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Wie werden Geländer bei Absturzhöhen kleiner 12 m richtig ausgeführt? Wie sind vorhandene, sanierungsbedürftige Geländer richtig zu erneuern?

KomNet Dialog 4787

Stand: 09.02.2013

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Verkehrswege

Dialog
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Frage:

Betrifft Geländer auf Kläranlagen und Abwasserableitungsanlagen Die diversen Regelwerke und Unfallverhütungsvorschriften differieren bezüglich der notwendigen Geländerhöhe für Arbeitsplätze und Verkehrswege, neben denen eine Absturzhöhe oder ein Gefahrenbereich vorhanden ist. Die alte Arbeitsstättenrichtlinie 17 1/2 (heute immer noch als Richtschnur zitiert) schreibt für Verkehrswege, die als Bühnen, Laufstege oder Galerien angeordnet sind und höher als 1,00 m über dem Boden liegen, oder solche, die über offene Behälter führen vor, dass diese durch Geländer mit Knie und Fußleiste gesichert sein müssen, ohne konkrete Angaben zur Höhe zu machen. Bei Treppengeländern sollten gem ASR 17 1/2 die freien Seiten der Treppen, Treppenabsätze und Treppenöffnungen durch Geländer gesichert sein. Die Höhe der Geländer muss lotrecht über der Stufenvorderkante mindestens 1,00 m betragen. Bei möglichen Absturzhöhen von mehr als 12 m muss die Geländerhöhe mindestens 1,10 m betragen. Eine sinngemäße Angabe findet sich in der DA zur BGV A1 § 33 und in der für den konkreten Fall zutreffenden HBO unter § 35 hinsichtlich dem Schutz gegen Absturz. Mit Geländerhöhen von 1,0 m bei Absturzhöhen kleiner 12 m gaben sich bislang auch alle Behörden und Versicherer zufrieden. Die DIN EN 12255 Teil 10: Sicherheitstechnische Baugrundsätze schreibt entgegen vorstehender Regelungen unter Punkt 4.5 nun, dass unter einer geeigneten Absturzsicherung z. B. mindestens 1,10 m hohe fest angebrachte Geländer oder entsprechend hochgezogene Umfassungswände verstanden werden. Der Anwendungsbereich der Norm umfasst neue Anlagen und neue Bauteile. Eine Nachrüstung wäre nicht notwendig. Wie werden Geländer bei Absturzhöhen kleiner 12 m richtig ausgeführt? Wie sind vorhandene, sanierungsbedürftige Geländer an vor Inkraftreten der EN 12255-10 fertiggestellten Bauteilen bei einer Absturzhöhe kleiner 12 Meter heute aufgrund der nicht unerheblichen Kostendifferenz richtig zu erneuern? Höhe 1,10 m, 2 Knieleisten oder 1,0 m, 1 Knieleiste? Warum wird die Fallhöhe überhaupt erst bei 12 m aus vermutlich psychologischen Gründen differenziert?

Antwort:

Angaben über den Schutz der Beschäftigten u. a. vor Absturz findet man u.a. in der Verordnung über Arbeitsstätten - ArbStättV - vom 12.08.2004 im Anhang unter der Ziff. 2.1 - Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen -.

Hiernach sind Arbeitsplätze und Verkehrswege, bei denen die Gefahr des Absturzes von Beschäftigten oder des Herabfallens von Gegenständen besteht oder die an Gefahrenbereiche grenzen, mit Einrichtungen zu versehen, die verhindern, dass Beschäftigte abstürzen oder durch herabfallende Gegenstände verletzt werden oder in die Gefahrenbereiche gelangen können.

In der Technischen Regel für Arbeitsstätten - ASR A 2.1 - Schutz gegen Absturz und herabfallende Gegenstände, Betreten von Gefahrenbereichen (Hinweis: die in der Frage erwähnte Arbeitsstätten-Richtlinie ASR 12/1-3 wurde durch die ASR A 2.1 ersetzt) wird im Kapitel 5.1 - Maßnahmen gegen Absturz aufgeführt, dass Umwehrungen (Geländer, feste Abschrankungen, Brüstungen etc.) mindestens 1,00 m hoch sein müssen und bei einer Absturzhöhe von mehr als 12,00 m die Höhe der Umwehrung 1,10 m betragen muss.

Die in der ASR A 2.1 geforderte Höhe der Umwehrung von 1,10 m bei einer Absturzhöhe von mehr als 12,00 m stimmt mit der Landesbauordnung NRW (§ 41 Umwehrungen) überein.

Weitere Angabe über die Ausführung von Geländern (Fuß- und Knieleiste) sind ebenfalls in der ASR A 2.1 in Kap. 5 zu finden. Die Ausgestaltung der Umwehrung kann senkrecht (Füllstabgeländer), wie auch waagerecht als Knieleistengeländer ausgeführt sein.
Kap. 5.1:
"(...)
(4) Bei Füllstabgeländern mit senkrechten Zwischenstäben darf deren lichter Ab-stand nicht mehr als 0,18 m betragen. Der Abstand zwischen der Unterkante der Umwehrung bis zur Fußbodenoberkante darf 0,18 m nicht überschreiten (siehe Abb. 2).
Hinweis: Bei Gebäuden, in denen mit dauernder oder häufiger Anwesenheit von Kindern gerechnet werden muss, können geringere Abstände erforderlich sein."

Nach dem jeweiligen Landesbaurecht können geringere Abstände oder auch besondere Ausführungen gefordert sein. Entsprechende Anfragen sollten direkt an die zuständige Baubehörde gerichtet werden.

Nach § 5 Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG - hat der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung an den vorhandenen Arbeitsplätzen durchzuführen. Hierzu gehören auch Verkehrswege. Auf der Basis der Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung hat dann der Arbeitgeber alle erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen.

DIN Normen o. ä. sind im juristischen Sinn nicht „verbindlich“, da sie dem untergesetzlichen Regelwerk zuzuordnen sind, also weder von einem Parlament verabschiedet noch durch ein Ministerium als Verordnung auf Grund eines Gesetzes veröffentlicht wurden. Sie geben jedoch den so genannten „allgemeinen Stand der Technik“ wieder.

Unterstützung bei der Einrichtung von Arbeitsplätzen bzw. Beratung vor Ort erhalten Sie u. a. durch das für Sie zuständige Arbeitsschutzamt, die Berufsgenossenschaft, die Fachkraft für Arbeitssicherheit, den Betriebsarzt und den Betriebs-, Personalrat.