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KomNet-Wissensdatenbank

Welche Maßnahmen müssen bei erhöhtem PCB-Gehalt der Isolierflüssigkeit in Transformatoren (Bj. 1974) vorgenommen werden?

KomNet Dialog 5400

Stand: 04.04.2007

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Verwendungsverbote > Sonstige Verwendungsverbote

Dialog
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Frage:

Gemäß verschiedener Verordnungen und Merkblätter durften Transformatoren mit PCB-haltiger oder PCB-kontaminierter, mineralölhaltiger oder synthetischer Isolierflüssigkeit mit einem PCB-Gehalt in der Isolierflüssigkeit von über 50 mg/kg längstens bis zum 31. Dezember 1999 verwendet werden. Aufgrund der o. a. Fristensetzung musste eine Neubefüllung spätestens am 30. Juni 1999 abgeschlossen sein. Wie ist zu verfahren, wenn jetzt festgestellt wird, dass bei insgesamt zwei Transformatoren (Baujahr 1974) ein PCB-Gehalt bei Trafo 1 mit 4.160mg/kg und bei dem anderen Transformator ein Wert von 16.300mg/kg festgestellt wurde. Die Transformatoren befinden sich in einem Betriebsgebäude und sind baulich von den anderen Räumen abgetrennt. Eine Raumluftmessung wurde noch nicht durchgeführt.

Antwort:

Auf den beschriebenen Sachverhalt findet das Verwendungsverbot der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) Anwendung. Maßgeblich sind hier die Verwendungsverbote des § 18 in Verbindung mit den Maßgaben des Anhangs IV Nr. 14. Danach dürfen folgende Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse nicht ... verwendet werden: 

  1. polychlorierte (das heißt tri- und höherchlorierte) Biphenyle (PCB),
  2. polychlorierte Terphenyle (PCT),
  3. Monomethyltetrachlordiphenylmethan,
  4. Monomethyldichlordiphenylmethan,
  5. Monomethyldibromdiphenylmethan,
  6. Zubereitungen mit insgesamt mehr als 50 Milligramm pro Kilogramm der Stoffe nach Nummer 1 bis 5,
  7. Erzeugnisse, die Stoffe nach Nummer 1 bis 5 oder Zubereitungen nach Nummer 6 enthalten,
  8. Zubereitungen und Erzeugnisse, bei denen der Verdacht besteht, dass sie unter Nummer 6 oder 7 fallen, solange bis das Gegenteil bewiesen ist. 

Da für beide Transformatoren eine Konzentration oberhalb der Grenze in Nr. 6 angegeben wird, greift hier das Verwendungsverbot. Das bedeutet, dass ihr Betrieb seit dem 31. Dezember 1999 unzulässig ist und dass sie ausgebaut und entsorgt werden müssen.
Als Alternative zur Außerbetriebnahme der Transformatoren kommen die Maßnahmen in Betracht, die in der Ausnahmeregelung des Anhangs IV Nr. 14, Abs. 3 der aktuellen Gefahrstoffverordnung beschrieben sind. Danach ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Reinigung und Neubefüllung zulässig, aber auch ein Reinigungsverfahren, das ohne einen Austausch der Isolierflüssigkeit auskommt. Eine schlichte Neubefüllung (ohne Reinigung) kommt bei den besagten Transformatoren nicht in Betracht, da der Verordnungsgeber hierfür einen max. PCB-Gehalt der auszutauschenden Transformatorflüssigkeit von 2000 mg/kg festgelegt hat.
Übergangsvorschriften für den Weiterbetrieb PCB-haltiger Einrichtungen enthält auch § 22 GefStoffV. Diese sind jedoch für diesen Fall nicht relevant, denn sie sind geknüpft an bestimmte max. Füllmengen, die bei Transformatoren weit überschritten sind.
Schließlich ist es denkbar, dass der Betreiber der Transformatoren über eine behördliche Ausnahmegenehmigung verfügt, die ihm den Betrieb noch bis längstens Ende 2009 möglich macht. Solche Ausnahmen durfte die zuständige Behörde in Anwendung von § 43 Abs. 6 GefStoffV (alt) unter bestimmten Voraussetzungen genehmigen. Da ihre Geltungsdauer max. 5 Jahre betragen durfte und die Ermächtigung der Behörde mit der Novellierung der Gefahrstoffverordnung zum 1. Januar 2005 weggefallen ist, endet der theoretisch mögliche Geltungszeitraum spätestens Ende 2009 (bei Erteilung der Ausnahmegenehmigung am letzten Geltungstag der „alten“ GefStoffV). 
Unabhängig von diesen Vorgaben zeigt die Erfahrung, dass es auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist, die Transformatoren unverzüglich auszutauschen. Denn selbst von vorschriftsmäßig ausgestatteten Transformatoren sind Zwischenfälle bekannt, die trotz einwandfreier Abschaltung durch das Buchholzrelais zum Austritt von Transformatorflüssigkeit und zu massiven PCB-/Dioxin-Kontaminationen in den Aufstellungsräumen geführt und Sanierungskosten von einigen Zehntausend Euro verursacht haben.
Die in der Fragestellung thematisierten Raumluftmessungen in den Aufstellungsräumen oder in den nebenliegenden Räumen haben auf die (Un-)Zulässigkeit des Weiterbetriebs keinen Einfluss. Sie können jedoch je nach Ergebnis das Ermessen der Behörde einengen, wenn es darum geht, welche Frist sie dem Betreiber für die Stilllegung und Entsorgung der Transformatoren einräumen kann. 

Nachbemerkung:
Mitunter wird argumentiert, man müsse differenzieren zwischen einem sog. aktiven und passiven Verwenden. Man bezieht das Verwendungsverbot ausschließlich auf ein aktives Verwenden. z.B. die Reparatur eines Buchholzrelais, und sieht den bloßen Betrieb eines Transformators als passives Verwenden und damit als nicht unzulässig an. Mit dieser Sichtweise hat man, als die vorherige Gefahrstoffverordnung noch galt, deutlich machen wollen, dass das bloße Vorhandensein eines Gefahrstoffs kein verbotenes Verwenden ist (z.B. bei Asbestzementplatten). Diese Sichtweise kann jedoch auf elektrische PCB-haltige Einrichtungen keine Anwendung finden. Der Verordnungsgeber hat mit dem PCB-Verwendungsverbot, das ja zunächst sogar Gegenstand einer selbständigen Verordnung war, den Betrieb dieser Einrichtungen regeln wollen - anders sind die Ausnahmeregelungen, die den Weiterbetrieb z.B. PCB-haltiger Kondensatoren regeln, nicht nachzuvollziehen, ja überflüssig.
Mit der neuen Gefahrstoffverordnung ist diese Problematik aber beseitigt: Heute liest man in § 18 GefStoffV, dass das Verwendungsverbot kein Gebot des Entfernens beinhaltet, sofern nicht der Anhang IV ausdrücklich etwas anderes regelt. Für z.B. Asbestzementdächer gibt es ein solches Sanierungsgebot nicht, sie dürfen bleiben. Für PCB-haltige elektrische Einrichtungen jedoch gibt es genau diese Vorgabe, dass sie nämlich zu entfernen und nach der PCB-Abfallverordnung zu beseitigen sind.