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Muss/soll seemännisches Personal beim Begehen der Lotsenleiter Schutzhandschuhe tragen?

KomNet Dialog 4429

Stand:

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Benutzung von PSA

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Frage:

Von seemännischem Personal unseres Betriebes wird behauptet, dass beim Begehen der Lotsenleiter (Ausführung im Sinne DIN ISO 799 - `Holme` aus Seil, Stufen aus Holz/Gummi) keine Handschuhe/Schutzhandschuhe getragen werden dürfen. Eine Begründung für diese Aussage kann nicht gegeben werden. Ich meine, dass Schutzhandschuhe zum Schutz vor Verletzungen, zur Vermeidung von Angst vor Verletzungen (bedenkenlos fest zupacken) und ggf. zum Schutz vor Kälte getragen werden müssen. Können Sie mir Hinweise zu möglichen Regeln für diese Tätigkeit und deren Begündung geben?

Antwort:

Das Tragen von (Schutz-) Handschuhen beim Begehen von Lotsenleitern ist weder gesetzlich noch in Unfallverhütungsvorschriften konkret geregelt.

Der Unternehmer hat in seiner Gefährdungsbeurteilung nach §§ 3, 4 und 5 Arbeitsschutzgesetz die entsprechenden Maßnahmen für seine Arbeitnehmer zu ermitteln, zu bewerten und festzulegen. Im Rahmen seiner Ermittlungspflicht wird er sinnvollerweise seine Sicherheitsfachkraft beteiligen. Das Risiko muß ermittelt und ggf. Handschuhe der entsprechenden Schutzklasse ausgewählt werden. Hierbei sind auch zu erwartende Verschmutzungen z.B. durch Fette und Öle beim Gebrauch, Transport und Aufbewahrung der Lotsenleitern zu beachten.

Für das Tragen von Handschuhen spricht die bessere Griffigkeit bei Verschmutzungen, die allerdings nur bei geeigneten Handschuhen erreicht wird. Hierbei ist neben der Qualität, einschließlich Brauchbarkeit bei Kälte und Nässe auch die individuelle Größe zu betrachten. Abrieb-, Schnitt- und Stichfestigkeit sind hierbei weniger bedeutsam. Lederhandschuhe (Festmacher) sind unter zu erwartendem Einfluß von Nässe weniger geeignet.
Die Mitarbeiter des Amtes für Arbeitsschutz Hamburg sind z.B. für ähnliche Fälle (Kaileitern, Kranaufstiege) mit textilen Handschuhen besonderer Griffigkeit ausgestattet. Die Anforderungen entsprechen der DIN EN 388, Zahlencode 1140.

Die Norm EN 388 gilt für alle Arten von Handschuhen zum Schutz vor physischen oder mechanischen Verletzungen durch Abrieb, Klingen, Stiche oder Risse. Das Piktogramm „Mechanische Gefahren“ wird von einem vierstelligen Zahlencode ergänzt:

Abriebfestigkeit (Leistungsebene 0 - 4): Wert basiert auf der Anzahl der erforderlichen Testzyklen für den Abrieb des Testhandschuhs.
Schnittfestigkeit (Leistungsebene 0 - 5): Wert basiert auf der Anzahl der erforderlichen Testzyklen für das Zerschneiden des Testhandschuhs mit konstanter Geschwindigkeit.
Reißfestigkeit (Leistungsebene 0 - 4): Wert basiert auf der erforderlichen Zugkraft für das Zerreißen des Testhandschuhs.
Stichfestigkeit (Leistungsebene 0 - 4): Wert basiert auf der erforderlichen Stoßkraft für das Durchstechen des Testhandschuhs mit einer Spitze (Standardgröße).

In allen Fällen zeigt [0] die niedrigste Leistungsebene an. Relevante Normen erhalten sie beim Beuth-Verlag (www.beuth.de).