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Gesundheitsgefährdungen durch feuchte Stellen mit Schimmelpilzen in Bürogebäude?

KomNet Dialog 55

Stand:

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Raumklima, Lüftung > Schimmelpilze

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Frage:

In einem Bürogebäude von ca. 100 qm befinden sich ca. 1,5 qm große feuchte Stellen, die schon zum großen Teil mit Schimmelpilz befallen sind. Besteht in einem solchen Umfeld die Gefahr, dass man sich gesundheitliche Schäden zuzieht?

Antwort:

Die Gefahr einer gesundheitlichen Schädigung ist bei der beschriebenen Situation grundsätzlich nicht auszuschließen.
Klarheit kann jedoch nur eine Messung der mikrobiologischen Belastung der Luft am Arbeitsplatz geben. In einem ähnlich gelagerten Fall wurden Schimmelpilzkonzentrationen von 1500 KBE/m3 (koloniebildende Einheiten pro qm Luft) gefunden, die vom arbeitsmedizinischen Dienst als gesundheitlich bedenklich eingestuft worden sind.

Statt kostenträchtige Messungen der mikrobiologischen Belastung der Luft am Arbeitsplatz vorzunehmen ist in diesem Fall die direkte Trockenlegung der feuchten Wandstellen zu empfehlen. Zumindest sollte hier als prioritäre Erstmaßnahme die Beseitigung der Schimmelpilze, die wahrscheinlich an Tapete nresten, Farbresten etc. anhaften, sofort durchgeführt werden.

Im wesentlichen handelt es sich bei Kontakt mit Schimmelpilzen und Schimmelpilzsporen, insbesondere bei hohen Konzentrationen in der Atemluft, um die Gefahr der Ausbildung einer Pilzallergie (Mykogene Allergie) oder Pilzinfektion (Mykose), wobei die opportunistischen Systemmykosen im Vordergrund stehen.

Mykogene Allergien
Mit der Atemluft können die Pilzsporen in den Respirationstrakt gelangen. Die Pilzsporen enthalten potente Allergene, gegen die anfällige Individuen mit einer starken Überempfindlichkeit reagieren können. Je nach Lokalisation entsteht eine Allergische Rhinitis, ein Asthma bronchiale oder die Allergische Alveolitis. Viele dieser allergischen Krankheiten sind Berufskrankheiten.

Opportunistische Systemmykosen
Opportunistische Mykosen, die Haut und Schleimhäute sowie innere Organe betreffen, können sowohl durch Hefen als auch durch Schimmelpilze verursacht werden. Voraussetzung für ihr Entstehen ist allerdings eine stark ausgeprägte Abwehrschwäche des Individuums. Die Pilze dringen in der Regel über den Respirationstrakt ein. Bei allen opportunistischen Systemmykosen existiert ein primärer Infektionsherd, zumeist im oberen oder unteren Respirationstrakt. Von diesem Herd aus können die Erreger über das Blut und/oder die Lymphe weiter verbreitet werden und andere innere Organe befallen.

Stand: August 2006