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KomNet-Wissensdatenbank

Fragen zur Einstufung von Abdunst- und Trocknungsbereichen nach BGI 740 (Lackierräume)

KomNet Dialog 5537

Stand:

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Die BGI 740 Ausgabe 06/2004 formuliert für Abdunst- und Trocknungsbereiche, dass die verbauten elektrischen und nichtelektrischen Betriebsmittel mindestens den Anforderungen an Zone 2 entsprechen müssen. Kann daraus abgeleitet werden, dass im Rahmen einer Explosionsschutzbetrachtung (-dokument) diese Abdunstbereiche generell in die Zone 2 eingestuft werden können?

Antwort:

Die Erstellung eines Explosionsschutzdokumentes ist immer dann erforderlich, wenn ein explosionsgefährdeter Bereich im Sinne von § 2 Abs. 10 Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)  möglich ist. In feuergefährdeten Räumen, z.B. Lackierräumen oder gesonderten Bereichen, müssen die explosionsgefährdeten Bereiche durch den Betreiber festgelegt werden. Diese explosionsgefährdeten Bereiche werden nach der Wahrscheinlichkeit des Auftretens gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre in Zonen eingeteilt (§ 5 BetrSichV).
Welche Maßnahmen konkret nötig sind, muss der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln (§ 7 Gefahrstoffverordnung; § 3 Betriebssicherheitsverordnung). Bezogen auf die Explosionsgefahren sind neben den o.g. Regeln und Informationen die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) und der nichtverbindliche Leitfaden der Kommission zur Umsetzung der entsprechenden EG-Explosionsschutzrichtlinie (1999/92/EG) heranzuziehen. (http://europa.eu.int/eur-lex/de/com/cnc/2003/act0515de02/1.pdf [1 MB]). Bei der Festlegung der Schutzmaßnahmen sollten die Erkenntnisse der berufsgenossenschaftlichen Regeln und Informationen berücksichtigt werden. Grundsätzlich ist aber ein begründetes Abweichen von den Vorgaben zulässig und oft auch zur Anpassung an die betrieblichen Gegebenheiten erforderlich. Eine pauschale (generelle) Ausweisung ist in Unkenntnis der Örtlichkeit der Lackierkabine, der eingesetzeten Lacke, des Verfahrens und der Schutzmaßnahmen durch KomNet und durch die berufsgenossenschaftlichen Regeln und Informationen nicht möglich.
Die BGI 740 "Lackierräume und -einrichtungen für flüssige Beschichtungsstoffe"  führt dazu aus: "Hinsichtlich der baulichen Maßnahmen und Kennzeichnung müssen Abdunsträume und -bereiche, Trocknungsräume und -bereiche die Anforderungen der Abschnitte
• "Räume und bauliche Einrichtungen"
• "Brandschutz"
• "Explosionsschutz"
• "Elektrische und nichtelektrische Geräte und Komponenten"
eingehalten werden.
In Trocknungsräumen (damit sind nicht Lacktrockner nach EN 1539 gemeint) ist eine technische Lüftung erforderlich. Die elektrischen und nichtelektrischen Geräte und Komponenten müssen mindestens den Anforderungen an Zone 2 entsprechen. Besteht die Gefahr, dass ein Ausfall der technischen Lüftung unbemerkt bleibt, wird dringend empfohlen, elektrische und nichtelektrische Geräte und Komponenten in einem Bereich von 5 m um die abtrocknenden Werkstücke nach den Anforderungen an Zone 1 auszuführen."
Vorgaben für Lackierkabinen erhalten Sie u.a. durch die BGR 231 "Schutzmaßnahmenkonzept für Spritzlackierarbeiten - Lackaerosole". Die BGI 557 "Lackierer" ist ebenfalls relevant.