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Gibt es maximale Konzentrationswerte für Arbeitsplätze bezüglich Rußpartikeln bzw. Dieselabgasen? Wie werden diese gemessen?

KomNet Dialog 5766

Stand: 04.07.2007

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Zulässige Belastungen > Grenzwerte

Dialog
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Frage:

Unser Krankenhaus liegt mit einigen Räumlichkeiten an einer stark befahrenen Strasse, so dass die Befürchtung besteht, durch Abgase und Rußpartikel Gesundheitsgefahren ausgesetzt zu sein. Gibt es maximale Konzentrationswerte für Arbeitsplätze bezüglich Rußpartikeln bzw. Dieselabgasen? Wie werden diese nachgemessen?

Antwort:

Gesundheitsschädliche Luftbelastungen werden durch die Emissionen von Kraftwerken und industriellen Anlagen, gewerblichen Betrieben und privaten Haushalten verursacht, aber eine der wichtigsten Ursachen vor allem in den Städten sind die Abgase des Kraftfahrzeugverkehrs. Die in den Kfz-Abgasen vorkommenden Schadstoffe sind hauptsächlich das klimawirksame Kohlendioxid (CO2), Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOx), Ozon (O3), unverbrannte Kohlenwasserstoffe (HC), lungengängige Russpartikel sowie die an den Russpartikeln gebundenen krebserzeugenden polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Bei den überwiegend mit Ottomotoren betriebenen PKW haben seit Einführung des geregelten Katalysators die Belastungen mit Schadstoffen stark abgenommen. Bei den mit Dieselmotoren betriebenen PKW und LKW dagegen ist die Belastung vor allem mit Rußpartikeln immer noch sehr hoch, vor allem weil erst in einigen Jahren eine flächendeckende Ausstattung mit Partikelfiltern zur Verminderung der Belastung zu erwarten ist.

Grenzwerte für die Außenluft:
Seit 2005 ist die EU Richtlinie 96/62/EG (EU Rahmenrichtlinie Luftqualität; http://www.sachsen-anhalt.de/index.php?id=fldiy50l0kqq4) in Kraft, nach der für bestimmte Luftschadstoffe einschließlich Feinstaub gesetzliche Luftgrenzwerte festgelegt werden können. Gemäß den Vorgaben der EU Richtlinie 1999/30/EG ist für die Feinstaubfraktion PM10, in der sich auch Russpartikel mit PAK befinden, ein Tagesmittelwert von 50 µg/m³ für die Außenluft festgelegt. Dieser Grenzwert darf ab 1. Januar 2005 maximal 35 mal jährlich überschritten werden, wobei als Jahresmittelwert 40 µg/m³ festgelegt ist. Ab 1. Januar 2010 darf der Tagesmittelwert von 50 µg/m³ für PM10 maximal nur noch 7 mal jährlich überschritten werden und es ist ein Jahresmittelwert von 20 µg/m³ einzuhalten. Die Überschreitung der Grenzwerte in den Städten war häufig der Anlass zur Sperrung von Innenstadtbereichen für Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter als Hauptverursacher der Feinstaubbelastung. Seit 2005 werden in allen größeren Städten, wie z.B. in Düsseldorf, Luftreinhaltepläne (s. auch  http://www.duesseldorf.de/umweltamt/luft/luftreinhalteplan.shtml) umgesetzt und Luftschadstoffmessungen durchgeführt, wie z.B. des Feinstaubs durch kontinuierliche Erfassung mit einem Laser-photometrischen Partikelzähler.

Gesundheitliche Bewertung:
Bei der Feinstaubfraktion PM10 handelt es sich um lungengängigen Partikelstaub mit Partikelgrößen von 10 µm und kleiner, die durch Nase und Mund in die Lunge gelangen können. Noch kleinere Partikel sind in der alveolengängigen Feinstaubfraktion PM2.5 enthalten, die bis in die Bronchien, Alveolen und Lungenbläschen gelangen können. Nach derzeitigem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis (s. auch http://www.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/fachberichte/fachb07/kurzinfofb7.pdf) sind Feinstäube im Zusammenwirken mit anderen Luftschadstoffen an Herz-Kreislauf- (s. auch http://www.cardiovasc.de/hefte/2007/02/58.html) und Atemwegserkrankungen (s. auch http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/natur-und-technik/staub-umwelt-thema100.html beteiligt, ebenso gibt es Hinweise für erhöhte Sterblichkeit durch Lungenkrebs (s. auch http://www.greenpeace.de/themen/sonstige_themen/feinstaub/artikel/dieselruss_feinstaub_und_gesundheit/), insbesondere durch Dieselrusspartikel (s. auch http://dip.bundestag.de/btd/15/033/1503379.pdf). Ein Schwellenwert, unterhalb dessen die langfristigen Wirkungen auf den Menschen ausgeschlossen werden können, kann bisher nicht angegeben werden.

Technische Richtkonzentration für Arbeitsbereiche:
Für Belastungen durch Dieselrusspartikel vor allem in Kfz-Werkstätten, Hochregallager mit Dieselstaplern und anderen Arbeitsbereichen mit Dieselmotorbetrieb war bis zum Inkrafttreten der neuen Gefahrstoffverordnung vom 23. 12.2004 (GefStoffV) eine Technische Richtkonzentration (TRK) für Dieselmotoremissionen (DME) als gesetzlicher Grenzwert von 0,1 mg/m³ (100 µg/m³) im alveolengängigen Feinstaub (A-Staub) festgelegt und in der alten Version der TRGS 900 veröffentlicht. Mit Inkrafttreten der neuen GefStoffV sind allerdings nur noch gesundheitsbasierte Grenzwerte - das heißt Grenzwerte, die auf der Grundlage toxikologischer Dosis-Wirkungs-Untersuchungen abgeleitet werden können - zulässig, sodass der TRK von DME ausgesetzt ist. Eine Bewertung der Exposition mit Dieselmotoremissionen und Maßnahmen zur Verminderung der Exposition sind daher bis zur Festsetzung eines gesundheitsbasierten Arbeitsplatzgrenzwertes (AGW) unabhängig von Grenzwerten entsprechend den Vorgaben der Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 554 „Dieselmotoremissionen“ vorzunehmen. Arbeitsplatzmessungen sind durch Probenahme mit Pumpe, Abscheidung auf einem Partikelfilter und coulometrische Bestimmung des Kohlenstoffs entsprechend dem von den Berufsgenossenschaften anerkannten Analysenverfahren für krebserzeugende Stoffe nach BGI 505.44 durchzuführen.

Hinweis: die aktuellen Technischen Regeln für Gefahrstoffe - TRGS erhalten sie unter http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/TRGS/TRGS.html__nnn=true.

Richtwerte für die Innenraumluft:
Abgesehen davon, dass Technische Richtkonzentrationen (TRK) keine gesetzlichen Grenzwerte mehr darstellen, sind bei den in der Fragestellung geschilderten, möglichen Belastungen von Arbeitsplätzen im Krankenhaus mit Dieselmotorabgasen und anderen Luftschadstoffen Arbeitsplatzmessungen nach BGI 505.44 nicht anwendbar. Es handelt sich dabei nicht um Arbeitsstoffe oder deren Reaktionsprodukte, die in einem damit verbundenen Arbeitsprozess freigesetzt werden, sondern um von außen zugeführte Einflussfaktoren, die nur mit umwelt- oder innenraumanalytischen Methoden bestimmt und bewertet werden können. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass für Partikelfeinstaub einschließlich Russpartikel in Innenräumen bisher kein anerkannter Richtwert festgelegt ist. Nach Angabe eines Messinstituts (s. auch http://www.arguk.de/infos/feinstaub2005.htm) besteht bisher lediglich ein „inoffizieller“ Richtwert von < 20 µg/m³ für die PM2.5 Feinstaubfraktion aus Norwegen (s. auch http://www.arguk.de/download/Feinstaub2005-ARGUK.pdf ). Institute, die in der Lage sind, die in der Fragestellung geschilderten Belastungen qualifiziert zu messen, gesundheitlich zu bewerten und Maßnahmen zur Verminderung der Belastung vorzuschlagen, werden z.B. auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute AGOEF (http://www.agoef.de/) in einer Mitgliederliste aufgeführt. Eine andere Möglichkeit zum Finden von für die Problemstellung geeigneten Messinstituten bietet die Verbraucherzentrale NRW, bei der auf Anfrage Listen regionaler Anbieter von Beratungs- und Labordienstleistungen erhältlich sind.

Detaillierte Informationen zur angefragten Thematik können auch die Staatlichen Arbeitsschutz-/Gewerbeaufsichtsbehörden zur Verfügung stellen, deren Beratungsdienstleitungen über die im  Arbeitsschutzportal NRW (Rubrik: "Arbeitsschutz in ...") angegebenen Telefonnummern abgerufen werden können. Als weitere Ansprechpartner können die zuständigen Unfallversicherungsträger in die Fragestellung eingebunden werden.