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KomNet-Wissensdatenbank

Müssen Arbeitnehmer mit Insektengiftallergie, die Angst vor den negativen Folgen eines Bienen- oder Wespenstiches haben, gleichwohl orange Schutzkleidung tragen?

KomNet Dialog 5330

Stand: 25.08.2009

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Benutzung von PSA

Dialog
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Frage:

In der Entsorgungsbranche ist orange Schutzkleidung vorgeschrieben. Müssen Arbeitnehmer mit Insektenallergie, die Angst vor den negativen Folgen eines Bienen- oder Wespenstiches haben, diese Arbeitskleidung tragen? Bzw. ist diese Kleidungsfarbe überhaupt für diesen Personenkreis gefährlich? Kann der Mitarbeiter gezwungen werden diese Kleidung zu tragen? Was passiert, wenn wegen fehlender Schutzkleidung ein Unfall passiert?

Antwort:

Alle Beschäftigten, die sich im Bereich des fließenden Verkehrs aufhalten, müssen rechtzeitig von anderen Verkehrsteilnehmern erkannt werden können. Hierfür muss Warnkleidung getragen werden. Der Arbeitgeber muss anhand der örtlichen Gegebenheiten die Ausdehnung des Arbeitsbereiches begutachten und die Notwendigkeit der Warnkleidung festlegen. Eine Dokumentation in der Gefährdungsbeurteilung ist obligatorisch. Siehe auch die Ausführungen zum Tragen von Warnwesten in den Dialogen der KomNet-Wissensdatenbank.
Die Straßenverkehrsordnung  (StVO) bestimmt in § 35 Abs. 6, dass Personen, die zum Bau, zur Unterhaltung oder Reinigung der Straßen und Anlagen im Straßenraum oder der Müllabfuhr eingesetzt sind oder Straßen oder in deren Raum befindliche Anlagen zu beaufsichtigen haben, bei ihrer Arbeit außerhalb von Gehwegen und Absperrungen auffällige Warnkleidung tragen müssen.
Der Arbeitgeber schreibt die Nutzung der für erforderlich gehaltenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) aufgrund seiner durchgeführten Gefährdungsbeurteilung vor. Beschäftigte sind verpflichtet diese auch zu tragen. Sofern die Nutzung der PSA zu einer höheren Gefährdung (Insektengiftallergie) für den Beschäftigten führt als die zu verhütende Gefahr (durch den Straßenverkehr), muss durch die Verantwortlichen eine Abwägung der Gefährdungen erfolgen. Dies ist wieder Gegenstand der Gefährdungsbeurteilung und kann -da zweifelslos medizinische Belange im Vordergrund stehen- nur durch den Betriebsarzt vorgenommen werden.

Allergiker sollten ein Notfall-Set mit sich tragen: Ist das Set stets griffbereit, bleibt nach einem Stich genügend Zeit, um zu reagieren. Solch ein Set enthält Adrenalin (auch als Atemspray), Kortison und ein Gegenmittel gegen Histamin. Histamin ist im Bienen- oder Wespengift enthalten, wird zusätzlich aber auch als Überreaktion auf diese Gifte im Körper ausgeschüttet. Für ein sinnvolles Gegengift muss auch die spezifische Überempfindlichkeit des Allergikers getestet werden. Bienengift und Wespengift haben unterschiedliche Allergene, Hornissengift enthält oft eine Kombination, wenn auch in schwächerer Konzentration. Für weitergehende Informationen siehe die folgenden Seiten:

Insektengift: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-020.htm

Hornissengift: http://www.vespa-crabro.de/stichreaktionen.htm

 

Die entsprechenden Arbeitsschutzmaßnahmen, z.B. Tragen der Schutzkleidung und besondere arbeitsmedizinische Betreuung sollten mit dem Betriebsarzt besprochen und festgelegt werden.
Wir empfehlen bei nachgewiesener Insektengiftallergie die Möglichkeiten einer Hyposensibilisierung bzw. Immuntherapie zu prüfen. Dadurch wird der Mitarbeiter nach erfolgter Behandlung nicht mehr anfällig für die allergieauslösende Wirkung von Insektenstichen. Als zweite Möglichkeit sollte das Mitführen des geeigneten Notfall-Sets für den Mitarbeiter geprüft werden. Weiterhin kann auch andersfarbige Warnkleidung zur Verfügung gestellt werden. Dies könnte mit anderer Schutzkleidung (Kappe mit Nackenschutz, enge Bündchen an Armen und Beinen), die die Angriffsflächen für Insekten reduzieren, kombiniert werden. Erst wenn diese Maßnahmen ausgeschöpft sind, kann über das Nichttragen der PSA diskutiert werden. Dabei sollte aber auch in Betracht gezogen werden, dass die Lockwirkung auf die Bienen und Wespen weniger durch die auffällige Warnkleidung als durch den Geruch von fauligen Abfällen kommt.

Nach gängiger Literaturmeinung wirken auf Bienen, Wespen und Hornissen besonders anziehend schwarze Stoffe, farbige Blumenmuster und weite, wallende Kleider, in denen sich die Insekten verfangen können. Gelb ist besonders für Bienen eine attraktive Farbe. Besser sind hellbraune, weiße, oder rote Kleiderstoffe. (http://www.mdr.de/hier-ab-vier/natuerlich-gesund/171249.html).