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Welche Maßnahmen sind beim Umgang mit 4%iger Formaldehydlösung zu treffen?

KomNet Dialog 5798

Stand: 04.07.2007

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Umgang mit 4%iger Formaldehydlösung: Wir im Operationsdienst müssen eine 4 %iger Formaldehydlösung für die Präparate in einem Raum abfüllen, der weder eine Entlüftung noch eine Belüftung hat. Wiederholt haben wir unsere Sicherheitsfachkraft sowie unseren Betriebsarzt auf im Internet zu findende Sicherheitsbestimmungen hingewiesen, da bei der o. g. Tätigkeit Nebenwirkungen wie z.B. Augentränen auftreten. Ich hätte gerne Verweise bzw. rechtliche Bestimmungen, die ich meinem Arbeitgeber vorlegen kann, aus denen die Umgangsweise deutlich hervorgeht. Uns wurde lediglich vom Arbeitgeber gesagt, eine 4 %ige Lösung wäre gesundheitlich nicht bedenklich.

Antwort:

Gemäß Arbeitssicherheitsgesetz ist es Hauptaufgabe der Fachkraft für Arbeitssicherheit und des Betriebsarztes, den Arbeitgeber beim Arbeitsschutz und bei der Unfallverhütung in allen Fragen des Gesundheitsschutzes zu unterstützen und zu beraten. Gleichwohl liegt die Verantwortung für die Einhaltung arbeitsschutzrechtlicher Vorschriften beim Arbeitgeber.

Die für den Umgang mit Gefahrstoffen maßgebliche Gefahrstoffverordnung verpflichtet den Arbeitgeber, alle von einem Gefahrstoff ausgehenden Gefährdungen für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten unter folgenden Gesichtspunkten zu beurteilen (§ 7 GefStoffV):
1. gefährliche Eigenschaften der Stoffe oder Zubereitungen,
2. Informationen des Herstellers oder Inverkehrbringers zum Gesundheitsschutz und zur Sicherheit insbesondere im Sicherheitsdatenblatt nach § 6,
3. Ausmaß, Art und Dauer der Exposition unter Berücksichtigung aller Expositionswege; dabei sind die Ergebnisse nach § 9 Abs. 4 und § 10 Abs. 2 zu berücksichtigen,
4. physikalisch-chemische Wirkungen,
5. Möglichkeiten einer Substitution,
6. Arbeitsbedingungen und Verfahren, einschließlich der Arbeitsmittel und der Gefahrstoffmenge,
7. Arbeitsplatzgrenzwerte und biologische Grenzwerte,
8. Wirksamkeit der getroffenen oder zu treffenden Schutzmaßnahmen,
9. Schlussfolgerungen aus durchgeführten arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen.

Der Arbeitgeber darf eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen erst aufnehmen lassen, nachdem eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen wurde und die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen wurden!
Das Umfüllen von Formaldehydlösung in einem schlecht belüfteten Arbeitsraum ist auf Grund der damit verbundenen Belastungen der Atemluft in der Regel unzulässig (siehe auch BGW-Bericht Gefahrstoffe in der Pathologie ). Welche Maßnahmen zu treffen sind, kann auch dem Sicherheitsdatenblatt entnommen werden, welches neben dem Arbeitgeber auch der Sicherheitsfachkraft und dem Betriebsarzt bekannt sein müsste.

Hinweis:
Sind Beschäftigte auf Grund konkreter Anhaltspunkte der Auffassung, daß die vom Arbeitgeber getroffenen Maßnahmen und bereitgestellten Mittel nicht ausreichen, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu gewährleisten, und hilft der Arbeitgeber darauf gerichteten Beschwerden von Beschäftigten nicht ab, können sich diese an die zuständige Behörde wenden. Hierdurch dürfen dem Beschäftigten keine Nachteile entstehen (§ 7 Abs. 2 Arbeitsschutzgesetz).