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KomNet-Wissensdatenbank

Wie können abweichende Zonen gemäß Ziffer 5 der TRbF 30 festgelegt werden? Welche Anforderungen bestehen an die Lüftung?

KomNet Dialog 4380

Stand: 04.08.2010

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.4.4)

Dialog
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Frage:

Ergibt sich aus der TRbf 30 die Forderung nach mindestens zweifachem Luftwechsel, sofern Transportbehälter in Räumen mit brennbaren Flüssigkeiten befüllt werden und die Füllrate 200 Liter pro Stunde übersteigt? In Abschnitt 5 der TRbF 30 werden explosionsgefährdete Bereiche behandelt. Punkt 5.1.3 (2) erlaubt bei ausreichender Begründung im Explosionsschutzdokument eine Zuordnung in Zonen, die von den in Nummer 5 genannten Bereichen abweicht. Erstreckt sich diese Erlaubnis auch auf die Lüftung? Falls ja, reicht freie Raumlüftung, wenn zusätzlich zur Objektabsaugung an der Befüllöffnung auch die Auffangwanne abgesaugt wird? Falls nicht, welche Anforderungen werden an die Lüftung gestellt?

Antwort:

Grundsätzlich spiegeln die Technischen Regeln für brennbare Flüssigkeiten –TRbF- den Stand der Technik für die betreffenden Anlagen wider. Wenn diese Regeln eingehalten werden, kann der Anwender davon ausgehen, dass die Anlage grundsätzlich sicher betrieben werden kann.
Vom technischen Regelwerk kann im Einzelfall abgewichen werden, wenn die Sicherheit der Anlage auf eine andere Art und Weise sichergestellt wird.

Beispiele für die Einstufung von Arbeitsverfahren (Befüllung von Transportbehältern) finden Sie neben der TRbF 30 in der Beispielsammlung zu den Explosionsschutz-Regeln der BG (BGR 104) unter Anlage 4 Nr. 2.2.1 bis 2.2.2. Die Festlegung der Ex-Zonen ist u.a. abhängig von der Fülltechnik (Anlagentechnik, technisch dichte Füllleitung, Kupplungssystem), den Randbedingungen (offene, geschlossene Behälter, Absaugung, Füllgeschwindigkeit) und dem Medium (Verdampfungsneigung). Hinweis: Die Inhalte der BGR 104 werden zur Zeit in das technische Regelwerk für Betriebssicherheit (TRBS) überführt.

Die Betriebssicherheitsverordnung sowie die Gefahrstoffverordnung fordern vom Arbeitgeber einen umfassenden Schutz vor Explosionsgefahren. Dabei spielt die Rangfolge der Schutzmaßnahmen eine wichtige Rolle. So sind z.B. primär Stoffe einzusetzen, die keine explosionsgefährdeten Gemische bilden. Ist dies nicht möglich, ist die Entstehung der explosionsgefährdeten Atmosphäre zu vermeiden bzw. zu vermindern. Als dritter Schritt sind gefährlich explosionsfähige Gemische gefahrlos zu beseitigen (z.B. durch Absaugung); vergleiche Anhang I Nr. 1.2 Gefahrstoffverordnung. Eine Lüftungsmaßnahme stellt somit eine nachrangige Maßnahme dar und kann erst nach Ausschöpfung der zuvor beschriebenen Maßnahmen durchgeführt werden.

Werden zuvor beschriebene Maßnahmen durchgeführt, kann vom mindestens zweifachen Luftwechsel abgewichen werden. Diese Maßnahme wird im Explosionsschutzdokument schriftlich fixiert und muss durch eine befähigte Person nach Nr. 2 der Technischen Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1203 Teil 1 Befähigte Personen - "Besondere Anforderungen – Explosionsgefährdungen" vor der erstmaligen Nutzung der Arbeitsplätze geprüft werden. Diese Prüfung ist nach Nr. 3.8 Anhang 4 Betriebssicherheitsverordnung -BetrSichV - erforderlich. 

Des Weiteren wird darauf verwiesen, dass der erforderliche Raumluftwechsel auch u.U. mit einer freien Lüftung hergestellt werden kann. Hierzu können Anforderungen aus der Nr. E1.3.4 der Explosionsschutz-Regeln (BGR 104) entnommen werden. Zur Betrachtung können auch die Schutzleitfäden für eine gute Arbeitspraxis für bestimmte Tätigkeiten mit Chemikalien, herangezogen werden.
Als Erkenntnisquelle dienen auch die Arbeitsstätten-Richtlinie ASR 5 “Lüftung“ und die BGR 121"Arbeitsplatzlüftung - Lufttechnische Maßnahmen" .

Weiterhin weisen wir auf die Anforderungen der BGR 132 "Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen" Kapitel 3.2 hin.

Spezielle Anforderungen für diesen Einzelfall können hier nicht mitgeteilt werden, da die örtlichen Gegebenheiten nicht bekannt sind.