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Welche Angaben dürfen über einen Anamnesebogen im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung abgefragt werden?

KomNet Dialog 4817

Stand:

Kategorie: Gesundheitsschutz > Arbeitsmedizinische Vorsorge > Untersuchungsinhalte

Dialog
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Frage:

Ich leite einen heilpädagogischen Kindergarten. Die Betriebsärztin führt demnächst eine Vorsorgeuntersuchung nach der Biostoffverordnung durch. Dazu haben wir im Vorfeld einen Anamnesebogen erhalten, in dem wir Angaben über Erkrankungen nächster Angehöriger (z.B. zu Geisteskrankheiten ...), bisherige eigene Erkrankungen (z.B. zum Herz-Kreislaufsystem und mehr ...), bisherige Operationen und Unfälle, Frage nach bestehenden Beschwerden und bei Frauen Angaben zum Monatszyklus machen sollen. Ist dies zulässig?

Antwort:

Die Arbeitgeber hat gemäß § 15 Biostoffverordnung spezielle arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Gesundheitsstörungen und Berufskrankheiten zu veranlassen bzw. anzubieten. Die Vorsorgeuntersuchungen umfassen in der Regel

  1. die Begehung oder die Kenntnis des Arbeitsplatzes durch den Arzt,
  2. die arbeitsmedizinische Befragung und Untersuchung des Beschäftigten,
  3. die Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschäftigten unter Berücksichtigung der Arbeitsplatzverhältnisse,
  4. die individuelle arbeitsmedizinische Beratung und
  5. die Dokumentation der Untersuchungsergebnisse.

Begründet ist die Vorsorgeuntersuchung bei der vorschulischen Kinderbetreuung durch den mögliche Kontakt mit Erregern von Mumps, Masern, Röteln, Keuchhusten und Windpocken. Die Kinderkrankheiten Mumps, Masern und Windpocken können bei Erwachsenen einen deutlich schwereren Verlauf nehmen. Bei nicht immunen Schwangeren sind z.B. durch Röteln für das Kind schwere Missbildungen möglich. Von daher ist eine Vorsorgeuntersuchung sinnvoll und notwendig.

Für den Umfang der Untersuchung gibt es noch keine einheitlichen Regeln. Sie kann sich aber an dem Grundsatz zur berufsgenossenschaftlichen Vorsorgeuntersuchung G 42 (Infektionsgefährdung) orientieren. Alle im Rahmen der ärztlichen Untersuchung gegebenen Auskünfte / Antworten sowie die ärztlichen Befunde unterliegen seitens der Betriebsärztin der ärztlichen Schweigepflicht.

Eine gute Information zur arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung nach der Biostoffverordnung für Beschäftigte in der Betreuung von Vorschulkindern hat der Bundesverband selbstständiger Arbeitsmediziner und freiberuflicher Betriebsärzte herausgegeben unter: http://www.bsafb.de/fileadmin/downloads/downloads_07/BioStoffVKindergaerten07-12-03.pdf .

Weitere Regelungen und Informationen zur Vorsorgeunteruntersuchung wurden von den Berufsgenossenschaften veröffentlicht:

BGV A 4 "Arbeitsmedizinische Vorsorge 

BGI 504-42 "Tätigkeiten mit Infektionsgefährdung"