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KomNet-Wissensdatenbank

Gibt es in Deutschland Regularien, welche das Abpacken in 30 kg- Gebinden verbieten

KomNet Dialog 5236

Stand:

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Ergonomie > Heben, Tragen, Schieben, Ziehen, Stehen

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Frage:

In einer Fabrik für Bäckereiprodukte sollen Mehl und Backpulver in 30-kg-Säcke abgefüllt werden. Gibt es in Deutschland Regularien, welche das Abpacken in 30 kg-Gebinden verbieten (auch wenn die Ware nicht für den Endverbraucher, sondern nur für industrielle Anwendung veräußert wird). Zementsäcke gibt es auch nur in 25 kg. Offensichtlich ergeben sich Einschränkungen, bezüglich der Häufigkeit der manuellen Lastenhabhabung.

Antwort:

Bei der Gewichtsreduzierung der Zementsäcke von 50 kg auf 25 kg  handelt es sich um eine freiwillige, aber zweifelsohne sehr sinnvolle, Maßnahme der Zementindustrie. Ein generelles Verbot von Gebinden >25 kg gibt es nicht.

In der Lastenhandhabungsverordnung werden zu Merkmalen, aus denen sich eine Gefährdung von Sicherheit und Gesundheit ergeben können, Festlegungen getroffen und werden vom Arbeitgeber Maßnahmen gefordert, um die manuelle Handhabungen von Lasten, die für die Beschäftigten eine Gefährdung für Sicherheit und Gesundheit mit sich bringen, insbesondere der Lendenwirbelsäule, zu vermeiden.
Konkrete Grenzwerte sind in der Lastenhandhabungsverordnung allerdings nicht festgelegt. Dazu hat der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) eine Leitmerkmalmethode entwickelt, die mit der "Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim Heben und Tragen von Lasten" (LV 9) veröffentlicht worden ist.
Bei der Leitmerkmalmethode - LMM wird die
- Zeit,
- Last, Haltung und Ausführungsbedingungen und
- Körperhaltung, Position der Last
gewichtet und anschließend bewertet.

Nur bei einem Punktwert von unter 10 geht man von einer geringen Belastung aus bzw. ist eine Gesundheitsgefährdung durch körperliche Überbeanspruchung unwahrscheinlich.
Dieser Punktwert wird bei Lastgewichten von 25 kg und mehr sehr schnell überschritten.
Je nach Punktwert liegen erhöhte, wesentlich erhöhte oder hohe Belastungen vor, die Gestaltungsmaßnahmen sinnvoll, angezeigt oder erforderlich machen.

Der Arbeitsplatz ist daher vom Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung unter Beteiligung der Fachkraft für Arbeitssicherheit, des Betriebsarztes und ggf. des Betriebsrates anhand der Leitmerkmalmethode zu beurteilen.
Weitere Informationen bieten auch die entsprechenden Dialoge der KomNet-Wissensdatenbank an.