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KomNet-Wissensdatenbank

Dürfen die freien Tage eines Schichtsystems für Urlaubsvertretung in Anspruch genommen werden?

KomNet Dialog 5224

Stand:

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > Schichtarbeit

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Frage:

Unser Arbeitgeber hat ein rollierendes Schichtsystem eingeführt. Bei einer 38,5 Stundenwoche (Pausen von 45 min. wurden abgezogen) arbeiten wir 2 Tage früh, 2 Tage spät, 2 Tage nachts, 2 Tage frei. Allerdings sind die freien Tage nicht sicher, da wir noch Urlaubsvertretung machen. Eigentlich arbeiten wir dann 14 Tage. Das heißt, wenn ich am ersten freien Tag Nachtschicht vertrete, komme ich am zweiten freien Tag um 7 Uhr nach Hause und schlafe dann. Am Abend muss ich wieder früh ins Bett, da ich dann wieder zur Frühschicht muss. Ist das rechtens? Muss unser Abreitgeber die freien Tage nicht garantieren??? Und kann er bei der Berechnung der Arbeitszeit pro Woche die Pausen einfach abziehen?

Antwort:

Grundsätzlich ist der Schichtplan mit maximal zwei Nachtschichten in Folge arbeitsmedizinisch empfohlen. Jedoch muss gem. § 11 Arbeitszeitgesetz für Arbeit an Sonn- und Feiertagen ein Ersatzruhetag gewährt werden, der innerhalb von zwei Wochen zu gewähren ist. Ferner steht ihnen eine Ruhezeit von 11 Stunden nach Arbeitsende und vor erneutem Arbeitsbeginn zu (§ 5 Arbeitszeitgesetz).

Nach arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen sollen die jeweiligen Arbeitsperioden nicht mehr als 8 Arbeitstage umfassen. Falls Sie also 14 Schichten in Folge arbeiten, wäre dies nicht empfehlenswert, jedoch könnte dies in Ausnahmefällen möglich sein. Im vollkontinuierlichen Schichtbetrieb werden zum Teil die Pausen noch bezahlt, allerdings hängt dies häufig vom jeweiligen Tarifvertrag und der Betriebsvereinbarung ab. Falls in Ihrem Betrieb ein Betriebsrat ist, sollten Sie sich an diesen wenden. Gesetzlich ist die Pause zu gewähren, zur Bezahlung liegt keine gesetzliche Regelung vor, d.h. der Arbeitgeber muss die Pause nicht vergüten, es sei denn, es liegt eine entsprechende Betriebsvereinbarung vor,  die z.B. regelt, dass die Pausen im Vollkontibetrieb vergütet werden.

Die langen Schichtfolgen, die durch Urlaubsvertretung entstehen, sind natürlich eine zusätzliche Belastung für die Beschäftigten und sollten vermieden werden, damit die Gesundheitsgefährdung nicht unnötig ansteigt. Vielleicht sprechen Sie Ihren Vorgesetzten und Betriebsrat dazu persönlich an.