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KomNet-Wissensdatenbank

Was muss ein Arbeitgeber beachten, wenn er für einen längeren Zeitraum größere Umbaumaßnahmen in seinem Unternehmen durchführen lässt?

KomNet Dialog 5545

Stand: 04.04.2010

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Lärm > Gefährdungen, Belastungen (7.3.2)

Dialog
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Frage:

Was muss ein Arbeitgeber beachten, wenn er für einen längeren Zeitraum (Bsp. 6 Monate und mehr) größere Umbaumaßnahmen in seinem Unternehmen durchführen läßt bzgl. der Einwirkung von Lärm und Vibrationen auf die Beschäftigten (Büro- und Bildschirmarbeit)? Gibt es hierfür Regelungen oder auch zeitliche Grenzen, was die Beschäftigten als Belastung infolge Lärm und Vibrationen noch zu akzeptieren haben?

Antwort:

Gemäß Ziffer 3.7 des Anhangs zur Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV  ist in Arbeitsstätten der Schalldruckpegel so niedrig zu halten, wie es nach der Art des Betriebes möglich ist. Am Arbeitsplatz in (Büro-) Arbeitsräumen darf der Schalldruckpegel auch unter Berücksichtigung der von außen einwirkenden Geräusche höchstens 85 dB (A) betragen. Wenn dies nach der betrieblich möglichen Lärmminderung zumutbarerweise nicht möglich ist, darf der Pegel bis maximal 90 dB (A) betragen.
Für alle Beschäftigten gelten aber auch die Grenzwerte (bzw. Auslösewerte von 80 und 85 dB (A)) der Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung. Der Arbeitskreis „Betriebslärmbekämpfung“ im Fachausschuss „Maschinenbau, Fertigungssysteme, Stahlbau“ (FA MFS) der BGHM informiert auf seinen Internetseiten über die Auswirkungen des Inkrafttretens der Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch Lärm und Vibrationen – LärmVibrationsArbSchV zum 09. März 2007. Dort werden u.a. Grenzwerte definiert (§ 6 LärmVibrationsarbSchV). Maßnahmen sind in den §§ 7 und 8 der Verordnung aufgeführt (siehe hierzu auch die Dialoge der KomNet-Wissensdatenbank).
Grundsätzlich muss der Arbeitgeber, möglichst vor Beginn, spätestens jedoch während der Bauarbeiten, im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz prüfen, ob der durch die Bauarbeiten verursachte Lärm zumutbar ist und wie er zu mindern wäre.
Für die Beurteilung wird er sich in der Regel der Sachkunde der Sicherheitsfachkraft und der Betriebsärztin/des Betriebsarztes bedienen. Ist es auch nach Anwendung aller zumutbaren Lärmminderungsmaßnahmen nicht möglich, einen zulässigen Beurteilungspegel einzuhalten, muss der Arbeitgeber prüfen, wie die betroffenen Arbeitsplätze für die Dauer der Bauarbeiten verlegt werden können. Arbeitnehmer haben nach der Novellierung der Arbeitsstättenverordnung im Jahr 2004 zwar noch immer Anspruch darauf, dass der Schalldruckpegel an ihrem Arbeitsplatz so niedrig wie möglich gehalten wird, der bis 2004 festgelegte Wert von maximal 70 dB (A) bei Bürotätigkeiten ist jedoch entfallen.
Aus arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen ist belegt, dass Geräusche ab 30-40 dB(A) die Leistungsfähigkeit und Konzentration der Mitarbeiter negativ beeinflussen, die Fehlerquote steigt. Bei längerfristig eingerichteten Baustellen können Messungen und die Ermittlung des Beurteilungspegels nach DIN 45645 Teil 2 sinnvoll sein.
Nach DIN EN ISO 11690-1 werden maximale Hintergrundgeräuschpegel von 30-40 dB(A) in Einzelbüros und 35-45 dB(A) in Großraumbüros empfohlen. Hintergrundgeräusche stammen von eingebauten technischen Einrichtungen oder stammen -wie im Falle des Baulärms- von außerhalb.
Gemessen und beurteilt wird nach der DIN 45645 Teil 2. Beurteilt wird dabei der Mittelwert aller auf den Arbeitsplatz einwirkenden Geräusche entsprechend der DIN-Norm über eine Arbeitsschicht von normalerweise 8 Stunden. Für die Ermittlung der Belastungen am Arbeitsplatz ist der Arbeitgeber verantwortlich, der auch ggf. anfallende Kosten tragen muss. Hierbei muss allerdings die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt bleiben. Werden Baustellen nur befristet betrieben, sind hier andere Maßstäbe anzulegen als bei ständigen Arbeitsplätzen im Lärmbereich. Die DIN können über den Beuth-Verlag bezogen werden.
Ein geeignetes Forum, Probleme des Arbeitsschutzes anzusprechen, ist der Arbeitsschutzausschuss. Sinnvolle Maßnahmen können im Einzelfall sein: Verlagerung von Arbeitsplätzen, Änderungen in der Arbeitszeit und Pausenregelung, Minimierung von anderen Stressfaktoren.