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KomNet-Wissensdatenbank

Gibt es spezifische Gefährdungen durch Schnittverletzungen an Leuchtstoffröhren?

KomNet Dialog 5288

Stand: 28.08.2013

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch bestimmte Stoffe / Zubereitungen

Dialog
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Frage:

Im Betrieb hat sich ein Beschäftigter beim Wechsel einer Leuchtstoffröhre durch Bruch derselben in die Hand geschnitten. Nun macht er sich grosse Sorgen wegen der Beschichtung des Glases bzw. der Inhaltsstoffe der Leuchtstoffröhre. Mein Rat war, gut ausbluten lassen und mit Wasser abduschen und künftig Handschuhe zu tragen. FRAGE: Gibt es spezifische Gefährdungen durch Schnittverletzungen an Leuchtstoffröhren?

Antwort:

Entladungslampen umfassen Leuchtstofflampen, Kompaktleuchtstofflampen, Hochdruck-Entladungslampen (Hochdruck-Natriumdampflampen, -Quecksilberdampflampen und -Metallhalogendampflampen). Alle diese Lampen enthalten Quecksilber als Hauptkomponente für die Entladung.
Der Quecksilbergehalt pro Lampe beträgt für:
- stabförmige Standard- Leuchtstofflampen < 15 mg
- stabförmige Einschicht-Dreibanden-Leuchtstofflampen < 7,5 mg
- Kompaktleuchtstofflampen < 7 mg
- Hochdruck-Entladungslampen, im Mittel: 30 mg
Spezialstrahler können bei hohen Lichtausbeuten bis zu 1,5 g Quecksilber pro Lampe enthalten [Quelle: Leitfaden für die Entsorgung von Lampen Arbeitsgemeinschaft Lampen-Verwertung (AGLV)].

Leuchtstofflampen sind im Allgemeinen mit den Edelgasen Argon oder mit Gemischen aus Argon-Neon-Krypton gefüllt. Außerdem befindet sich ein Teil des zur Strahlungserzeugung notwendigen Quecksilbers im dampfförmigen Zustand, die Hauptmenge ist unter Normalbedingungen flüssig (Quelle: FH/FQ: Welches Gas ist in Leuchtstofflampen? der Voltimum GmbH). Insbesondere bei alten Leuchtstofflampen können weitere toxische Elemente enthalten sein. Weiterführende Auskünfte können die Hersteller von Leuchtstofflampen geben (Fördergemeinschaft Gutes Licht). Zusätzliche Informationen zu den Eigenschaften und Wirkungen von Quecksilber können auch den entsprechenden Dialogen der KomNet - Wissensdatenbank entnommen werden.

In erster Linie sind die bereits erwähnten Gefährdungen durch Quecksilber zu sehen. Der auf dem Glas aufgetragene Leuchtstoff ist allerdings nicht fest gebunden, sondern kann in Recyclingstationen durch Ausblasen entfernt werden. Bei diesen Leuchtstoffen handelt es sich oft um sogenannte Halophosphate, die mit Schwermetallen versetzt sein können. In neueren Leuchtstofflampen (EG-Richtlinie 2002/95/EG) sind die Inhaltsstoffe Quecksilber auf maximal 5mg/Lampe und 10mg Quecksilber-halophosphat begrenzt. Der Hauptaufnahmepfad erfolgt über die Atemwege, Hautkontakt und Verschlucken sind weniger relevant. Das Risiko von Schnittverletzungen an Leuchtstofflampen kann durch den Einsatz Persönlicher Schutzausrüstung vermindert werden (Hilfestellungen liefert u. a. die BGR 195 "Einsatz von Schutzhandschuhen"). Bei eingetretenen Schnitt-/Stichverletzungen als Erstmaßnahme den Blutfluss zu fördern, wird u. a. bei Nadelstichverletzungen empfohlen (vgl. Internetseite "Maßnahmen nach einer Nadelstichverletzung" des Universitätsklinikums Frankfurt). Inwieweit dies bei den verschiedenen möglichen Verletzungen durch Leuchtstofflampen sinnvoll ist, ist mit einem Arzt (Betriebsarzt) abzuklären. Auf weitere mögliche Gefährdungen und Schutzmaßnahmen, die in den Informationen "sicherer Umgang mit elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln" beschrieben sind, weisen wir ebenfalls hin.

Im Falle eines Arbeitsunfalls weisen wir neben den innerbetrieblichen Melde- und Dokumentationspflichten auf die Meldepflicht eines Arbeitsunfalls nach § 193 Sozialgesetzbuch - SGB VII hin. Siehe zu den Arbeitsunfällen auch die Informationen des DGUV (Seite "Arbeitsunfälle").