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Ist der Einbau von Schiebetoren im Verlauf von Fluchtwegen zulässig?

KomNet Dialog 578

Stand:

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Notausgänge, Türen und Tore im Verlauf von Fluchtwegen

Dialog
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Frage:

1. Ist der Einbau von Schiebetoren im Verlauf von Fluchtwegen zulässig? 2. Darf sich eine Schlupftüre im Bereich eines aufgefahrenen Brandschutz-Schiebetors befinden? (Im Brandfall soll das Schiebetor durch das Ansprechen von Rauchmeldern geschlossen werden. In diesem Fall lässt sich das Schiebetor nur mit großem Kraftaufwand öffnen. Leichter lässt sich jedoch dann die Schlupftüre öffnen, die bei geöffnetem Schiebetor nicht benutzt werden kann.)

Antwort:

Zu Frage 1.: Ist der Einbau von Schiebetoren im Verlauf von Fluchtwegen zulässig?
Grundsätzliche Anforderungen an Fluchwege und Notausgänge sind unter Ziffer 2.3 Abs. 2 des Anhangs zur Arbeitsstättenverordnungwww.gesetze-im-internet.de/arbst_ttv_2004/index.html festgelegt:

"(2) Türen im Verlauf von Fluchtwegen oder Türen von Notausgängen müssen

a) sich von Innen ohne besondere Hilfsmittel jederzeit leicht öffnen lassen, solange sich Beschäftigte in der Arbeitsstätte befinden,
b) in angemessener Form und dauerhaft gekennzeichnet sein.
Türen von Notausgängen müssen sich nach außen öffnen lassen. In Notausgängen sind Karussell- und Schiebetüren nicht zulässig."

In der Arbeitsstätten-Regel - ASR A 2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan"(www.baua.de/ASR/) werden die Anforderungen konkretisiert. Wir weisen daher zunächst darauf hin, dass entprechend Punkt 6 der ASR A 2.3 Karussell- und Schiebetüren, die ausschließlich manuell betätigt werden, in Fluchtwegen unzulässig sind. Automatische Türen und Tore sind im Verlauf von Fluchtwegen nur in Fluren und für Räume nach Punkt 5 (2) a) und b) zulässig, wenn sie den
diesbezüglichen bauordnungsrechtlichen Anforderungen entsprechen. Sie dürfen nicht in Notausgängen eingerichtet und betrieben werden, die ausschließlich für den Notfall konzipiert und ausschließlich im Notfall benutzt werden.

Baurechtlich sind automatische Schiebetüren nur zulässig, wenn sie im Brandfall die Rettungswege nicht beeinträchtigen. Dies gilt nur für Schiebetüren nach der Muster- Richtlinie über automatische Schiebetüren in Rettungswegen - MAutSchR (http://www.bauministerkonferenz.de/Dokumente/Rechtsvorschriften/MAutSchR.pdf), die auch in NRW über Nr. 6.18 der Bauregelliste A Teil 1 (www.dibt.de) eingeführt ist.

Weiter gilt nach Punkt 9 der ASR A 1.7 "Türen und Tore" (www.baua.de/ASR/):

"1) Automatische Schiebetüren und Schnelllauftore (ausgenommen Feuer- und Rauchschutztüren und -tore) dürfen nur verwendet werden, wenn sie bei Ausfall der Energiezufuhr selbsttätig öffnen oder über eine manuelle Öffnungsmöglichkeit
(Break-out) verfügen. Automatische Karusselltüren dürfen nur verwendet werden, wenn sich Teile der Innenflügel ohne größeren Kraftaufwand (siehe Punkt 10.1 Abs. 3) von Hand und ohne Hilfsmittel sowie in jeder Stellung der Tür auf die erforderliche Fluchtwegbreite öffnen lassen. ......".

Zu Frage 2.: Darf sich eine Schlupftüre im Bereich eines aufgefahrenen Brandschutzschiebetors befinden?
Solange die Schlupftür der Nr. 2.3 des Anhangs zur ArbStättV sowie den ASR A1.7 "Türen und Tore" und ASR A2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan" entspricht, ist nichts dagegen einzuwenden.
Über v.g. hinausgehende etwaige baurechtliche oder sonstige Bestimmungen (z.B. aus dem Bereich Verkaufsstätten, Krankenhäuser) sind nicht berücksichtigt.