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Wie ist ein Lager für brennbare Flüssigkeiten zu belüften?

KomNet Dialog 4666

Stand:

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Entzündliche Flüssigkeiten > Lagerung entzündlicher Flüssigkeiten

Dialog
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Frage:

Wir betreiben ein Lager für brennbare Flüssigkeiten: im Raum, passive Lagerung, für R12-Stoffe zugelassen, ~70m², mit technischer Lüftung (2-facher Luftwechsel (LW) möglich, mit einem Gassensor (AUER mit wiederkehrenden Prüfungen). Im bestimmungsgemäßen Betrieb ist das Absauggebläse AUS. Es liegt kein LW vor. Bei Ansprechen der Gaswarnanlage (30 % der UEG) schaltet das Absauggebläse EIN. Ein Verdünnungsprozess beginnt. Das Absauggebläse ist für Zone 2 zertifiziert. Frage: Ist dies im Sinne der TRbF 20? Wird hiermit das gleiche Sicherheitsniveau erreicht wie in 8.8.1(6) angesprochen? Bemerkung: Dies erspart für den Betreiber `Heizungskosten`!

Antwort:

Die gestellte Frage lässt sich ohne weitere Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten und ohne Kenntnis der übrigen Aussagen imExplosionsschutzdokument nicht beantworten.

Speziell die Technische Regel für brennbare Flüssigkeiten - TRbF 20 „Läger“ beschreibt die Anforderungen an die Lagerung von entzündlichen (brennbaren) Flüssigkeiten. Die technischen Regeln gelten gemäß den Übergangsvorschriften des § 27 BetrSichV bis zu ihrer Überarbeitung und Verkündung fort. Die technischen Regeln stellen den Stand der Technik dar. Eine in der Gefährdungsbeurteilung begründete Abweichung von den technischen Regeln ist möglich, wenn der Arbeitgeber eine ebenso wirksame Maßnahme trifft, die einen gleichwertigen Schutz der Arbeitnehmer gewährleistet.

Lagerbereiche (-räume) müssen in Abhängigkeit der Lagermenge ausreichend belüftet werden können. Dies kann durch natürliche oder technische Lüftung erfolgen. Konkrete Anforderungen finden sich in der Ziffer 5.4.2 Abs. 8 bis 11 und Ziffer 8.3.2 der TRbF 20.

Ziffer 5.4.2 Abs. 10 definiert, dass der Luftwechsel pro Stunde mindestens 0,4 betragen muss (technische oder natürliche Lüftung). Dieser ist dann im Gefahrenfall auf geeignete Werte zu erhöhen. An die Überwachungseinrichtungen werden erhöhte Anforderungen gestellt (Prüfnachweis). Anhand des Lüftungskonzeptes werden nach Ziffer 8.3.2 der TRbF 20 die Explosionsschutzzonen definiert und somit die einzusetzende Gerätekategorie.
Diese Ausnahmen gelten aber grundsätzlich nur für Lagerräume zur ausschließlich passiven Lagerung brennbarer Flüssigkeiten in gefahrgutrechtlich zulässigen Transportbehältern mit einem Rauminhalt bis 1 000 l. Bei einer größeren Lagermenegen sieht die TRbF 20 generell einen 2 bis regulär 5 fachen Luftwechsel vor (Ziffer 5.4.2).

Sind in dem Lagerbereich Arbeitsplätze vorhanden, so ist für diese ebenfalls eine Lüftung vorzusehen, die unabhängig der geforderten Lüftung für brennbare Flüssigkeiten gestaltet werden kann. In umschlossenen Arbeitsräumen muss unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren, der körperlichen Beanspruchung und der Anzahl der Beschäftigten sowie der sonstigen anwesenden Personen ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein (Ziffer 3.6 Anhang zur Arbeitsstättenverordnung).  Als gesundheitlich zuträglich wird generell nur Luft in Außenluftqualität akzeptiert. Das Vorhandensein jeglicher Art von Gefahrstoffen einschließlich von Stäuben oder Biostoffen in der Zuluft über den Werten der unbelasteten Außenluft ist demnach nicht zulässig. Weitere Hilfe zur Lüftung und Lüftungsanlagen gibt die BG-Regel BGR 121 "Arbeitsplatzlüftung" .

Die in der Frage erwähnte Ziffer 8.8.1. (6) TRbF 20 besagt, dass Abweichend von Absatz 5 (Ziffer 8.8.1) in explosionsgefährdeten Bereichen auch Geräte/Betriebsmittel, Anlagen und Anlagenteile einer anderen Gerätekategorie in Betrieb genommen werden, wenn das gleiche Sicherheitsniveau erreicht wird. Dies ist im Explosionsschutzdokument nachzuweisen. Diese Formulierung ist fast inhaltsgleich im Anhang 4 Buchstabe B der Betriebssicherheitsverordnung für Geräte und Schutzsysysteme nach RL 94/9/EG aufgegangen.

Wegen den zahlreichen Möglichkeiten der Gestaltung der Lüftung und der möglichen Abweichung von den Vorgaben der TRbF 20 empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit der zuständigen Arbeitsschutzverwaltung oder der Abteilung für den vorbeugenden Brandschtuz bei den Bauordnungsämtern.

Empfehlenswert kann auch die vorherige Abstimmung mit einer zugelassenen Überwachungsstelle (ehemalige VbF-Sachverständige) zum Thema sein.

Bevor Änderungen in der Betriebsweise vorgenommen werden, sollten bei erlaubnis- oder genehmigungspflichtigen Lägern die Nebenbestimmungen zum Betrieb (zur Lüftung) überprüft werden.