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Welche Gefährdungen bestehen für werdende Mütter, die in der Nähe von Patienten arbeiten, die mit radioaktiven Isotopen behandelt worden sind?

KomNet Dialog 5033

Stand:

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter

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Frage:

Ich bin in der 8.Woche schwanger und bearbeite fertige Röntgenaufnahmen in einer radiologischen Praxis. Dadurch, dass sich das Wartezimmer der Nuklearmedizin in der Nähe befindet, laufe ich täglich mehrmals an diesen Patienten vorbei. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich während meiner Schwangerschaft eine Patientin aus der Nuklearmedizin geröntgt habe (Tc99m ca. 750 MBq, da mich keiner darauf aufmerksam gemacht hat dass diese Patientin bereits gespritzt war). Die Filmplaketten werden in dieser Praxis nicht monatlich, sondern nur alle 3 Monate zum MPA geschickt. Mein Chef verweigert mir ein Stabdosimeter, um die wöchentliche Dosis zu bestimmen. Er stellt mich als hysterisch hin. Gehöhrt das Wartezimmer der Nuklearmedizin mit zum Kontrollbereich oder gilt es noch als Überwachungsbereich? Ich lehne eine Tätigkeit im Kontrollbereich stickt ab, und mein Arbeitgeber kann mich vom Gesetz her ja auch nicht dazu zwingen. Wie soll ich mich verhalten?

Antwort:

Nach § 41 Abs. 5 (Ermittlung der Körperdosen) der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV)ist zu überwachenden Person auf Verlangen ein Dosimeter zur Verfügung zu stellen, mit dem die Personendosis jederzeit festgestellt werden kann (z.B. Stabdosimeter, elektronische Dosimeter). Sobald eine Frau ihren Arbeitgeber darüber informiert hat, dass sie schwanger ist, ist ihre berufliche Strahlenexposition arbeitswöchentlich zu ermitteln und ihr mitzuteilen.
Sobald eine Frau ihren Arbeitgeber darüber informiert hat, dass sie schwanger ist oder stillt, sind ihre Arbeitsbedingungen nach § 43 (Schutzvorkehrung) Abs. 2 StrlSchVso zu gestalten, dass eine innere berufliche Strahlenexposition ausgeschlossen ist. D.h. schwangeren und stillenden Frauen ist ein beruflicher Aufenthalt in Bereichen, in denen mit offenen radioaktiven Stoffen umgegangen wird (z.B. Kontrollbereiche einer nuklearmedizinischen Abteilung), wegen des erhöhten Inkorporationsrisikos zu untersagen.
Für ein ungeborenes Kind, das aufgrund der Beschäftigung der Mutter einer Strahlenexposition ausgesetzt ist, beträgt der Grenzwert der Dosis aus Strahlenexposition vom Zeitpunkt der Mitteilung über die Schwangerschaft bis zu deren Ende nach § 55 Abs. 1 (Schutz bei beruflicher Strahlenexposition) StrlSchV1 Millisievert. Die Arbeitsbedingungen schwangerer Frauen sind so zu gestalten, dass diese Forderung sicher eingehalten wird.
Zur Reduzierung der Strahlenexposition des Personals außerhalb der nuklearmedizinischen Abteilung und anderer Patienten (die nicht nuklearmedizinisch untersucht werden), muss eine nuklearmedizinische Abteilung über einen separaten Warteraum für mit offenen radioaktiven Stoffen applizierten Patienten innerhalb des Kontrollbereiches verfügen. Der Kontrollbereich muss ferner ein separates WC für applizierte Patienten aufweisen.
Die Forderung nach einem separaten Wartebereich für "Aktiv-Patienten“ und eines"Aktiv-WC innerhalb des Kontrollbereichs“ ist häufig Bestandteil der Umgangsgenehmigung (nach § 7 StrlSchV).
U. a. sind Betreiber nuklearmedizinischer Abteilung nach § 6 StrlSchV verpflichtet, jede Strahlenexposition oder Kontamination unter Beachtung des Standes von Wissenschaft und Technik und unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls auch unterhalb der Grenzwerte so gering wie möglich zu halten.

Stand: Dezember 2006