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KomNet-Wissensdatenbank

Gibt es eine Möglichkeit an den Büroplätzen eines Labors die Schutzbrillenpflicht zu umgehen?

KomNet Dialog 5735

Stand: 04.07.2009

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Benutzung von PSA

Dialog
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Frage:

Nach dem Umzug unserer Abteilung ist der Bürobereich wieder in das Labor verlegt worden. Im Labor herrscht Schutzbrillenpflicht. Gibt es eine Möglichkeit an den Büroplätzen (Gehen laufen entlang der Wände, mit dem Rücken zu den Labortischen) die Schutzbrillenpflicht zu umgehen, indem man den Bereich z.B. mit schwarz-gelbem Band abtrennt und diesen Bereich zu einem Bürobereich erklärt? Die Schreibtische sind gut 1,80 m von den Arbeitstischen entfernt und es befinden sich Spritzschutze an den Kopfseiten der Labortische. Es werden keine CMR-Stoffe eingesetzt.

Antwort:

Es ist zunehmend gängige Praxis, dass Arbeitgeber ein permanentes Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) unabhängig vom Arbeitsplatz oder - tätigkeit vorschreiben. Eine allgemeingültige Antwort ist sehr schwierig, da die Wahrscheinlichkeit einer plötzlich auftretenden Gefahr hierbei berücksichtigt werden muss. Ansonsten gilt für jeden Arbeitsplatz, dass nach einer Gefährdungsbeurteilung die jeweilige PSA ermittelt werden muss und dann vorgeschrieben wird. Weitere Erläuterungen zur Trageempfehlung von Schutzbrillen finden sie in der KomNet-Datenbank.

Bei der Entscheidung der Benutzung von PSA sind die allgemeinen Grundsätze des Arbeitsschutzgesetzes und die speziellen Kriterien der PSA-Benutzungsverodnung zu berücksichtigen. Nach § 4 ArbSchG sind Gefahren an der Quelle zu bekämpfen (Nr. 2) und individuelle Schutzmaßnahmen nachrangig zu anderen Maßnahmen zu wählen (Nr. 5).

§ 2 Abs. 1 Nr. 2-4 der PSA-BV bestimmt, dass PSA nur bereitgestellt werden darf, wenn die PSA
1. .....
2. Schutz gegenüber der zu verhütenden Gefährdung bieten, ohne selbst eine größere Gefährdung mit sich bringen,
3. für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sind und
4. den ergonomischen Anforderungen und den gesundheitlichen Erfordernissen der Beschäftigten entsprechen.

Für Laboratorien mit gefährlichen Stoffen sind zusätzliche die Anforderungen aus der TRGS 526 "Laboratorien" zu beachten. Danach wird für alle Personen das Tragen von Schutzbrillen in Laboren vorgegeben (Ziffer 8.1 TRGS 526).  Hinweis: Sowohl TRGS 526  als auch entsprechende BGR 120 / GUV-R 120 (http://www.bgrci.de/praevention/fachwissen/laboratorien/laborrichtlinien/die-neuen-laborrichtlinien/), werden derzeit überarbeitet.

Der Arbeitgeber schreibt die Nutzung der für erforderlich gehaltenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) aufgrund seiner durchgeführten Gefährdungsbeurteilung vor. Beschäftigte sind somit verpflichtet, die PSA gemäß dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung auch zu tragen.

Die Pflichten, die sich aus dem Arbeitsschutzrecht und den Unfallverhütungsvorschriften ergeben, sind auch für die Mitarbeiter bindend. § 15 Abs. 2 Arbeitsschutzgesetz und § 30 Abs. 2 BGV A 1 "Grundsätze der Prävention" verpflichten die Beschäftigten die in der Gefährdungsbeurteilung ausgewählten und bereitgestellten persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) gemäß den Tätigkeiten bestimmungsgemäß zu benutzen.

Fazit: Die optische Abtrennung (gelb-schwarze Markierung) des Bürobereichs im Labor scheint keine hinreichende Sicherheit gegenüber Spritzern von Gefahrstoffen zu bewirken. Vielmehr erscheint hier eine Trennung durch feste Bauteile erforderlich. Gleichzeitig muss bei so einer gemischten Nutzung für jeden Arbeitsplatz auch die Arbeitsfläche und Bewegungsfläche berücksichtigt werden, so dass mitunter 1,80 m breite Verkehrswege für zwei gegenüberliegende Arbeitsbereiche mit gemeinsamer Bewegungsfläche schon zu klein sein könnten. Auf Grund der fehlenden Ortskenntnis empfehlen wir, das Problem mit der zuständigen Arbeitsschutzbehörde vor Ort zu klären.