Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Enthalten Stempelfarben Blut- und Zellgifte? Ist der Kontakt mit der Haut verboten?

KomNet Dialog 5444

Stand: 04.04.2007

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch bestimmte Stoffe / Zubereitungen

Dialog
Favorit

Frage:

Nach einer Veröffentlichung der VBG sollen Stempelfarben Zell- und Blutgifte enthalten. Wenn dem so ist und durch Anilin u.ä. die Haut geschädigt wird, müsste es doch ein allgemeines Verbot zum `Abstempeln` der Hände (z.B. bei Veranstaltungen, öffentlichen Aufführungen etc.) geben. Insbesondere werden doch gerade bei diesen Gelegenheiten Jugendliche und Kinder gefährdet.

Antwort:

Bei Stempelfarben handelt es sich meistens um Lösungen von organischen Farbstoffen in Ölen oder Lösemittelgemischen. Produktinformationen und Sicherheitsdatenblätter mit detaillierten Angaben zu den Inhaltsstoffen können bei Herstellern von Stempelkissen und Stempelfarben angefordert werden, wie z.B. unter http://www.coloris.com/uploads/sicherheitsdatenblaetter/de/6061_schwarz_de_051006.pdf  zu schwarzen und unter http://www.coloris.com/uploads/sicherheitsdatenblaetter/de/6061_blau_de_051006.pdf zu blauen Stempelfarben. Träger von gefährlichen Eigenschaften sind dabei weniger die darin enthaltenen Farbstoffe, sondern eher die verwendeten Lösemittel, wie z.B. das als reizend (Xi) und augenschädigend (R41) eingestufte 2-Ethylhexan-1,3-diol.
Das in der Fragestellung angegebene Anilin, CAS-Nummer 62-53-3, ist dagegen mit einer erheblichen Häufung von gefährlichen Eigenschaften wie folgt eingestuft:
• Giftig beim Einatmen, Verschlucken und Berührung mit der Haut (T, R23/24/25)
• Verdacht auf krebserzeugende Wirkung (R40)
• Gefahr ernster Augenschäden (R41)
• Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich (R43)
• Giftig: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Einatmen, Berührung mit der Haut und durch Verschlucken (R48/23/24/25)
• Irreversibler Schaden möglich (R68)
• Sehr giftig für Wasserorganismen (R50)
Anilin kann nicht nur durch Verschlucken und Einatmen, sondern aufgrund seiner Hautgängigkeit auch über den Hautkontakt in den Organismus aufgenommen werden. Akute Vergiftungen mit Anilin führen durch Bildung von Methämoglobin zuerst zur Unterversorgung des Organismus mit Sauerstoff unter sichtbarer Blaufärbung von Lippen, Ohrläppchen, Fuß- und Fingernägel (Zyanose), später zur Blutschädigung und damit auch zu schweren Erkrankungen. Weitere Informationen über Anilin sind im Gefahrstoffinformationssystem der gewerblichen Berufsgenossenschaften unter http://www.dguv.de/ifa/de/gestis/index.jsperhältlich.
Vom Anilin selbst sind jedoch die vom Anilin abstammenden Farbstoffe (Teer- oder Anilinfarben), wie z.B. das Anilinschwarz, CAS-Nummer 13007-86-8, zu unterscheiden. Anilinschwarz wird bereits seit langer Zeit durch Oxidation von Anilin mit Oxydationsmitteln, wie z.B. Chromaten, hergestellt und als Bestandteil von Lacken, Textil- und Papierdruckfarben, daher auch in Stempelfarben eingesetzt. Einziger Hersteller für Anilinschwarz in Deutschland ist die BASF – Internet: http://www.veredlungschemikalien.basf.de. Bedingt durch das Herstellungsverfahren ist im Endprodukt kein freies Anilin mehr vorhanden. Anilinschwarz wird zwar unter der EG-Nummer 235-850-3 im Altstoffverzeichnis der Europäischen Union aufgeführt, wie im Europäischen Informationssystem für chemische Stoffe unter http://ecb.jrc.it/esis recherchiert werden kann. Gefährliche Eigenschaften sind jedoch nicht bekannt, und Anilinschwarz ist auch nicht in der EU-Prioritätenliste von bedenklichen und möglichst bald zu bewertenden Stoffen enthalten.
Verbote und Einschränkungen der Herstellung von und des Handels mit gefährlichen Stoffen, die für Endverbraucher zu Gesundheitsschäden führen können, werden in der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und der Chemikalienverbotsverordnung (ChemVerbotsV) ausgesprochen. Das betrifft vor allem alle krebserzeugenden, erbgutverändernden und fortpflanzungsgefährdenden Stoffe der Kategorien 1 und 2, krebserzeugende aromatische Amine und die davon abgeleiteten Azofarbstoffe, die früher auch in Produkten, die für den Endverbraucher bestimmt waren, vorkamen. Gravierende gesundheitliche Schäden sind daher mit den heute gesetzlich zulässigen Farbstoffen nicht zu erwarten, auch wenn z.B. bei Events für Jugendliche die eigentlich für Bürozwecke vorgesehenen Stempelfarben zum Markieren auf Hautflächen eingesetzt werden, auch aufgrund der geringen Menge der auf die Haut mit Lösemitteln aufgetragenen Farbstoffe. Einige Farbstoffe können allerdings auch Allergien auslösen, so dass besser Stempelfarben auf Naturstoffbasis eingesetzt werden sollten.
Weiterführende Informationen und unterstützende Beratungen vor Ort können bei den für die Region zuständigen staatlichen Aufsichtbehörden angefordert werden, deren Anschriften z.B. unter www.arbeitsschutz.nrw.de (Rubrik: "Arbeitsschutz in ...") abgerufen werden können.  Als weitere Ansprechpartner können im gewerblich-privatwirtschaftlichen- und im öffentlich-rechtlichen Bereich die Berufsgenossenschaften der jeweiligen Branche - Internet: www.dguv.de   - in die Fragestellung eingebunden werden. Auf diese Problematik anzusprechen sind auch die Verbraucherzentralen, die unter http://www.verbraucherzentrale.de erreicht werden können.