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KomNet-Wissensdatenbank

Sind für Abfallbehälter für brennbare Stoffe Ex-Schutzbereiche festzulegen?

KomNet Dialog 4534

Stand: 21.12.2008

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Explosionsschutzdokument

Dialog
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Frage:

Wir verwenden mit verschiedenen Ölen, Fetten, lösemittelhaltigen Stoffen verschmutzte Putztücher, die wir an verschiedenen Stellen im Arbeitsbereich in nicht brennbaren Abfallbehältern (mit Deckel) bis zur Entsorgung sammeln. Ist innerhalb bzw. außerhalb dieser Behälter eine Ex-Schutzbereich vorhanden? Muss ein Ex-Schutzdokument angefertigt werden? Müssen diese Bereiche gekennzeichnet werden? Sind weitere betiebliche Maßnahmen erforderlich? Die Flammpunkte der Öle, Fette, Diesel liegen in der Regel über 55° C. Ggf. können aber auch Anstrich- und lösemittelhaltige Putzlappen (FP< 55 Grad) verwendet werden.

Antwort:

Gebrauchte lösemittelhaltige Putztücher sollen grundsätzlich in dicht schließenden Behältern aus widerstandsfähigen, nicht brennbaren Werkstoffen gesammelt werden. Gefüllte Behältnisse sollen nicht in Arbeitsräumen gelagert werden (siehe BGI 740 "Lackierräume und -einrichtungen für flüssige Beschichtungsstoffe" und Kapitel 2.2 Nr. 3.1 und Kapitel 2.6 Nr. 3.5 derBGR 500 "Betreiben von Arbeitsmitteln"). Wobei widerstandsfähige Behältnisse nach den Ausführungen der BGR 500 Behälter aus Metall oder speziellem Kunststoff (hochmolekularem Niederdruck-Polyethylen) darstellen.

Der Ursprung für die Aufbewahrung lösemittelgetränkter Putzlappen in nicht brennbaren, geschlossenen Behältern liegt in der Selbstentzündungsgefahr solcher Textilien. Es kann dort zu einer offenen Flammenbildung kommen. Dadurch, dass der Behälter aus Metall oder geeignetem Kunststoff und dicht schließend ist, dringt das Feuer nicht nach draußen, und die Flamme erlischt wieder auf Grund fehlenden Sauerstoffs.

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch Stoffe, die mit brennbaren Flüssigkeiten mit Flammpunkten unterhalb 55° C kontaminiert wurden, in den Sammelbehälter gelangen, können sich im Inneren explosionsfähige Gemische bilden. Daraus folgt, dass im Inneren des Sammelbehälters durchaus eine explosionsfähige Atmosphäre unterstellt werden kann. Diese sollte allerdings auf Grund der Bauweise und des dichtschließenden Deckels außerhalb des Behälters nicht wirksam werden. "Sammelbehälter für Putztücher, die mit brennbaren Flüssigkeiten oder selbstentzündungsfähigen Reinigungsölen benetzt sind, müssen ständig geschlossen sein. Entweder ist der vorhandene Spannbügel zu schließen oder es ist ein Behälter mit selbsttätigem Schließsystem einzusetzen." Aus Bericht der Zeitschrift Sichere Chemiearbeit Seite 33 von 04/2006.

Der Arbeitgeber muss nach § 6 BetrSichV ein Explosionsschutzdokument erstellen, wenn ein explosionsgefährdeter Bereich im Sinne des § 2 Abs. 10 BetrSichV vorliegt. Der Begriff des explosionsgefährdeten Bereiches ist unter § 2 Abs. 10 BetrSichV definiert. Er ist ein Bereich, in dem gefährliche explosionsfähige Atmosphäre auftreten kann. Ein Bereich, in dem explosionsfähige Atmosphäre nicht in einer solchen Menge (gefahrdrohend) zu erwarten ist, dass besondere Schutzmaßnahmen erforderlich werden, gilt nicht als explosionsgefährdeter Bereich. Ob ein solcher explosionsgefährdeter Bereich vorliegt, muss der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln.

Bei dem Sammeln der kontaminierten Putzlappen muss geklärt werden, ob eine gefahrdrohende Menge an explosionsfähiger Atmosphäre auftreten kann. Hierzu können die Ausführungen der BGR 104 -Explosionsschutz-Regeln (Ex-Rl) unter Kapitel D.1.3 helfen. Inwieweit diese Atmosphäre gefährlich werden kann, hängt von der Größe des Behälters und der Häufigkeit des Öffnens (d.h. des Durchmischens des Luftraumes im Behälter) ab. Stehen Behälter aus zwingenden betrieblichen Gründen (wie z.B. beim Befüllen) offen, sind Zündquellen wie Schleiffunken, Schweißpartikel, offene Flammen fernzuhalten.

Gemäß einem Bericht in der Zeitschrift Sichere Chemiearbeit von 04/2006 sind solche Sammelbehältnisse bei Stoffen mit einem Flammpunkt kleiner 55° C durchaus explosionsgefährdete Bereiche. Es wird ein Bereich von 1 m um den Behälter als Zone 2 definiert. Die Behälter werden dann auch als explosionsgefährdeter Bereich gekennzeichnet. Das Zeichen "Verbot von Zündquellen" ist erforderlich.

Bei der Überlegung, ob ein erforderliches Explosionsschutzdokument anzufertigen ist, sollte zuerst geprüft werden, ob nicht für die Tätigkeiten, bei denen die Putztücher mit entzündlichen Stoffen in Kontakt kommen (die Reinigungsarbeiten), explosionsgefährdete Bereiche vorhanden sind und demzufolge in einer Gefährdungsbeurteilung nach § 3 oder einem Explosionsschutzdokument nach § 6 Betriebssicherheitsverordnung schon erfasst sind.