Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Unter welchen Umständen darf in einer mit Zement ausgekleideten Stahlrohrleitung (Innendurchmesser: 58 cm) gearbeitet werden?

KomNet Dialog 4520

Stand: 03.08.2009

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Sicheres Verhalten / Erkennen von Gefährdungen > Sonstige Gefährdungen und Verhaltensmaßregeln

Dialog
Favorit

Frage:

Stahlrohrleitung DN 600 mit Zement ausgekleidet, dadurch lichte Weite im Rohr ca. 580 mm. Unter welchen Voraussetzungen darf ich in dieser Rohrleitung arbeiten?

Antwort:

Bei Arbeiten `in Behältern und engen Räumen` (das ist hier der Fall) müssen zahlreiche Gefährdungen betrachtet werden. Gefährdungen können z.B. auftreten durch mangelnde Atemluft, Einwirkung von Gefahrstoffen und biologischen Arbeitsstoffen, elektrischen Strom, Brand- und Explosionsgefahren, Art der Arbeitsmittel, Konstitution der Arbeitnehmer, das Arbeitsverfahren etc.

Diese Gefährdungen sowie die geeigneten Schutzmaßnahmen müssen im Einzelfall ermittelt werden. (Beispielsweise geeignete Lüftungsmaßnahmen ergreifen, `frei messen` (Gefahrstoffe), Aufstellen eines Sicherungspostens, Geeignete Rettungseinrichtungen bereithalten etc.).
Die Arbeiten sind durch einen geegneten Aufsichtsführenden zu überwachen. Vor Beginn muss ein Erlaubnisschein erstellt werden, in dem alle zu beachtenden Gefährdungen und Schutzmaßnahmen `abgearbeitet` wurden.

Mit § 8 der BGV A1 wird der Arbeitgeber bei der Ausführung einer "gefährlichen Arbeit" verpflichtet, über die allgemeinen Schutzmaßnahmen hinaus für geeignete technische oder organisatorische Personenschutzmaßnahmen zu sorgen. Für welche Arbeitsbereiche weitergehende Maßnahmen getroffen werden müssen, muss letztlich die Gefährdungsbeurteilung ergeben. Zur Konkretisierung der Gefährdungsbeurteilung, wann eine Gefährdung bzw. eine gefährliche Arbeit vorliegt, siehe die Ausführungen zum § 8 der BGR A1 "Grundsätze der Prävention". Danach sind z.B. Arbeiten in Silos, Behältern und engen Räumen als gefährlich genannt.

Genaue, zu beachtende Vorgaben und beispielhafte Gefährdungen/Schutzmaßnahmen sind in der berufsgenossenschaftlichen Regel (BGR) 117 "Arbeiten in Behältern und engen Räumen" sowie beim Vorhandensein von Gefahrstoffen zusätzlich in der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 507 "Oberflächenbehandlung in Behältern und Räumen" zu finden.

Die BGR 119 "Fernwärmeverteilungsanlagen" informiert speziell zu den Arbeitsschutzmaßnahmen bei Arbeiten in Schächten und Rohren von Fernwärmeverteilanlagen.

Nach der BGR 236 "Rohrleitungsbauarbeiten" (Januar 2006) Kapitel 5.2 "Mindestlichtmaße für den Aufenthalt von Personen in Rohrleitungen und Schächten" sind Arbeiten in einer Rohrleitung mit einem lichten Maß kleiner 600 mm unzulässig. In Bereichen von 600 bis 800 mm lichtem Maß sind Arbeiten mit den unter Ziffer 5.2.2.2 genannten Einschränkungen möglich. Bei im Betrieb befindlichen Rohrleitungen sind die Mindestmaße zu erhöhen (Ziffer 5.2.3.1).

Werden diese Arbeiten in Einzelarbeit -sofern zulässig- durchgeführt, so sind zusätzlich zur Bewertung und Festlegung von Maßnahmen die Ausführungen der BGR 139 zu beachten.
Bemerkung: Einzelarbeit liegt vor, wenn eine Person allein, außerhalb von Ruf- und Sichtweite zu anderern Personen arbeitet.

Eine Gesamtübersicht über die Vorgehensweise bei Einzelarbeitsplätzen in der Ver- und Entsorgung, der auch für andere Arbeitsbereiche benutzt werden kann, mit Gefährdungsstufen, Bewertungskriterien, Notfallwahrscheinlichkeiten und Hilfsmaßnahmen, finden sie auf der Homepage der BGETEM: http://www.bgetem.de/arbeitssicherheit-gesundheitsschutz/brancheninformationen/energie-und-wasserwirtschaft/abwasserentsorgung .