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KomNet-Wissensdatenbank

Wie lange mussen mit Methylbromid begaste Gegenstände ausgasen? Können bestimmte Stoffe überhaupt vollständig ausgasen oder verbleiben Restmengen?

KomNet Dialog 4861

Stand: 15.10.2006

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Begasungen

Dialog
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Frage:

Ich würde gerne genauere Antworten zur Containerbegasung mit Methylbromid erhalten. Ich möchte in einigen Tagen meine private Umzugsware selbst in Empfang nehmen, die von Südostasien nach Bremerhafen geschickt wurde. Die Verschiffungsfirma informierte mich darüber, daß diese acht Kubikmeter Lieferung mit 50g/Kubikmeter Methylbromid 24 Stunden begast wurden. Es wurden allerdings nur die äußeren Holzkisten begast. Nun sagte man mir in Deutschland, daß die Holzkisten in Hamburg bereits ausgasen, was aber wohl nicht ausreichen würde. Meine Fragen sind nun... 1. ob ich davon ausgehen muß, daß sich Reste des Giftes in meiner Umzugsware befinden oder ob sich das Gas zu genüge verflüchtigt, so daß ich keinerlei Gesundheitsschäden zu befürchten habe, wenn ich z.B. längeren Kontakt mit den Holzmöbeln (darunter ein Bett) habe. 2. wie ich ggf. mit den Gegenständen verfahren sollte, um sie gefahrlos benutzen zu können. Mein persönliches Hab und Gut ist mehr oder weniger lose in Umzugskartons (Pappe) verpackt worden, teilweise in Zeitungspapier, teilweise in Plastikfolie gewickelt. Danach wurden diese in die Verpackungs-Holzlisten verpackt. Das Gut besteht u.a. aus lackierten Holz- und Korbmöbeln, etlichen Kleidungsstücken, Bettdecken. Sorge mache ich mir besonders wegen einiger Couch-Polster, die nicht ohne weiteres gewaschen werden können, sowie lose eingepackten Küchengeräten für Lebensmittel.

Antwort:

KomNet beantwortet Fragen zum Arbeitsschutz. Auch die Internetseiten des Amtes für Arbeitsschutz Hamburg unter http://www.hamburg.de/startseite-branchen/120338/container-begast.html zielen auf den Schutz von Arbeitnehmern. Dennoch sind diese Hinweise auch für Sie hilfreich.

Offenbar erfolgte die Begasung der Holzkisten aus Gründen des heimischen Pflanzenschutzes vor dem Asiatischen Laubholzbockkäfer. Wenn die Begasung der Holzkisten vor dem Packen des Containers separat erfolgt sein sollte, dürften hiervon keine Gesundheitsgefahren mehr ausgehen. Es ist aber gängige Praxis, dass beladene Container mit bis zu 80 g/cbm Methylbromid begast und ohne weitere Lüftung am Absendeort auf die Reise gegeben werden. Dann kann das Gas von der gesamten Ladung, also auch von den genannten Textilien und Polstern aufgenommen werden. Begaste Container müssen nach deutschem Recht (GefahrstoffV, TRGS 512) durch fachlich qualifizierte Personen (Begasungsleiter) freigegeben werden. Diesen Nachweis können und sollten Sie von der Transportfirma verlangen. Bei Zweifeln an diesem Nachweis, z.B. ob der Aussteller des Nachweises hierzu überhaubt berechtigt ist, könnnen Sie sich an die für Sie zuständige Arbeitsschutzbehörde wenden.

Theoretisch beinhaltet die Freigabebescheinigung gemäß TRGS 512 die Aussage, dass von den ehemals begasten Gütern keine Gesundheitsgefahr mehr ausgeht. Für Arbeitnehmer gelten hierfür Grenzwerte, die auf eine achtstündige Arbeitsschicht, 40 Std. pro Woche abzielen. Messungen nach (zu kurzen) Lüftungszeiten des Containers, d.h. ohne ausreichende Berücksichtigung des Nachgasens aus den Inhalten können zu Fehlaussagen führen. Auch Messungen bei niedrigen Temperaturen (unter etwa 3 Grad Celsius) können zu falschen Aussagen führen. O.g. Fachleute sollten ausreichend Fachkunde über das Nachgasen haben und können Ihnen im Einzelfall hierzu präzisere Angaben machen.

Messungen in den USA haben gezeigt, dass auch nach mehrstündigem Lüften und erneutem Verschluss eines Importcontainers über weitere 24 Stunden die Schadstoffkonzentration von Methylbromid in der Atemluft stark auf gesundheitsgefährdende Konzentrationen ansteigen kann. Je nach Warenbeschaffenheit, deren Verpackung, Temperatur und nach Art der Lüftung kann das Nachgasen wenige Minuten oder sogar mehrere Monate andauern. Als Trost für den Verbraucher ist festzustellen, dass lange Nachgasungszeiten mit sehr geringer Schadstoffabgabe pro Zeiteinheit verbunden sind, so dass die Konzentration von Methylbromid bei guter Lüftung stets unterhalb gefährlicher Konzentrationen bleibt. Es liegen Erfahrungen vor, dass schon wenige Tage Zwischenlagerung der ausgepackten Import-Ware in einer normal belüfteten Lagerhalle z.B. bei Lederwaren und Möbeln zu einem Abklingen der Begasungsmittel unter die Nachweisgrenze führten. Weitere Informationen über Ergebnisse aus Rotterdam finden Sie in der Anlage.

Die größten Risiken liegen bei der Öffnung des Transportcontainers. Hier sollte auch bei Vorliegen einer Freigabebescheinigung der Container wegen der Gefahr des Nachgasens unbedingt wenigstens eine halbe Stunde gelüftet werden, bevor er betreten wird. Nach dem Auspacken, Entfernen von Folienverpackungen und guter Lüftung des Inhalts bei Raumtemperatur sollte die Gaskonzentration schnell auf ein unbedenkliches Maß abgeklungen sein.

Auf das Merkblatt der Arbeitsschutzverwaltung NRW weisen wir hin.