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KomNet-Wissensdatenbank

Müssen arbeitswissentschaftliche Erkenntnisse bezüglich Arbeitszeitgesetz umgesetzt und berücksichtigt werden?

KomNet Dialog 5127

Stand: 13.08.2007

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > Schichtarbeit

Dialog
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Frage:

Müssen arbeitswissentschaftliche Erkenntnisse bezüglich Arbeitszeitgesetz umgesetzt und berücksichtigt werden? Insbesondere ist hier die Arbeitszeit in 3-Schichtbetrieben zu nennen. Gibt es konkrete Erkenntnisse, und wo finde ich solche? Können diese auch entgegen einer Belegschaftsbefragung umgesetzt werden? Momentan arbeiten wir wochenweise in Nacht-, Spät- und Frühschicht. Teilweise kann es auch so sein, dass Kollegen Mehrarbeit am Samstag oder Sonntag leisten, also nur einen Tag frei haben. Als Beispiel: Ein Kollege hat 6 Tage Nachtschicht, kommt Sonntag früh um 6.00 Uhr aus Nachtschicht und fängt Montag um 6.00 Uhr mit Frühschicht an.

Antwort:

Im Arbeitszeitgesetz wird explizit gefordert, dass die Arbeitszeit der Nacht- und Schichtarbeitnehmer nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit festzulegen ist (§ 6 Abs. 1 ArbZG).
Ausführliche Informationen zu dem Thema bietet der von der Landesregierung NRW veröffentlichte Leitfaden “Arbeits- und Betriebszeiten flexibel gestalten” http://www.arbeit-und-gesundheit.de/files/281/Leitfaden.pdf  (6,53 MB) an.
Sprechen sich die Beschäftigten für Arbeitszeitmodelle aus, die den arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen, sollten die Hintergründe geklärt und den Beschäftigten die arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse unter Beteiligung des Betriebsarztes, der Sicherheitsfachkraft und des Betriebsrates erläutert werden. Soll von den arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen abgewichen werden, ist zu empfehlen, dieses in der Gefährdungsbeurteilung eingehend zu begründen.

Bei den Schichtfolgen werden vorwärtsrollierende Schichtfolgen (erst Früh-, dann Spät-, dann Nachtschicht) als arbeitwissenschaftliche Erkenntnisse empfohlen. Es müssen schon gewichtige Gründe vorliegen, die vom Betriebsarzt, der Sicherheitsfachkraft und dem Betriebsrat mitgetragen werden, um ein Abweichen von der vorwärtsrollierenden Schichtfolge zu rechtfertigen.
Mit der in der Frage beschriebenen Ruhezeit am Wochenende werden keine Wochenendfreizeiten von mindestens zwei Tagen erreicht. Auch dieses ist grundsätzlich zu beanstanden und darf keine Dauerlösung sein. Weitere Informationen finden Sie in den Dialogen der Komnet-Wissensdatenbank  und unter http://www.arbeitszeiten.nrw.de .