Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Ist ein Lager mit 10 Propangasflaschen ein explosionsgefährdeter Bereich? Wenn ja, welcher Zone wird es zugeordnet?

KomNet Dialog 4352

Stand: 11.03.2011

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
Favorit

Frage:

Ist ein Gasflaschenlager (10 Propangasflaschen werden verschlossen in einem trockenen Raum gelagert) ein explosionsgefährdeter Bereich und damit einer Zone zuzuordnen? Wenn ja, welche Zone? Zone 2 oder keine Zone?

Antwort:

Das Betreiben (z.B. Lagern, Gasentnahme) von Druckgasbehältern mit brennbaren Gasen fällt unter den Regelungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung. Für Druckgasbehälter relevante Lagervorschriften sind aus der Technischen Regel für Gefahrstoffe - TRGS 510 "Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern" (www.baua.de/TRGS/) und der Technischen Regel Druckgase - TRG 280 "Allgemeine Anforderungen an Druckgasbehälter; Betreiben von Druckgasbehältern" (www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16502/) zu entnehmen.

Hinweis: Wesentliche Inhalte der Technischen Regel für Druckgase - TRG 280 sind in die neue TRGS 510 eingeflossen. Allerdings sind in der TRG 280 zur Zeit auch weitergehende Regelungen enthalten, die in einer Technischen Regel für Gefahrstoffe, die durch den Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) erarbeitet wurde, nicht abgebildet werden können. Die TRG 280 ist auch mit Verkündung der TRGS 510 nicht aufgehoben oder zurückgezogen worden. Gemäß § 27 Abs. 4 Betriebssicherheitsverordnung gelten die betrieblichen Anforderungen der "alten" technischen Regeln (z.B. TRG, TRB, TRD, TRbF), bis zur Überarbeitung durch den Auschuss für Betriebssicherheit (ABS) und Bekanntgabe durch das Bundesministerium für Arbeit, längstens jedoch bis zum 31.12.2012, fort.

Die Dämpfe/Gase von Propan sind schwerer als Luft und bilden mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch. Zum Schutz vor den auftretenden Gefahren wird nach der TRG 280 ein Schutzbereich um Druckgasbehälter definiert, in dem infolge von Undichtheiten an Anschlüssen und Armaturen oder betriebsmäßig beim Anschließen oder Lösen von Leitungsverbindungen oder infolge menschlicher Fehlhandlung das Auftreten von Gas oder Gas/Luft-Gemischen nicht ausgeschlossen werden kann.

Der Schutzbereich, und somit der Bereich wo eine gefährlich explosionsfähige Atmosphäre in Räumen aufreten kann, ergibt sich bei der Lagerung aus Nr. 5.2.11 TRG 280. Danach ist der Schutzbereich für Druckgasbehälter mit brennbaren Gasen Zone 2 nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Die Abmessung des Schutzbereiches ergeben sich aus Tafel 1 der TRG 280. Bei Räumen mit einer Grundfläche kleiner 20 m² ist der gesamte Raum Schutzbereich. Für Läger im Freien ergeben sich kleinere Schutzbereiche. 

Kann ein Betreiber nachweisen, dass aufgrund der getroffenen Maßnahmen nach § 11 iVm. Anhang I Nr. 1 der Gefahrstoffverordnung in dem Flaschenlager keine gefährlich explosionsfähige Atmosphähre auftreten kann, ist dieser Bereich kein explosionsgefährdeter Bereich im Sinne der BetrSichV. D.h. ein Explosionsschutzdokument ist für das Lager nicht erforderlich. Diese Betrachtungsweise hat der Industriegaseverband (IGV) in seinem "Postionspapier zum Explosionsschutzdokument" für die Lagerung von brennbaren Gasen im Freien für den Gasefachhandel aufgegriffen.
Er kommt zu dem Schluss, dass unter bestimmten Voraussetzungen (Fachpersonal, kein Kundenzutritt, Durchlüftung, keine Manipulation am Ventil und Ventilschutz vorhanden, ...) die Ansammlung explosionsfähiger Atmosphäre in gefahrdrohender Menge nicht angenommen zu werden braucht. Allerdings wird bei dem Papier nur Lagerung von vollen Flaschen berücksichtigt und die Schutzmaßnahmen (Anfahrschutz, Brandlasten, Abstände, etc.) werden nicht ausreichend beleuchtet.

D.h. bei der Anwendung der  im Bundesarbeitsblatt veröffentlichten technischen Regel kann der Betreiber davon ausgehen, dass die in der BetrSichV gestellten Anforderungen als erfüllt gelten. Ein Abweichen ist aber möglich. Dabei ist ein gleichwertiges Niveau an Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu erreichen. Dies hat der Arbeitgeber in seiner Gefährdungsbeurteilung nachzuweisen.

Arbeitsschutzvorschriften sowie weitere Rechtsvorschriften können Sie unter www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/rechtsvorschriften/index.php (--> Rechtsvorschriften Arbeitsschutz) oder www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032 aufrufen.