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KomNet-Wissensdatenbank

Muss der Gefahrenbereich einer Stanze mit Zweihandsteuerung zusätzlich eingehaust werden?

KomNet Dialog 4774

Stand: 07.12.2010

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Gefährdungen durch Arbeitsmittel und Einrichtungen

Dialog
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Frage:

Der Bediener an einer Stanzmaschine ist durch die sicherheitstechnische Auslegung einer Zweihandsteuerung ausreichend geschützt. Die Stanze `locht` ein relativ breites Kunststoffteil (ca. 2.000 mm), beidseitig. Der Arbeitsbereich ist für Dritte teilweise ungehindert zugänglich. Frage hierzu: Reicht die Zweihandsteuerung als Bedienersicherheit aus, weil der Arbeitsbereich vom Bediener einsehbar ist, oder muss der Gefahrenbereich der Stanze zusätzlich eingehaust werden?

Antwort:

Eine Zweihandschaltung kann grundsätzlich nur den Bediener und keine weitere Person schützen.  Der Schutz beruht auf ausreichendem Sicherheitsabstand. D.h. die Zweihandschaltung ist in einen Abstand `S` von der Gefahrstelle so zu montieren, dass nach dem Loslassen der Betätigungselemente die gefahrbringenden Maschinenzustände schneller angehalten werden als es den Bediener möglich sein wird die Gefahrstelle zu erreichen (S=2000mm/s * T Anhaltezeit) .

Bei Maschinen, in denen bestimmungsgemäß eine zweite Person mitarbeitet und die Gefahrstelle von einer anderen Position erreichen kann, wäre entweder eine trennende Schutzeinrichtung oder eine zweite Zweihandschaltung erforderlich. Wenn dies aus anderen Gründen nicht möglich ist, sollten andere Schutzmaßnahmen angewendet werden. Hier eignen sich aus ergonomischen Gründen optoelektronische Schutzeinrichtungen besser.
Eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers würde höchstwahrscheinlich ergeben, dass die Stelle, über die der Gefahrbereich erreichbar ist, abgesichert werden muss.
Zu Zweihandschaltungen siehe auch BGR 500 "Betreiben von Arbeitsmitteln"undZH1/456.