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Wieviel Liter Dieselkraftstoff darf man im Betrieb zum Eigenverbrauch in Kanistern lagern?

KomNet Dialog 43554

Stand: 26.08.2021

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Lagerung von Gefahrstoffen

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Frage:

Wieviel Liter Dieselkraftstoff darf man im Betrieb zum Eigenverbrauch in Kanistern lagern? Und welche Auflagen bzw. Anforderungen sind hierbei einzuhalten?

Antwort:

Grundsätzlich muss hier zwischen zwei verschiedenen Rechtsgebieten unterschieden werden, zum einen das Arbeitsschutzrecht und zum anderen das Umweltrecht. Zu der Thematik des Umweltrechts bieten wir keine Beratung an. Eine entsprechende Anfrage richten Sie bitte direkt an die zuständige Umweltbehörde.


Aus dem Arbeitsschutzrecht gilt Folgendes:

Grundsätzlich ist beim Lagern von Kraftstoffen die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) mit ihrem Anhang einzuhalten.


Nach § 8 Absatz 1 Nummer 6 hat der Arbeitgeber bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen die folgenden Schutzmaßnahmen zu ergreifen:

...

Begrenzung der am Arbeitsplatz vorhandenen Gefahrstoffe auf die Menge, die für den Fortgang der Tätigkeiten erforderlich ist,

...


In § 8 Absatz 5 wird Folgendes gefordert:


"Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass Gefahrstoffe so aufbewahrt oder gelagert werden, dass sie weder die menschliche Gesundheit noch die Umwelt gefährden. Er hat dabei wirksame Vorkehrungen zu treffen, um Missbrauch oder Fehlgebrauch zu verhindern. Insbesondere dürfen Gefahrstoffe nicht in solchen Behältern aufbewahrt oder gelagert werden, durch deren Form oder Bezeichnung der Inhalt mit Lebensmitteln verwechselt werden kann. Sie dürfen nur übersichtlich geordnet und nicht in unmittelbarer Nähe von Arznei-, Lebens- oder Futtermitteln, einschließlich deren Zusatzstoffe, aufbewahrt oder gelagert werden. Bei der Aufbewahrung zur Abgabe oder zur sofortigen Verwendung muss eine Kennzeichnung nach Absatz 2 deutlich sichtbar und lesbar angebracht sein."


Konkretisiert werden die Anforderungen der GefStoffV in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), hier die TRGS 510 "Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern".


Laut Tabelle 1 der TRGS 510 dürfen entzündbare Flüssigkeiten, wie z. B. Diesel, bis zu einer Gesamtmenge > 100 kg außerhalb eines Lagers (z. B. in einer Werkstatt) gelagert werden, solange die allgemeinen Maßnahmen in Abschnitt 4.1 und die allgemeinen Schutzmaßnahmen in Abschnitt 4.2 berücksichtigt werden. Bei Überschreitung dieser Mengen sind zusätzlich die Anforderungen des Abschnitt 12 "Lagerung entzündbarer Flüssigkeiten" zu beachten.

Weiterhin ist die Kopfzahl in Tabelle 1 zu beachten. Hier lässt sich nachlesen, dass bei der ausschließlichen Lagerung von entzündbaren Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt > 55 °C im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung auf die Festlegung von zusätzlichen / besonderen Schutzmaßnahmen gemäß Abschnitt 7 und 12 verzichtet werden kann. Das trifft insbesondere auf Dieselkraftstoff und Heizöl zu.


Der Arbeitgeber hat die Lagerung der Kraftstoffe im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu betrachten und eigenverantwortlich festzulegen, welche Maßnahmen umzusetzen sind. Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung ist die TRGS 510 mit einzubeziehen, insbesondere die Tabelle 1. Je nach Einstufung des Stoffes kann dann die Höchstmenge ermittelt werden. Der Arbeitgeber kann sich bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Betriebsärztin/ den Betriebsarzt unterstützen lassen.


Hinweis:

Auf die Informationen der Gestis Stoffdatenbank zu Diesel möchten wir hinweisen. Zu den Lagerbedingungen ist dort nachzulesen:


  • Keine Lebensmittelgefäße verwenden - Verwechslungsgefahr!
  • Behälter sind eindeutig und dauerhaft zu kennzeichnen.
  • Möglichst im Originalbehälter aufbewahren.
  • Zerbrechliche Gefäße nur bis 5 Liter Inhalt verwenden.
  • Behälter dicht geschlossen halten.
  • Behälter an einem gut belüfteten Ort aufbewahren.
  • Kleinere Gebinde in Schränken mit Auffangwanne aufbewahren.
  • Es sind ausreichend große Auffangräume vorzusehen (Vertiefungen, Wälle oder standsichere Wände).
  • Vor Sonneneinstrahlung schützen.
  • Die maximal zulässigen Lagermengen sind der Technischen Regel für Gefahrstoffe "Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern" (TRGS 510) zu entnehmen.
  • Unzulässig ist die Lagerung in Durchgängen, Durchfahrten, Treppenräumen, allgemein zugänglichen Fluren, auf Dächern, in Dachräumen und Arbeitsräumen.