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In der Antwort zum Dialog 1918 wird erwähnt, dass Schwangere immungeschwächt seien. Wie ist dieses zu begründen?

KomNet Dialog 4558

Stand:

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter

Dialog
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Frage:

Im KomNet-Dialog 1918 wird erwähnt, dass Schwangere immungeschwächt seien. Wie ist dieses zu begründen? Meiner Kenntniss nach haben gerade Schwangere einen besonders guten Immunstatus.

Antwort:

In der Schwangerschaft ist das Immunsystem, d. h. die körpereigenen Abwehrstoffe gegen Infektionen der Mutter geschwächt. Dies geschieht, damit ihr Körper den Embryo nicht als unerwünschten Fremdkörper abstößt. Der Ungeborene besteht zur Hälfte aus mütterlichem Gewebe (sonst würden wir von Klonen reden) und zur anderen Hälfte aus väterlichem (=fremdem) Gewebe, daher würde es unweigerlich von der mütterlichen Immunabwehr "aufgefressen" werden. Die Immunabwehr auf zellulärer Ebene (z .B. T-Zellen, natürliche Killerzellen) ist in der Lage, fremde Körperzellen zu erkennen und abzutöten. Daher ist insbesondere die zelluläre Immunantwort während einer Schwangerschaft (Weinberg et al., 1984; Smith et al., 1996) vermindert

Aufgrund hormoneller Veränderungen in der Schwangerschaft kommt es zusätzlich zur einer systemischen "Immunschwäche". Es ist bekannt, dass Östrogene eine starke immunoregulatorische Eigenschaft besitzen. Niedrige Spiegel erhöhen die Aktivität des Immunsystems, während hohe Spiegel, wie in der Schwangerschaft, sie eher unterdrücken.

Schleiermacher et al. (2001) konnten nachweisen, dass eine Schwangerschaft per se mit einer erhöhten Multiplizität der Infektion assoziiert ist. Diese Assoziation erklärten sie mit der in der Schwangerschaft auftretenden Immunsuppression. 

Unter Immunstatus versteht man das Vorhandensein von spezifischen humoralen Antikörpern im Blut der werdenden Mutter. Diese Antikörper haben die Eigenschaft Krankheitserreger zu erkennen und auszuschalten (töten, neutralisieren...). Diese spezifischen Antikörper können entweder durch durchgemachte, natürliche Erkrankungen (bereits schon im Kindesalter oder später) oder durch Impfungen erworben werden und verbleiben meistens lebenslang im Körper. Die Schwangerschaft hat keinen Einfluss auf diese Antikörper. Der Immunstatus ist nichts anderes als ein "Stempel im Blut".

Stand: September 2006