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KomNet-Wissensdatenbank

Antasten von Werkstücken durch Fräser an Fräsmaschinen

KomNet Dialog 5682

Stand: 10.12.2008

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Sichere Benutzung der Arbeitsmittel

Dialog
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Frage:

Antasten von Werkstücken durch Fräser an Fräsmaschinen: Bei kleineren und gekrümmten Formumrissen ist das Antasten mittels Kantentaster - bedingt durch seitliche Abdrängung - nicht möglich. Daher wird der Fräskopf dem zu bearbeitenden Werkstückkante angenähert, bis nur noch ein Blatt Papier zwischen Werkstück und Werkzeug passt. Dabei wird - bei laufendem Fräskopf - das Blatt Papier dazwischen gehalten, bis dieses vom Fräskopf erfasst wird. Ist dies Stand der Technik oder gibt es inzwischen noch andere Lösungen?

Antwort:

Das Antasten des Werkstücks mit dem Werkzeug, um die exakte Lage des Werkstücks bestimmen zu können, zählt zum Einrichtbetrieb. Gemäß der BGI 5003 Maschinen der Zerspanung sind in dieser Betriebsart alle Tätigkeiten auszuführen, die vor einem automatischen Betrieb durchgeführt werden müssen.
Sicherheitstechnische Voraussetzungen für Einrichtbetrieb sind
œ Betriebsartenwahlschalter in Stellung „Einrichtbetrieb“ geschaltet, 
œ Spindel- und Planscheibenbewegungen und rotierende Werkzeuge reduziert auf 50 U/min bzw. 2 m/min und nur steuerbar unter Verwendung eines
– Tippschalters (Steuereinrichtung mit selbsttätiger Rückstellung) in Verbindung mit sicher reduzierten Geschwindigkeiten/ Drehzahlen oder
– schrittweise Bewegungen von nicht mehr als 6 mm (inkrementelles Verfahren), alternativ
– Tippschalter in Verbindung mit einem Zustimmschalter,
– Bewegungen von Revolverköpfen nur in Einzelschrittschaltung unter Verwendung eines
– Tippschalters (Steuereinrichtung mit selbsttätiger Rückstellung) zusammen mit einem Zustimmschalter
oder
– Zweihandschaltung, wenn in den Gefahrenbereich der Revolverköpfe gegriffen werden kann.

Die Betriebsart 3 = Manuelles Eingreifen/Manueller Eingriff darf bei Bohr- und Fräsmaschinen mit Automatiksteuerung (NC-Steuerung und Bearbeitungszentren) nur dann zur Verfügung stehen, wenn die betreffenden Maschinenbetreiber zwingende technologische Gründe bei der Herstellung der Werkstücke nachweisen können. Dies ist häufig der Fall, wenn mit diesen Maschinen keine Serienteile, sondern nur Einzelwerkstücke mit komplexer Formgebung hergestellt werden, z. B. beim Einsatz dieser Maschine im Werkzeug- und Formenbau, in der Instandhaltung oder für Nacharbeiten.
Betriebsart 3 ist ein automatischer Betrieb der Maschine bei außer Kraft gesetzten Schutzeinrichtungen, jedoch nur in Verbindung mit eingeschränkten Maschinenfunktionen, z. B.
œ reduzierte Achsgeschwindigkeiten,
œ reduzierter Spindeldrehzahl,
œ keine hohen Drücke bei Verwendung von Kühlmitteln,
œ gefährliche Maschinenfunktionen, z. B. Werkzeugwechselbewegungen, Palettenbewegungen usw., sicher abgeschaltet.
Die verbleibenden Maschinenbewegungen dürfen zwangsläufig nur durch ständiges Betätigen eines Zustimmschalters ermöglicht werden (z. B. am Hauptbedienfeld oder auf einem Handbediengerät).