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Wie soll bei einer dienstlich bedingten Bahnfahrt von über 7 h die Tragzeitbegrenzung lt. DGUV Regel 112-190 "Benutzung von Atemschutzgeräten" eingehalten werden? Gilt hier die Verpflichtung zur Angebotsvorsorge?

KomNet Dialog 43456

Stand: 28.01.2021

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Gesundheitsschutz > Epidemie, Pandemie

Dialog
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Frage:

In verschiedenen Einrichtungen, wie z.b. der Bahn, ÖPNV und Einrichtungen mit Kundenkontakts ist Atemschutz FFP2 vorgeschrieben und lt. Corona-ArbSchV durch den Unternehmer bereitzustellen. Wie soll, z.B. bei einer dienstlich bedingten Bahnfahrt von über 7 h die Tragzeitbegrenzung lt. DGUV Regel 112-190 "Benutzung von Atemschutzgeräten" eingehalten werden? Gilt die Verpflichtung zur Angebotsvorsorge entsprechend ArbMedVV auch für das Tragen von FFP" Masken bei Büro- und Reisetätigkeiten oder vergl. Tätigkeiten ohne besondere körperliche Beanspruchung? Wenn ja, wie soll das in der Kürze der Zeit absolviert werden?

Antwort:

Tragedauer:


In der DGUV-Regel 112-190 "Benutzung von Atemschutzgeräten" wird unter Nr. 3.2.2 "Tragezeitbegrenzung" ausgeführt:

"Die Arbeitsbedingungen beeinflussen die Einsatzdauer, die erforderliche Erholungsdauer sowie die Anzahl der Einsätze pro Schicht. Neben der gerätebedingten Belastung, z .B . Gewicht, Atemwiderstand, Klima im Gerät, sind weitere Arbeitserschwernisse, z .B . Umgebungsklima, Arbeitsschwere, Körperhaltung, räumliche Enge, festzustellen und zu berücksichtigen. Außerdem sind persönliche Faktoren des Gerätträgers zu beachten. Die Festlegung konkreter Tragezeiten erfordert eine tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung unter Einbeziehung eines Arbeitsmediziners.

..

Die in Anhang 2 aufgelisteten Zeiten sind Anhaltswerte beim Einsatz von Atemschutzgeraten, bei deren Einhaltung im Allgemeinen die Überbelastung eines geeigneten Gerätträgers vermieden wird."


Unseres Erachtens nach wird die Gefährdungsbeurteilung aufgrund der geringen Belastung in der Regel zu dem Ergebnis kommen, dass bei einer Bahnfahrt die Anhaltswerte für Tragedauern aus Anhang 2 nicht eingehalten werden müssen.



Arbeitsmedizinische Vorsorge:


Nach der Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) muss bei Tätigkeiten, die das Tragen von Atemschutzgeräten der Gruppen 2 und 3 erfordern, Pflichtvorsorge angeboten werden (vergl. Anhang zur ArbMedVV, Teil 4 Abs.1 Nr.1) und bei Tätigkeiten, die das Tragen von Atemschutzgeräten der Gruppe 1 erfordern, Angebotsvorsorge (vergl. Anhang zur ArbMedVV, Teil 4 Abs.2 Nr.2).


FFP2 -Masken gehören zur Gruppe 1 (vergl. Gruppeneinteilung der Atemschutzgeräte im Anhang 3 der DGUV Regel 112-190), womit eine Angebotsvorsorge erforderlich ist. Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) und der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) haben eine gemeinsame Empfehlung für die arbeitsmedizinische Vorsorge in Zeiten der SARS-CoV-2-Pandemie veröffentlicht. Wie Sie der Empfehlung entnehmen können, steht die Beratung im Vordergrund der arbeitsmedizinischen Vorsorge. Diese kann auch telefonisch oder per Videokonferenz erfolgen.


Unter Nr. 5.2.1 Abs.2 der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel wird ausgeführt, dass Wunschvorsorge bei allen Tätigkeiten zu ermöglichen ist, "es sei denn aufgrund der Beurteilung der Arbeitsbedingungen und der getroffenen Schutzmaßnahmen ist nicht mit einem Gesundheitsschaden zu rechnen."