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Ist eine Pertussisimpfung für Krankenschwestern einer Entbindungsstation Pflicht oder nur ein Angebot?

KomNet Dialog 4579

Stand: 15.08.2006

Kategorie: Gesundheitsschutz > Impfungen > Impfangebote, Impfempfehlungen

Dialog
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Frage:

Ist eine Pertussisimpfung für Krankenschwestern einer Entbindungsstation/Säuglingszimmer Pflicht oder nur ein Angebot??

Antwort:

Keuchhusten
Im Krankenhausbereich kann Pertussis zu nosokomialen Infektionen sowohl bei Patienten als auch bei Personal führen. Der Schutz des Patienten vor nosokomialen Infektionen ist Öffentlichkeitsschutz und wird in Infektionsschutzgesetzt (IfSG) geregelt. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch Institut, STIKO, empfiehlt die Pertussis Schutzimpfung (Kategorie "B") auf Grund eines erhöhten beruflichen Risikos, für alle empfänglichen Personen in medizinischen Einrichtungen der Pädiatrie, in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter und in Kinderheimen. Mehr dazu entnehmen Sie aus den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut(Stand: Juli 2006).

Untersuchungspflicht
Der Schutz der Beschäftigten vor Infektionskrankheiten ist dagegen eine Sache des betrieblichen Arbeitsschutzes, daher wird folgende Empfehlung gegeben: Nach  ArbMedVVin Verbindung mit dem Anhang IV der neuen Biostoffverordnung muss der Arbeitgeber verpflichtende arbeitsmedizinische Untersuchungen gegenüber Bordetella pertussis (Keuchusten), Masern-, Mumps- , Röteln- und Varizella-Zoster-Virus (Windpocken) für alle nichtimmunen Beschäftigten, die regelmäßigen und direkten Kontakt zum Kindern haben und in den Einrichtungen zur medizinischen Untersuchung, Behandlung und Pflege von Kindern tätig sind, veranlassen. Hierzu gehören auch die Beschäftigten in Entbindungsstationen und Säuglingszimmern. Die Durchführung der Untersuchung ist Voraussetzung für die Beschäftigung bzw. eine Weiterbeschäftigung mit der entsprechenden Tätigkeit, daher ist die Teilnahme an der Untersuchung verpflichtend. Die Arbeitnehmer verletzen bei Verweigerung der Untersuchung in der Regel eine arbeitsvertragliche Nebenpflicht.

Impfung
Die fehlende Impfungen muss der Arbeitgeber anbieten und die Kosten dafür tragen.
Da in Deutschland kein Impfpflicht besteht, können die Beschäftigten die angebotenen Impfungen verweigern. Sie dürfen zu Impfungen nicht gezwungen werden. Der Betriebsarzt darf wegen Impfverweigerung auch keine gesundheitlichen Bedenken gegen die Beschäftigung aussprechen. Eine Ablehnung der Impfung nach ausführlicher arbeitsmedizinischer Beratung sollte in jedem Fall schriftlich festgehalten werden. Im Rahmen der o. g. Beratung muss die Beschäftigte zusätzlich über die notwendigen Schutzmaßnahmen aufgeklärt werden.

Immunität
Wegen der begrenzten Dauer der Immunität bietet weder die Impfung noch eine durchgemachte Erkrankung einen sicheren dauerhaften Schutz vor einer erneuten Infektion. Der Immunschutz dauert nach einer natürlichen Erkrankung - etwa 15 bis 20 Jahre bzw. nach vollständiger Impfung - etwa 10 Jahre, möglicherweise noch kürzer (RKI).
Eine Bestimmung von spezifischen Antikörpern ist wenig hilfreich, da es kein serologisches Testverfahren gibt, das die Frage nach einem sicheren Schutz beantworten kann. Es wird eine Grundimmunisierung ohne vorherige Testung empfohlen.