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Welche Impfungen sind für Beschäftigte in einer Kindertagesstätte erforderlich? Wer trägt die Kosten?

KomNet Dialog 4710

Stand: 15.10.2006

Kategorie: Gesundheitsschutz > Impfungen > Impfangebote, Impfempfehlungen

Dialog
Favorit

Frage:

In unserer Kita arbeiten - festangestellte Erzieher/innen und - Praktikantinnen - Köchin/Koch (z. T. über 50 J) - Reinigungskräfte (z. T. über 50 J). Unter den Erziehern ist - ein Mann, - eine weibliche Kraft über 50 Jahre und - Erzieherinnen im gebärfähigen Alter. Die Reinigungskräfte kommen nicht mit den Kindern in Kontakt. Müssen alle Angestellten, einschließlich der Praktikantinnen, eine Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln sowie Keuchhusten und Hepatitis A und B haben? Sind wir als Träger der Einrichtung verpflichtet, alle Impfungen zu bezahlen oder könnten auch Impfungen über die Gynäkologen und Hausärzte laufen?

Antwort:

In Ihren Fragen sind viele verschiedene Themen enthalten, weshalb sie im Folgenden thematisch gegliedert sind:

1) Sie heben in Ihren Fragen auf Personen im gebärfähigen Alter ab.
Bei Gefährdung durch Erreger von Kinderkrankheiten wird im Arbeitsschutz aber nur unterschieden zwischen
a)Arbeitnehmern– dabei ist es unerheblich, ob sie weiblich oder männlich sind (die rechtliche Grundlage ist die Biostoffverordnung).
b)Schwangeren (die rechtliche Grundlage ist das Mutterschutzgesetz/die Mutterschutzverordnung)
=> Für Frauen im gebärfähigem Alter gibt es bezüglich Infektionserreger keine eigenen Vorschriften.
Bei Kindern im Vorschulalter treten „Kinderkrankheiten“ erheblich häufiger als in der restlichen Bevölkerung auf, weshalb eine Infektionsgefährdung für Arbeitnehmer besteht, die nicht immun sind und einen häufigen und direkten Kontakt zu Kindern haben. Auch als Erwachsener kann man an „Kinderkrankheiten“ erkranken. „Kinderkrankheiten“ verlaufen z. T. im Erwachsenenalter schwerer als bei Kindern und können (auch beim Mann) bleibende Gesundheitsschäden hinterlassen.
Möglicherweise haben Sie mit Ihrer Frage darauf angespielt, dass für Schwangere Beschäftigungsverbote bei Ausbruch bestimmter „Kinderkrankheiten“ in der Einrichtung gelten. Diese können Sie in der Broschüre „Mutterschutz bei beruflichem Umgang mit Kindern“ nachlesen. Sie ist im Internet (www.arbeitsschutz.nrw.de) als pdf-Dokument erhältlich. Alternativ kann sie bei der Landesanstalt für Arbeitsschutz des Landes NRW, Tel.: 0211/31 01 – 0, kostenlos bestellt werden. Auch die Gewerbeaufsicht in Niedersachsen hat einen Ratgeber ("Mutterschutz: Vorschulische Kinderbetreuung") herausgegeben, den Sie hier im Internet finden (www.gewerbeaufsicht.niedersachsen.de).

2) Sie fragen, ob
a) alle Angestellten und die Praktikanten
b)geimpft werden müssen.

zu 2a) alle Angestellten
Es müssen nur diejenigen einer arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung hinsichtlich Mumps, Masern und Röteln (MMR) sowie Keuchhusten unterzogen werden, die einen regelmäßigen direkten Kontakt zu Kindern haben.
In Ihrem Fall sind es alle Beschäftigten mit Ausnahme der Reinigungskräfte und der Köche, da letztere keinen direkten Kontakt zu den Kindern haben.
=> Das bedeutet, dass einer arbeitsmedizinischen Untersuchung unterzogen werden müssen:
- festangestellte Erzieher/-innen und
- Praktikantinnen, die z. B. ihr Anerkennungsjahr machen.
Aus rechtlicher Sicht gilt für alle Praktikanten die Biostoffverordnung. Für Praktikanten, die z. B. nur 3 Wochen bleiben, weil sie Schüler sind, lässt sich wegen der im Vergleich zu Erzieherinnen anderen Tätigkeit und der kurzen Praktikumszeit folgendes Vorgehen aber rechtfertigen:
- Die Schüler sollten das 15. Lebensjahr vollendet haben (vgl. Jugendarbeitsschutzgesetz).
- Sie müssen vor Beginn des Praktikums über die erhöhten Infektionsrisiken bei der vorschulischen Kinderbetreuung unterrichtet werden.
Den Schülerpraktikanten sollten vor Beginn der Tätigkeit ggf. empfohlen werden (in Abhängigkeit der vorgesehenen Tätigkeit, für die eine Gefährdungsanalyse zu erstellen ist), dass sie den Immunschutz gegen
Mumps, Masern, Röteln, Keuchhusten Windpocken und Tetanus überprüfen und sich ggf. impfen lassen.
In der Regel wird die Impfung vom Hausarzt auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung durchgeführt.
- Im Falle des Auftretens von Erkrankungen an Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten oder Windpocken in der Einrichtung dürfen die Schülerpraktikanten dort nicht eingesetzt werden.
- Sie dürfen keinen Kontakt zu Ausscheidungen der zu betreuenden Kinder haben.

Zu 2b) Impfung
Eine Impfung ist nicht verpflichtend, um die Tätigkeit ausüben zu dürfen. Die Beschäftigten dürfen frei entscheiden, ob sie sich impfen lassen. Verpflichtend ist jedoch die entsprechende arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung.
In dieser werden die Titer der Antikörper (also die Konzentration der Abwehrstoffe im Blut) der genannten Erkrankungen kontrolliert und beurteilt. Der Betriebsarzt berät den Arbeitnehmer zu den notwendigen Schutzmaßnahmen.
- Der Arbeitgeber muss die Untersuchung veranlassen und bezahlen und
- der Beschäftigte muss zur Untersuchung gehen bzw. sich untersuchen lassen, wenn er an dem beschriebenen Arbeitsplatz arbeiten möchte.

3) Sie fragen, ob
a) gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR) sowie Keuchhusten,
b) gegen Hep. A und
c) gegen Hep. B
geimpft bzw. hinsichtlich dieser Krankheiten untersucht werden muss.

Zu 3a) MMR, Keuchhusten, Windpocken
MMR und Keuchhusten sind Erkrankungen, die in der Biostoffverordnung für Personen in der vorschulischen Betreuung genannt werden. Zusätzlich sind noch Windpocken in der Biostoffverordnung genannt („Varizella-Zoster-Virus“).
=> Die Arbeitnehmer müssen auf diese 5 Erkrankungen (Mumps, Masern und Röteln, Keuchhusten, Windpocken) arbeitsmedizinisch untersucht und ggf. geimpft werden (siehe „zu 2“).

Zu 3b) Hep. A
Ob gegen Hepatitis A geimpft werden muss, hängt von den Tätigkeiten der Personen ab. Seit 1996 muss mit Hilfe des Betriebsarztes eine Gefährdungsanalyse erstellt werden, aus der hervorgeht, welche Personengruppen betroffen sind.
In der Regel sind dies die Erzieherinnen, weil sie Windeln wechseln. Diese Tätigkeit beinhaltet häufig eine erhöhte Infektionsgefahr mit Hepatitis-A-Erregern.
Die ständige Impfkommission in Deutschland (STIKO) sieht das Kollektiv der Erzieher/-innen als gefährdet gegenüber Hepatitis-A-Viren. Die Hepatitis-A-Impfung ist daher für diese Personengruppe eine öffentlich empfohlene Impfung.

Zu 3c) Hep. B
Auch hier hängt dies von der jeweils aktuellen Gefährdungsanalyse ab. Für den Fall, dass diese nicht vorliegen sollte, hier der „Normalfall“:
Es muss weder gegen Hep. B geimpft noch eine entsprechende arbeitsmedizinische Untersuchung angeboten werden, da Kinder selten Hep.B-Viren übertragen (weil sie i. d. R. nicht infiziert sind).
Eine Besonderheit kann sich ergeben, wenn ein Kind oder mehrere Kinder in einer Kindertagesstätte bekanntermaßen Hepatitis-B-infiziert sind. Dann wird die Rücksprache mit den behandelnden Ärzten des jeweiligen Kindes empfohlen, um zu klären, ob das Kind infektiös ist (das ist eher selten). Nach dieser Rücksprache kann die Gefährdung besser beurteilt und entsprechende Maßnahmen können durchgeführt werden.

4) Sie erwähnen den Tetanusschutz Ihrer Beschäftigten.
Die Überprüfung des Tetanusschutzes ist eine sehr lobenswerte Tätigkeit des Betriebsarztes, aber nach dem berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 42 im engeren Sinne nicht seine Aufgabe. Bei Tetanus liegt für Erzieherinnen keine größere Gefährdung vor als für die Allgemeinbevölkerung, so dass
=> der Arbeitgeber diese Impfung nicht bezahlen muss (und auch nicht kontrollieren lassen muss)!
Selbstverständlich ist es von Vorteil, wenn ein mangelnder Impfschutz aufgedeckt wird. Die Impfung sollte dann zeitnah beim Hausarzt nachgeholt werden. Es ist darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei um eine (lebens-)wichtige Impfung handelt. Tetanus-Bakterien sind weit verbreitet und können durch kleinste Wunden (auch unbemerkt) in den Körper gelangen. Jährlich sterben auch in Deutschland Personen an einer Tetanus-Erkrankung infolge unzureichenden Immunschutzes. Insofern ist es von großem Nutzen, wenn Ihr Betriebsarzt diesen fehlenden Impfschutz aufdeckt und zur Impfung auffordert.

5) Sie fragen, wer die Impfungen zahlen muss.
Alle Impfungen, die sich aus der Gefährdungsanalyse oder/und aus der Biostoffverordnung ergeben, müssen vom Unternehmer/Arbeitgeber getragen werden. Dem Arbeitnehmer dürfen diese Kosten weder voll noch anteilig in Rechnung gestellt werden.
Infektionsgefährdungen, die bei der geschilderten Tätigkeit nicht in höherem Maße als in der restlichen Bevölkerung auftreten (z. B. Tetanus, Hepatitis B oder Diphterie) werden z. T. von den Krankenkassen getragen (Beispiele: notwendige Tetanus- und Diphterie-Impfungen werden immer bezahlt, Hep. B nur bis zum 18. Lebensjahr).

6a) Wer darf die nach den Arbeitsschutzvorschriften erforderlichen Untersuchungen durchführen?
Am besten der Betriebsarzt. Alternativ kann es ein Arzt sein, der die Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin oder die Facharztbezeichnung Arbeitsmedizin führt. Aber nur der Betriebsarzt kennt die Arbeitsplätze und war bei der Erstellung der entsprechenden Gefährdungsanalyse mitwirkend tätig.
Das bedeutet, dass der Hausarzt oder der Gynäkologe die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen NICHT durchführen darf (rechtliche Grundlage: § 15 Abs. 3 der Biostoffverordnung).

6b) Wer darf die nach den Arbeitsschutzvorschriften erforderlichen Impfungen durchführen?
Der Betriebsarzt darf diese Impfungen an einen anderen Arzt delegieren – was jedoch nicht sinnvoll ist. Da der Arbeitgeber sowieso die Untersuchung nach dem Grundsatz G 42 bezahlen muss, bietet es sich auch an, dass der Betriebsarzt etwaige Impfungen durchführt. Die Kosten dieser Impfungen gehen zu Lasten des Arbeitgebers.