesamt-Nenninhalt aller Druckgefäße befördert werden:

1. Die Beförderungseinheit muss mit mindestens einem tragbaren Feuerlöschgerät für die Brandklassen A, B und C mit einem Mindestfassungsvermögen von 2 kg Pulver (oder einem entsprechenden Fassungsvermögen für ein anderes geeignetes Löschmittel) ausgerüstet sein.
2. Ein Beförderungspapier nach Abschnitt 5.4.1 ADR ist mitzuführen, es sei denn, dass die Vorraussetzungen der „Ausnahme 18“ der Gefahrgutausnahmeverordnung in Anspruch genommen werden kann:

Gefährliche Güter in Versandstücken, die für die Beförderung nicht an Dritte übergeben werden, dürfen ohne Beförderungspapier befördert werden, wenn die höchstzulässige Gesamtmenge je Beförderungseinheit nach Unterabschnitt 1.1.3.6 ADR nicht überschritten ist.

Im Klartext bedeutet dieses, dass die Beförderung der Druckgeräte durch den Absender (Verwender) selbst erfolgen muss und der Gesamtnenninhalt der Druckgefäße 1000 l nicht übersteigt.

3. Die Handhabungsvorschriften des Abschnitts 7.5.7 ADR sind ebenfalls zu berücksichtigen (Ladungssicherung, Stapelung, Rauchverbot bei Ladearbeiten)

4. Die Versandstücke sind vorzugsweise in offene oder belüftete Fahrzeuge (z.B.mind. je 100 cm2 Zu- und Abluftöffnung) zu verladen. Wenn dies nicht möglich ist und die Versandstücke in anderen gedeckten Fahrzeugen oder anderen geschlossenen Containern befördert werden, müssen die Ladetüren der Fahrzeuge oder Container mit folgender Kennzeichnung versehen sein, wobei die Buchstabenhöhe mindestens 25 mm betragen muss:

"ACHTUNG
KEINE BELÜFTUNG
VORSICHTIG ÖFFNEN"

Bei der Anwendung der Kennzeichnung des Fahrzeuges bei fehlender Lüftung wird zu bedenken gegeben, dass durch die Kennzeichnung zwar die Beförderungsvorschriften erfüllt sind, aber andere Arbeitschutzaspekte noch zu berücksichtigen sind: Tritt aufgrund von Undichtigkeiten CO2 in den Fahrerraum ein, kann die Sauerstoffversorgung über die Atmung des Fahrers beeinträchtigt werden. Schlimmste Folge wäre, dass es dadurch bedingt zu einem Unfall kommt. Also sollte vor Anwendung der v.g. Kennzeichnung eine Gefährdungsbeurteilung durch den Unternehmer durchgeführt werden, um zu prüfen, ob in diesem speziellen Einzelfall auf die Lüftung verzichtet werden kann. Obligatorisch sollte jedoch die Lüftung des Laderaumes sein.

Diese Ausarbeitung enthält wesentliche Aspekte des Gefahrguttransportes für den vom Anfragenden geschilderten Transportvorgang. Nicht alle Aspekte konnten berücksichtigt werden, da hierzu weitere Informationen des Anfragenden fehlen. Auch wenn bei derartigen Beförderungen kein Gefahrgutbeauftragter für den Betrieb nach der Gefahrgutbeauftragtenverordnung vorgeschrieben ist, müssen dennoch für diese speziellen Fälle geschulte Personen vorhanden sein (sog. Beauftragte Personen), die den jeweiligen Transport fachlich beurteilen können.