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KomNet-Wissensdatenbank

Wie muss eine Einrichtung zur Überwachung der Wirksamkeit der technischen Lüftung in einer Lackierkabine beschaffen sein?

KomNet Dialog 5479

Stand: 10.12.2009

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.4.4)

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Frage:

Ein Farbspritzraum wurde mit einem Spritzstand und einer Farbnebelabsauganlage ausgerüstet. Für den Raum wird ein Explosionsschutzdokument erstellt. In der BGR 104 wird eine Überwachung der Wirksamkeit der technischen Lüftung (Absauganlage) gefordert. Reicht eine technische Lösung, bei der die Luftzufuhr für die Spritzpistole so verriegelt wird, dass der Spritzbetrieb nur bei wirksamer Absaugung möglich ist? Oder ist zusätzlich ein Strömungswächter notwendig?

Antwort:

Konkrete Vorgaben für Lackierkabinen erhalten Sie u.a. durch die BGR 231 "Schutzmaßnahmenkonzept für Spritzlackierarbeiten - Lackaerosole". Die BGI 740 "Lackierräume und -einrichtungen für flüssige Beschichtungsstoffe"  und die BGI 557 "Lackierer" sind ebenfalls relevant.

Die BGI 740 erläutert zu Absaugung, Lüftung von Räumen und Bereichen:
Räume und Bereiche, in denen Beschichtungsstoffe durch Personen verarbeitet werden (z.B. Lackierräume, gesonderte Bereiche, Abdunsträume/-plätze, Misch- und Bereitstellungsräume), müssen eine Lüftung aufweisen. Diese muss so ausgeführt sein, dass
• gefährliche explosionsfähige Atmosphäre verhindert wird,
• die Arbeitsplatz-Luftgrenzwerte entstehender Gase, Dämpfe, Nebel eingehalten sind und
• im Arbeitsbereich des Lackierers Zugluft nicht auftritt.
In der Regel wird dies nur durch eine technische Lüftung (Luftaustausch durch Ventilatoren) erreicht. Beispiele finden sich im weiteren Verlauf.

Die TRBS 2152 Teil 2 / TRGS 722 "Vermeidung oder Einschränkung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre" führt zur technischen Lüftung aus

"2.4.4.3 Technische Lüftung (Raumlüftung)
(1) Technische Lüftung ist der Luftaustausch mit gezielten technischen Mitteln (z. B. Ventilatoren, Luftinjektoren). Sie führt zu einer Reduzierung brennbarer Stoffe innerhalb des betrachteten lüftungs-technischen Bereiches. Sofern die technische Lüftung als Explosionsschutzmaßnahme eingesetzt wird, ist sie hinsichtlich Stärke, Güte und Verfügbarkeit zu bewerten.
Bemerkung:
Treibende Kraft ist bei der technischen Lüftung entweder Unterdruck (z. B. bei lokaler Absaugung) mit in der Regel niedriger „Reichweite" oder Überdruck (z. B. aus Frischluftauslässen) mit hoher „Reichweite". Dabei sind folgende Erfordernisse zu beachten:
1. Die Wirksamkeit der Lüftung ist in Abhängigkeit von der Wahrscheinlichkeit, mit der explosionsfähige Atmosphäre entstehen kann oder deren Auftreten eingeschränkt werden soll, zu überwachen. Sofern die Überwachung der Lüftung automatisch erfolgt, muss sie sich auf das Auftreten gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre selbst (z. B. durch Gaswarngeräte) oder zumindest auf den zu überwachenden Luftstrom (z. B. durch Strömungswächter) beziehen. Eine Überwachung des Betriebes von Teilen der Lüftungsanlage (z. B. Überwachung der Ventilatordrehzahl) ist in der Regel nicht ausreichend."

D.h. in der Gefährdungsbeurteilung muss geklärt werden, wie die Verriegelung der Spritzpistole wirkt. Sofern das Schaltkriterium nur die Drehzahl des Ventilators ist, dürfte diese Maßnahme nicht als ausreichend im Sinne der o.g. TRBS gelten. Wird hingegen der Luftstrom gemessen (Strömungswächter), ist die Schaltung als hinreichend anzusehen.