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KomNet-Wissensdatenbank

Müssen Reinigungskräfte in einer Praxis für Strahlentherapie mit Dosimetern oder Strahlenpässen ausgerüstet werden?

KomNet Dialog 5473

Stand: 04.04.2007

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Ionisierende Strahlung > Strahlenschutzorganisation

Dialog
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Frage:

Müssen Reinigungskräfte, die Reinigungstägikeiten in einer Praxis für Strahlentherapie durchführen, mit Dosimetern oder Strahlenpässen ausgerüstet werden? Welche präventiven Schutzmaßnahmen sind hier ggf.zu beachten?

Antwort:

Um die Frage abschließend beantworten zu können, sind noch nähere Angaben notwendig. Je nach Art der Praxis und Art der dort betriebenen Bestrahlungseinrichtungen bzw. verwendeten radioaktiven Stoffen sind unterschiedliche Anforderungen an die Strahlenschutzüberwachung des Reinigungspersonals zu stellen. Da in der Fragestellung von einer Praxis für Strahlentherapie die Rede ist, wird davon ausgegangen, dass Bestrahlungseinrichtungen mit umschlossenen radioaktiven Stoffen (z.B. Afterloading- oder Kobalt-Einrichtungen) betrieben werden. Ferner wird unterstellt, dass das Reinigungspersonal Fremdpersonal einer Reinigungsfirma ist.
Bestrahlungsräume, in denen die v.g. Bestrahlungseinrichtungen installiert sind, sind Kontrollbereich in Sinne des § 36 Strahlenschutzverordnung (StrlSchV). Personen, die in diesen Bereichen ständig tätig sind, sind beruflich strahlenexponierte Personen und entsprechend strahlenschutzmäßig zu überwachen. Reinigungskräfte, die nur kurzzeitig in diesen Räumen tätig werden, sind nicht zwangläufig auch beruflich strahlenexponierte Personen. Ausschlaggebend ist die innerhalb eines Kalenderjahres bei der Reinigung dieser Bereiche zu erwartende Körperdosis. Beträgt die Körperdosis weniger als 1 Millisievert (mSv) im Kalenderjahr, sind die Reinigungskräfte keine beruflich strahlenexponierten Personen. Die Ermittlung der möglichen Körperdosis hat der vor Ort zuständige Strahlenschutzbeauftragte unter Zugrundelegung der Ortsdosisleistung in der Umgebung der Bestrahlungseinrichtung und der Aufenthaltszeit im Bestrahlungsraum zu ermitteln und zu dokumentieren. Ergibt die Ermittlung, dass die zu erwartende Körperdosis 1 mSv im Kalenderjahr nicht überschreitet, sind keine weiteren Strahlenschutzmaßnahmen (z.B. Messung der Personendosis usw.) erforderlich. Es muss jedoch sichergestellt sein (z.B. durch schriftliche Bestätigung der Reinigungsfirma), dass das Reinigungspersonal nicht noch in Kontrollbereichen anderer Einrichtungen tätig ist. Die Reinigungstätigkeit darf nur bei Anwesenheit bzw. kurzfristiger Erreichbarkeit eines Strahlenschutzbeauftragten oder einer sonst tätigen Person durchgeführt werden. Das Reinigungspersonal ist vor dem erstmaligen Zutritt zum Kontrollbereich und danach in jährlichen Abständen einer Strahlenschutzunterweisung gemäß § 38 StrlSchV zu unterziehen. Das Verhalten des Reinigungspersonal im Kontrollbereich ist in der Strahlenschutzanweisung gemäß § 34 StrlSchV festzulegen. Die Strahlenschutzanweisung ist dem Reinigungspersonal im Rahmen der Unterweisung zur Kenntnis zu geben.
Kann die Körperdosis des Reinigungspersonals bei der Reinigung eines oder mehrerer Kontrollbereiche im Kalenderjahr mehr als 1 mSv betragen, so bedarf die Reinigungsfirma einer Genehmigung nach § 15 StrlSchV für die Beschäftigung in fremden Anlagen oder Einrichtungen. Das Reinigungspersonal muss im Besitz eines vollständig geführten, bei der zuständigen Behörde registrierten Strahlenpasses sein. Des Weiteren sind die Personendosen mit amtlichen Dosimetern zu messen und die v.g. Unterweisungen durchzuführen.
Bei der Reinigung von Bestrahlungsräumen mit Beschleunigereinrichtungen sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich. Die Reinigungsarbeiten sollten jedoch erst am nächsten Morgen vor Aufnahme des Bestrahlungsbetriebes durchgeführt werden, um die möglicherweise vorhandenen kurzlebigen Aktivierungsprodukte abklingen zu lassen (Minimierungsgebot). Die Räume können aber auch vorher, nach der Durchführung von Strahlenschutzmessungen oder aufgrund von Erfahrungswerten bezüglich der zu erwartenden Strahlenexposition, zur Reinigung freigegeben werden.
Bei der Reinigung anderer Bereiche, z.B. nuklearmedizinische Bereiche, in denen mit offenen radioaktiven Stoffen umgegangen wird, sind besondere Maßnahmen zu beachten, die hier nicht behandelt wurden.