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Muß nach einem Arbeitsunfall der vom Betrieb ausgewählte Durchgangsarzt aufgesucht werden oder besteht freie Arztwahl?

KomNet Dialog 5430

Stand: 04.02.2010

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Gesundheitsschutz > Erste Hilfe

Dialog
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Frage:

Ich möchte gerne wissen, ob es richtig ist, dass der Betrieb mir vorschreiben kann, dass ich bei einem Arbeitsunfall den vom Betrieb und der Berufsgenossenschaft ausgesuchten Durchgangsarzt aufsuchen muß,um Kosten zu sparen, damit alles über eine Abrechnung geht und die BG es einfacher hat?

Antwort:

Maßgebliche arbeitsschutzrechtliche Vorschriften zur Organisation der Ersten Hilfe im Betrieb sind § 10 Erste Hilfe und sonstige Notfallmaßnahmen des Arbeitsschutzgesetzes und die Unfallverhütungsvorschrift BGV A1 - Grundsätze der Prävention. Siehe auch die Ausführungen der BGR A1.
Ausführliche Erläuterungen zur Organisation der Ersten Hilfe im Betrieb und zum Durchgangsarztverfahren gibt die berufsgenossenschaftliche Information BGI 509 (Ziffer 4.1.2).
§ 24 Abs. 4 der BGV A 1 bestimmt, dass der Unternehmer im Rahmen seiner Möglichkeiten darauf hinzuwirken hat, "dass Versicherte
- einem Durchgangsarzt vorgestellt werden
, es sei denn, dass der erstbehandelnde Arzt festgestellt hat, dass die Verletzung nicht über den Unfalltag hinaus zur Arbeitsunfähigkeit führt oder die Behandlungsbedürftigkeit voraussichtlich nicht mehr als eine Woche beträgt,
- bei einer schweren Verletzung einem der von den Berufsgenossenschaften bezeichneten Krankenhäuser zugeführt werden, ......"

§ 24 Abs. 2 der BGV A1 verlangt vom Unternehmer lediglich, dass der Verletzte dann dem Arzt vorzustellen ist, wenn Art und Umfang der Verletzung eine ärztliche Versorgung angezeigt erscheinen lassen, d.h. wenn ein verantwortungsbewusster Laie sich sagen muss, dass die Verletzung besser von einem Arzt überprüft werden sollte. Eine solche Entscheidung ist dem Ersthelfer und dem Betriebssanitäter zuzumuten. Bei geringfügig erscheinenden Verletzungen genügt die Vorstellung beim Hausarzt oder beim Betriebsarzt, sofern sich dieser im Betrieb aufhält.
Ist damit zu rechnen, dass die Verletzung zur Arbeitsunfähigkeit des Versicherten über den Unfalltag hinaus führt oder eine Behandlungsbedürftigkeit vorliegt, die voraussichtlich mehr als eine Woche beträgt, so hat der Unternehmer nach § 24 Abs. 4, erster Spiegelstrich der BGV A1 dafür zu sorgen, dass der Verletzte einem Durchgangsarzt vorgestellt wird.
Der Durchgangsarzt, ein unfallmedizinisch besonders erfahrener niedergelassener oder an einem Krankenhaus tätiger Arzt für Chirurgie oder für Orthopädie, hat alle ihm unmittelbar zugeführten oder ihm überwiesenen Verletzten zu untersuchen.
Liegt eine schwere Verletzung vor, so soll der Verletzte nach § 24 Abs. 4 zweiter Spiegelstrich der BGV A1 einem von den Berufsgenossenschaften am Verletzungsartenverfahren beteiligten Krankenhaus zugeführt werden. Bei derartig schweren Verletzungen kommt in der Regel der Notarzt am Unfallort zum Einsatz, der auch die Einweisung in ein am Verletzungsartenverfahren beteiligtes Krankenhaus veranlasst" (BGI 509).
Das bedeutet, dass auf Grund der Schwere der Unfallfolgen eine Einschätzung der nachfolgenden Behandlung getroffen werden muss. Diese Entscheidung soll durch den Erst-Helfer, Betriebssanitäter oder andere anwesende Personen getroffen werden. Der Unternehmer soll darauf hinwirken, sofern ein Arzt aufgesucht werden muss, das ein Durchgangsarzt gewählt wird. Schwerwiegendere Verletzungen werden durch den Notarzt mittels Rettungstransport dem Krankenhaus zugeführt.

Hinsichtlich der freien Arztwahl des Versicherten äußert sich die Fleischerei-BG folgendermaßen:
"Die Unfallverletzten haben freie Arztwahlunter den D-Ärzten. Wird nach einem Arbeitsunfall nicht direkt der D-Arzt aufgesucht, hat der erstbehandelnde Arzt (von bestimmten Ausnahmen abgesehen) die/den Verletzte/n einem D-Arzt vorzustellen." (Quelle: Fleischerei-BG).

Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.steine-und-erden.net/se604/recht.htm .