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KomNet-Wissensdatenbank

Bestehen während der Schwangerschaft Gefährdungen durch Weichlöten?

KomNet Dialog 5006

Stand:

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter

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Frage:

Im Betrieb bin ich wöchentlich 1-2 Tage mit dem Weichlöten von Platinen beschäftigt. Es gibt keine Absauganlagen, aber zwei Fenster in etwa 5 m Entfernung. Welche Auswirkungen hat Weichlöten auf die Schwangerschaft? Wie gross ist das Risiko für das ungeborene Kind? Ist das Risiko in den ersten Schwangerschaftmonaten größer oder kleiner?

Antwort:

Nach der zurzeit geltenden Rechtslage nach Mutterschutzgesetz in Verbindung mit der Mutterschutzverordnungmuss der Arbeitgeber sofort nach der Bekanntgabe einer Schwangerschaft der Schwangeren automatisch einen gefährdungsfreien Arbeitsplatz sichern.
Er darf sie nicht mit Tätigkeiten beschäftigen, die ihre Sicherheit und Gesundheit oder die Sicherheit und Gesundheit des ungeborenen Kindes gefährden könnten. Also, die reale Gefährdung muss in Rahmen einer individuellen Gefährdungsbeurteilung des Arbeitplatzes bzw. der Arbeitsbedingungen beurteilt werden! Ziel dieser Gefährdungsbeurteilung ist neben der Abschätzung aller Gefahren und deren Auswirkungen auf die Schwangerschaft auch die Festlegung der Schutzmaßnahmen bzw. die Einhaltung der einzelnen Beschäftigungsverbote und -beschränkungen.
Eine gesundheitliche Gefährdung ist durch Lötrauch, der bei Lötarbeiten entsteht, möglich. Aufgrund der verwendeten Produkte kann der Lötrauch Blei, Zinn und deren Verbindungen sowie Pyrolyseprodukte (Formaldehyd, Acetaldehyd, Acrilaldehyd...) enthalten. Blei und seine Verbindungen sind fortpflanzungsgefährdend. Bei Überschreitung des Grenzwertes (0,15 mg/m3) besteht ein Beschäftigungsverbot für alle gebärfähigen Arbeitnehmerinnen.
Werdende Mütter dürfen nicht mit krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden Gefahrstoffen beschäftigt werden. Für diese Stoffe gibt es auch keinen Grenzwert, unterhalb dessen eine Beschäftigung noch möglich wäre. Für Schwangere, die diesen Stoffen bei dem bestimmungsgemäßen Umgang (Arbeiten im geschlossenen System...) nicht ausgesetzt sind, gilt dieses Beschäftigungsverbot nicht.
Schwangere dürfen auch nicht mit giftigen, sehr giftigen, gesundheitsschädlichen, oder chronisch schädigenden Gefahrstoffen arbeiten, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW- früher MAK-Wert) dieser Gefahrstoffe überschritten ist: Die EINHALTUNG DES GRENZWERTES muss (ggf. mit Messungen) nachgewiesen werden. Alle Gefahrstoffe bzw. Gemische (Gefahrstoffverzeichnis!) und jede Tätigkeit, bei der sie durch die chemischen Gefahrstoffe gefährdet werden könnten, müssen beurteilen werden. Über die Ergebnisse dieser Beurteilung und über die zu ergreifenden Schutzmaßnahmen müssen sie unterrichtet werden (§ 2 MuSchArbV).
Ob eine Schwangere an ihrem Arbeitsplatz verbleiben kann, ist von der Gefährdungsbeurteilung und den festgelegten Schutzmaßnahmen abhängig. So z. B. müssen Lötrauche an der Entstehungsstelle abgesaugt werden. Sporadische Fensterlüftung kann diese Schutzmaßnahme nicht ersetzen. Die Wirksamkeit der Absaugung muss überprüft und dokumentiert werden. Das Gefahrstoffverzeichnis muss auf die Aktualität überprüft werden.
Stand: Januar 2007