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KomNet-Wissensdatenbank

Gibt es qualifizierte Schätzungen über die potenzielle Preiserhöhung (EUR/kg) von Chemikalien und Erzeugnissen im Zusammenhang mit REACH?

KomNet Dialog 5475

Stand: 25.09.2009

Kategorie: Sichere Chemikalien > Zulassungs- und Beschränkungsverfahren > Anforderungen an die Registrierung

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Antwort:

Nein, es gibt keine qualifizierten Schätzungen darüber, wie sich die Preise entwickeln werden. Die Preise von Produkten sind zwar von REACH beeinflusst, allerdings spielen natürlich auch die „normalen Marktkräfte“ und die Globalisierung eine Rolle.
Sie haben bereits selber verschiedene Faktoren aufgezählt, die für die Preisentwicklung unter REACH relevant sind.
Wir können noch hinzufügen, dass sich die Preisgestaltung möglicherweise dadurch ändert, dass die Wichtigkeit bestimmter Stoffe für bestimmte Anwendungen transparenter wird. Erfährt ein Hersteller zum Beispiel, dass ein Endanwender auf seinen Stoff nicht verzichten kann, so weiß er auch, dass er ‚problemlos’ höhere Preise verlangen kann (und dies auch in der Vergangenheit hätte tun können). Dies kann also völlig unabhängig von Registrierungskosten geschehen. REACH kann also auch dazu führen, dass Stoffe, die momentan nicht als ‚wertvoll’ vermarktet werden oder bekannt sind, zukünftig als solche angesehen werden. Der Effekt ist natürlich auch andersherum möglich – Endanwender stellen fest, dass ein Stoff, den sie bisher ‚teuer eingekauft haben’, ein „Allerweltsprodukt“ ist.
Ein weiterer Effekt, der die Preisentwicklung beeinflussen wird, ist die Tatsache, dass Herstellungskapazitäten sich verschieben werden. Der eine Hersteller wird die Einstellung der Produktion seines Konkurrenten eventuell kompensieren und dadurch seine Produktionskosten pro Menge verringern können. Andererseits können durch eine Verringerung der Anzahl der Hersteller monopolähnliche Situationen entstehen – mit den bekannten Konsequenzen.
Es ist offensichtlich, dass die Registrierungskosten pro kg/Produkt höher werden, je niedriger die Tonnage des Stoffes insgesamt ist. Effekte durch gemeinsame Registrierungen sind nur in den höheren Tonnagebändern zu erwarten, da der Verwaltungsaufwand für das Management eines Konsortiums für die niedrigen Tonnagen höher ist, als die Registrierungskosten selbst.
Weiterhin ist bisher unklar, wie viele Tests eigentlich für die hochvolumigen Stoffe getätigt werden, Anhang VIII und IX sind ja nur eine ‚Auswahlliste für Testvorschläge’ und nicht zwingend vorgeschrieben, und ob und welche Studien bereits in der Industrie vorliegen (und dann nicht mehr gemacht werden müssen) ist momentan relativ unklar.
Inwieweit Formulierer ihre F&E–Aufwendungen, die ggf. für den Ersatz von Stoffen getätigt werden müssen (Entfall von Stoffen vom Markt) an die Kunden weitergeben, ist unseres Wissens bisher gar nicht untersucht.
Nach der endgültigen Verabschiedung von REACH hat es, soweit hier bekannt, keine weiteren Abschätzungen von Registrierungskosten gegeben.
In einer Studie des Umweltbundesamtes (Kosten und Nutzen von REACH anhand von Beispielen) wurden die spezifischen Kosten (basierend auf der Fassung vom Oktober 2003) mit 1,3 – 13 Euro pro kg für Stoffe, die in Mengen zwischen 1 und 10 t/a produziert werden und mit weniger als 25 Cent für Stoffe über 1.000 t/a angegeben (mittleres Szenario).
In einer Studie der EU Kommission zu den Auswirkungen von REACH auf die neuen Mitgliedsstaaten wurden die Preiswirkungen für einige Zubereitungen berechnet. Es wurde angenommen, dass der Hersteller seine Registrierungskosten innerhalb von 4-5 Jahren über eine Preiserhöhung an seinen Kunden wettmacht. Es wurde eine Diskontierungsrate von durchschnittlich 8 Prozent angenommen. Dann wurde die Erhöhung der Preise der Zubereitungen berechnet, hierbei wurde die Preiserhöhung der Einsatzstoffe mit der Einsatzkonzentration in der Zubereitung verrechnet. Bei der Preisberechnung für die Zubereitungen wurde angenommen, dass die erhöhten Rohstoffkosten sofort kompensiert werden. Die Preiserhöhungen für die Zubereitungen lagen zwischen 0,003 und 0,13 Euro/kg, und die prozentualen Preiserhöhungen lagen zwischen 0,03 % und 1,18 %. Es muss allerdings erwähnt werden, dass es sich hauptsächlich um Verbraucherprodukte und keine Spezialchemikalien gehandelt hat, für die höhere Werte zu erwarten sind.
Die Komplexität von REACH und die unseres globalisierten Marktes lassen unserer Ansicht nach keine detaillierteren Schätzungen zu, das muss letztlich auf Einzelstoff- und Einzelakteursbasis geschehen, da ja jeder unter REACH seine eigenen, unterschiedlich motivierten Entscheidungen treffen wird. Insofern ist eine Kommunikation mit den Lieferanten unerlässlich um Abschätzungen zu treffen und im Zweifelsfall wird sich der Effekt von REACH (und anderen Faktoren) auf die Preise erst in Zukunft wirklich zeigen.
Der Zugang zum REACH-Net – Beratungsservice findet sich unter der Internetadresse www.reach-net.com. Dort kann jeder online in der REACH-Wissensdatenbank recherchieren und - nach einer einfachen, persönlichen Anmeldung - auch neue Fragen an den REACH-Expertenverbund stellen. Dort werden auch die veröffentlichte REACH-Verordnung 1907/2006 (EU-ABl. L 396 vom 30.12.2006) und begleitende Rechtsakte angeboten.
Stand: April 2007
(Basis: cc8770)