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KomNet-Wissensdatenbank

Können Reiniger von Fahrzeugteilen (leichtentzündlicher Reiniger in Druckgaspackungen) durch statische Aufladung entzündet werden?

KomNet Dialog 4860

Stand: 04.08.2009

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Beim Reinigen von Fahrzeugteilen wird ein leichtentzündlicher Reiniger in Druckgaspackungen verwendet. Die Fahrzeugteile können sich im ein- bzw. ausgebauten Zustand befinden. Bei der Anwendung können sich brennbare oder explosive Dampf/Luftgemische bilden. Können solche brennbaren oder explosiven Dampf-/Luftgemische durch statische Aufladung entzündet werden?

Antwort:

Durch Versprühen von Flüssigkeiten sowie durch Reinigungsarbeiten können sich Flüssigkeiten oder das Innere von Behältern / Gegenständen gefährlich aufladen. Die Höhe der Aufladung hängt von den Eigenschaften der Flüssigkeit, ihrer Strömungsgeschwindigkeit, dem Arbeitsverfahren sowie von der Größe und Geometrie des Behälters/Gegenstandes sowie von den Behältermaterialien ab.

Normalerweise entstehen gefährliche elektrostatische Aufladungen nur bei Flüssigkeiten geringer elektrischer Leitfähigkeit. Werte für die elektrische Leitfähigkeit verschiedener Flüssigkeiten finden sie im Anhang 1 Buchstabe F der BGR 132. Beim Versprühen oder Vernebeln gelten allerdings andere Randbedingungen. Die Zerteilung eines Flüssigkeitsstrahles in kleine Tropfen kann unabhängig von der Leitfähigkeit der Flüssigkeit stark aufgeladene Flüssigkeitsstrahlen oder Nebel erzeugen. Im Allgemeinen gilt: je leitfähiger die Flüssigkeit, umso stärker die Ladungserzeugung. So erzeugt ein Wasserstrahl mehr Ladungen als ein Ölstrahl (Anhang 1 Buchstabe A BGR 132).

Schutzmaßnahmen sind dabei die Erdung oder Potenzialausgleich der Gegenstände, die Begrenzung der Strömungsgeschwindigkeit bzw. des Sprühdruckes und die Auswahl der Materialien.

Siehe dazu BGR 132 (Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen)  und die weiterführenden Informationen der BG Chemie unter http://www.bgrci.de/exinfode/ex-schutz-wissen/expertenwissen/elektrostatik/ .

Die DIN EN 1127-1 definiert das Vorhandensein wirksamer Zündquellen. Ziffer 5.3.7 beschreibt dies für die statische Elektrizität: "Unter bestimmten Bedingungen können zündfähige Entladungen statischer Elektrizität auftreten. Die Entladung aufgeladener, isoliert angeordneter leitfähiger Teile kann leicht zu zündfähigen Funken führen."

Die PTB hat im Auftrag des HVBG eine "Untersuchung der Brand- und Explosionsgefahr beim Versprühen von brennbaren Flüssigkeiten und von deren Gemengen mit Wasser unter besonderer Berücksichtigung von brennbaren Lösemitteln mit Flammpunkten über 55 °C" vorgenommen (http://www.dguv.de/ifa/de/pro/pro1/pr9076/index.jsp) Informationen konnen bei der PTB angefordert werden. Siehe auch den Kurzbericht "Brand- und Explosionsgefahren beim Versprühen von flüssigen Kohlenwasserstoffen mit hohem Flammpunkt in industriellen Anlagen" auf Seite 58 der Veröffentlichung stahl.de/input/ex/exzeitschrift/2000/ex56_60_de.pdf