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KomNet-Wissensdatenbank

Welcher Luftwechsel muss in einem Labor eingerichtet werden? Ist beim Umgang mit infektiösem Material eine andere Lüftungstechnik erforderlich?

KomNet Dialog 5405

Stand: 20.12.2009

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Technische Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Bei der Errichtung neuer Laborarbeitsplätze sollte der Stand der Technik berücksichtigt werden, der unter anderem in der BGR 120 und der TRGS 526 aufgeführt wird. Leider verzögert sich die Aktualisierung dieser Schriften immer weiter. In der derzeitigen Version dieser Schriften ist ein 8-facher Luftwechsel(25³/m²h) beschrieben. Inwieweit ist dieser Wert auch zu berücksichtigen, wenn es sich um ein medizinisches Labor handelt, in dem praktisch keine gesundheitsgefährlichen Chemikalien verwendet werden? Die genannten Regeln beschreiben ja in erster Linie den Stand der Technik für chemische Laboratorien. Wie verhält es sich, wenn ausnahmslos alle Tätigkeiten mit Gefahrstoffen unter einem Laborabzug ausgeführt werden, ist dann trotzdem für den gesammten Raum ein 8-facher Luftwechsel vorzusehen? In medizinischen Laboratorien sollen gemäß TRBA100 die Fenster und Türen während der Tätugkeit mit potenziell infektiösem Material geschlossen sein. Das bedeutet, dass für eine gewisse Zeit (ca. 4 Stunden) keine natürliche Lüftung stattfindet. Bedingt allein diese Tatsache schon eine technische Lüftung? Oder reicht es aus, wenn vor und nach der Tätigkeiten mit potenziell infektiösem Material durch Öffnen der Fenster gelüftet wird? Gibt es außerhalb der Verwendung von Gefahrstoffen Bedingungen, die eine technische Lüftung voraussetzen? Ab einer bestimmten Raumgröße? Anzahl der Mitarbeiter?

Antwort:

Sowohl die BGR 120 (Entwurfsfassung vom Januar 2007; (BGI I 850-0), die entsprechende TRGS 526 als auch die DIN 1946 Teil 7 Raumlufttechnische Anlagen in Laboratorien werden derzeit überarbeitet. Daher kann die Frage derzeit nur unter Berücksichtigung des bestehenden Regelwerkes und ggf. der vorliegenden Entwürfe beantwortet werden.

In klassischen Chemielaboren wird nach wie vor eine Lüftung als ausreichend angesehen, die eine Leistung von 25m3/m2 je Stunde bezogen auf die Hauptnutzfläche hat und deren Zuluft temperiert über eine Zuluftanlage zugeführt wird.
Im Entwurf zur BGR 120 werden aber Ausnahmen mit geringeren Luftvolumina und ggf. freier Lüftung zugelassen. Diese Ausnahmen werden an die Gefährdungsbeurteilung gekoppelt und sind zu dokumentieren, entsprechende Laborräume sind zu kennzeichnen.

Es können im Einzelfall aber auch höhere Luftvolumina erforderlich werden, z.B. bei extremer Wärmeabgabe von Anlagen oder Geräten. Es sind auch die Randbedinungen des Arbeitsstättenrechts (Arbeitsstättenverordnung, Arbeitsstättenrichtlinien) zu beachten, was Raumtemperatur und Raumluftqualität angeht. Das bedeutet, dass eine Lüftung auch erforderlich werden kann, wenn z.B. auf Grund der Raumgröße eine freie Lüftung gar nicht mehr möglich ist.

Die Abluft kann weiterhin ganz oder teilweise über die Laborabzüge geführt werden, wobei Laborabzüge nach DIN EN 14175 (löst Teil 1 der DIN 12924 ab) keine Richtwerte mehr für den erforderlichen Abluftvolumenstrom enthalten (siehe auch http://www.bgrci.de/praevention/fachwissen/laboratorien/abzuege/abzuege-nach-din-en-14175/ ) .

In medizinischen Laboratorien sind zunächst als Regelwerke die Biostoffverordnung und die TRBA 100 heranzuziehen. Hier ist zunächst die Schutzstufe nach Biostoffverordnung über das infektiöse Potenzial der biologischen Arbeitsstoffe zu ermitteln. Aus der zugeordneten Schutzstufe sind dann die Maßnahmen nach der TRBA 100 abzuleiten. Kann der Umgang mit Chemikalien vernachlässigt werden, so sind in Laboren der Schutzstufe 1 und möglicherweise noch in Schutzstufe 2 nicht von vornherein Lüftungsanlagen vorgesehen. Können nach der Art der Tätigkeit genügend Lüftungspausen eingerichtet werden, so ist auch eine freie Fensterlüftung ausreichend. Was ausreichend Lüftungspausen sind ist aber nicht von vornherein zu beantworten, auch hier muss eine fachkundig durchgeführte Gefährdungsbeurteilung z.B. Wärmelast oder Kohlendioxidemissionen der Labornutzer berücksichtigen. In Laboren ab der Schutzstufe 3 sind allerdings ganz erblich andere Lüftungsmaßnahmen erforderlich (Unterdruckregelung, Schleusensystem,...). Daneben werden in Laboren nach TRBA 100 keine Chemieabzüge (DIN EN 14175, DIN 12924) sondern Sicherheitswerkbänke nach DIN EN 12469 mit Hochleistungsschwebstofffiltern eingesetzt, die oft im Umluftbetrieb gefahren werden können.

Siehe auch http://www.bgrci.de/fileadmin/BGRCI/Downloads/DL_Praevention/Fachwissen/Laboratorien/Abzuege/Handlungsanleitung_Abzugspruefung.pdf; Normen könne Sie kostenpflichtig beim Beuth-Verlag beziehen.