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KomNet-Wissensdatenbank

Welche Anforderungen oder Erleichterungen ergeben sich für die passive Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten in IBC in einer Halle?

KomNet Dialog 5820

Stand: 20.08.2010

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Entzündliche Flüssigkeiten > Lagerung entzündlicher Flüssigkeiten

Dialog
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Frage:

Passive Lagerung von R10-Stoffen in Intermediate Bulk Containern (IBC) in einer Lagerhalle: Wir beabsichtigen, in einer 400 m² großen Halle aus Wellblech mit Lüftungen 4 - 6 IBC zu lagern, um diese je nach Prozessanforderung in einem anderen Werksbereich zu entleeren. Die IBC sind nach ADR zugelassen, dicht verschlossen und werden erst am Produktionsort geöffnet. Alle IBC stehen auf einem Regal, geerdet und mit Auffangräumen in ausreichender Kapazität. Ein Anfahren/Beschädigen ist ausgeschlossen. Gibt es für derartige Lagerungen Befreiungen von den TRbFs?

Antwort:

Bei der Betrachtung der notwendigen Maßnahmen bei der passiven Lagerung von entzündlichen Flüssigkeiten wird man neben den Anforderungen der Betriebssicherheitsverordnung und der einschlägigen technischen Regeln (TRbF) hauptsächlich die Belange der Gefahrstoffverordnung berücksichtigen müssen. Z.B. dürfen Gefahrstoffe nur an dafür geeigneten Orten gelagert werden. Sie dürfen nicht an solchen Orten gelagert werden, an denen dies zu einer Gefährdung der Beschäftigten oder anderer Personen führt. In Arbeitsräumen dürfen Gefahrstoffe nur gelagert werden, wenn die Lagerung mit dem Schutz der Beschäftigten vereinbar ist und in besonderen Einrichtungen erfolgt, die dem Stand der Technik entsprechen (Anhang I Nr. 1.5 GefStoffV).

Die Technischen Regeln für brennbare Flüssigkeiten (TRbF), TRbF 60 "Ortsbewegliche Behälter" und TRbF 20 „Läger“ beinhalten maßgebliche Regelungen zu diesem Anwendungsfall. Für Umfüllvorgänge ist die TRbF 30 "Füllstellen, Entleerstellen" zu beachten. Siehe auch die technische Regel TRBS 2152.

Die technischen Regeln (TRbF) gelten gemäß den Übergangsvorschriften des § 27 BetrSichV bis zu ihrer Überarbeitung und Verkündung fort.  

Lagerbereiche (-räume) müssen in Abhängigkeit der Lagermenge ausreichend belüftet werden können. Dies kann durch natürliche oder technische Lüftung erfolgen. Konkrete Anforderungen finden sich in der Ziffer 5.4.2 Abs. 8 bis 11 und Ziffer 8.3.2 der TRbF 20. Es gelten Ausnahmen grundsätzlich nur für Lagerräume zur ausschließlich passiven Lagerung brennbarer Flüssigkeiten in gefahrgutrechtlich zulässigen Transportbehältern mit einem Rauminhalt bis 1 000 l. Bei einer größeren Lagermenegen sieht die TRbF 20 generell einen 2 bis regulär 5 fachen Luftwechsel vor (Ziffer 5.4.2).

Sind in dem Lagerbereich Arbeitsplätze vorhanden, so ist für diese ebenfalls eine Lüftung vorzusehen, die unabhängig der geforderten Lüftung für brennbare Flüssigkeiten gestaltet werden kann. In umschlossenen Arbeitsräumen muss unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren, der körperlichen Beanspruchung und der Anzahl der Beschäftigten sowie der sonstigen anwesenden Personen ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein (Ziffer 3.6 Anhang zur Arbeitsstättenverordnung).  Als gesundheitlich zuträglich wird generell nur Luft in Außenluftqualität akzeptiert. Das Vorhandensein jeglicher Art von Gefahrstoffen einschließlich von Stäuben oder Biostoffen in der Zuluft über den Werten der unbelasteten Außenluft ist demnach nicht zulässig. Weitere Hilfe zur Lüftung und Lüftungsanlagen gibt die BG-Regel BGR 121 "Arbeitsplatzlüftung"

In den Dialogender KomNet-Wissensdatenbank werden weitergehende Informationen zur Lagerung und Lagerräumen angeboten. Eine ausführliche Information zur Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten gibt auch das Infoblatt Nr. 402 und 402.1 der BG Druck- und Papierverarbeitung (http://www.bgdp.de/pages/medien/themenauswahl/gefahrstoffe_mliste.htm).

Für das Ein- und Auslagern und Transportieren müssen geeignete Flurförderzeuge (z.B. Regalbediengeräte o.ä.) benutzt werden.

Anforderung aus dem Wasserrecht können ebenfalls relevant sein (z.B. der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen - VAwS).

Bei der Lagerung - auch ohne Umfüllvorgang - ist immer das Baurecht (Nutzung und baulicher Brandschutz), der Boden- und Gewässerschutz und der Arbeitsschutz zu berücksichtigen.

Wegen den zahlreichen Möglichkeiten der Gestaltung der Lagerung und der möglichen Abweichung von den Vorgaben der TRbF 20 / TRbF 60 empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit der zuständigen Arbeitsschutzverwaltung oder der Abteilung für den vorbeugenden Brandschutz bei den Bauordnungsämtern um auch die formalrechtlichen und materiellrechtlichen Einzelheiten abzustimmen. 

Empfehlenswert kann auch die vorherige Abstimmung mit einer zugelassenen Überwachungsstelle (ehemalige VbF-Sachverständige) zum Thema sein.