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Kann es sein, dass eine Zahnarzthelferin nach 3 Jahren Lehre und 1 Jahr Berufstätigkeit eine Quecksilbervergiftung hat?

KomNet Dialog 4337

Stand:

Kategorie: Gesundheitsschutz > Berufskrankheit, Berufsunfähigkeit > Medizinische Zusammenhänge

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Frage:

Kann es sein, dass bei einer Zahnarzthelferin nach drei Jahren Lehre und einem Jahr Berufstätigkeit eine Quecksilbervergiftung auftritt? Die Person leidet unter kreisrundem Haarausfall. Wie kann Quecksilber im Körper nachgewiesen werden?

Antwort:

Gefahrenquellen für die Entstehung einer Berufserkrankung durch Quecksilber bestehen bei der Gewinnung, Rückgewinnung, Verarbeitung, Verpackung, Transport und Verwendung von Quecksilber. Insbesondere gilt dies dann, wenn Quecksilber verschüttet und der farb- und geruchlose Quecksilberdampf oder quecksilberhaltige Staub eingeatmet wird.
Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch und Beachtung der Arbeitsschutzvorschriften ist eine Quecksilbervergiftung bei der Tätigkeit einer Zahnarzthelferin normalerweise nicht zu erwarten. Bei außergewöhnlichen Expositionsverhältnissen sollte jedoch bei Vorliegen entsprechender Beschwerden eine Berufskrankheitenanzeige erstattet werden (s.u.)

Der Nachweis von Quecksilber erfolgt im Blut bzw. Urin.

Die akute Formeiner Quecksilbervergiftung infolge beruflicher Tätigkeit ist selten.
Sie kann durch Einatmen größerer Mengen von Quecksilberdämpfen, gelegentlich auch durch Verschlucken von Quecksilberverbindungen entstehen. Diese führt zu Hauterscheinungen (Dermatitis) und Entzündung der Mundschleimhaut, in schweren Fällen zu blutigen Durchfällen, schwerer Erkrankung des Dünn- und Dickdarms sowie Nierenfunktionsstörungen. Nach Einatmen größerer Mengen kann es zu einer Schädigung des Zentralnervensystems sowie Reizungen der Atemwege kommen.

Die chronische Form der Erkrankung entsteht durch langzeitige Aufnahme kleinster Quecksilbermengen. Die chronische Form ist überwiegend durch eine Erkrankung des Zentralnervensystems gekennzeichnet (Veränderungen der Psyche und der Merkfähigkeit, feinschlägiges Fingerzittern, Sensibilitätsstörungen (Empfindungsstörungen) an Rumpf, Armen und Beinen, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen).
Sie äußert sich durch vermehrten Speichelfluss, Entzündungen des Zahnfleisches und der Mundhöhlenschleimhaut, Zahnlockerung, Zahnausfall, Rötung des Rachenringes, evtl. auffallende Trockenheit der Mundhöhle. Seltener werden ein blau-violetter Zahnfleischsaum und eine Neigung zu Durchfällen, Leber- und Nierenfunktionsstörungen beobachtet.

Die genaue Ursache des kreisrunden Haarausfalls (Alopezia areata) ist noch nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt, vermutet wird eine Autoimmunerkrankung, das heißt eine Überreaktion des Immunsystems auf wie auch immer geartete schädliche Einflüsse.

Im Falle des Vorliegens eines Berufskrankheitenverdachtes soll eine entsprechende Berufskrankheitenanzeige beim zuständigen Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaft) erfolgen. Diese kann sowohl der Betroffene selbst, der Arbeitgeber als auch der behandelnde Arzt stellen. Die Berufsgenossenschaft ermittelt innerhalb des dann eröffneten Berufskrankheitenverfahrens, ob eine gesundheitsrelevante Belastung gegenüber dem angeschuldigten Gefahrstoff bestanden hat und ob ein Zusammenhang zwischen der vorliegenden Erkrankung und einer beruflichen (Gefahrstoff-) belastung besteht. Die Kosten des Verfahrens trägt der Unfallversicherungsträger.


Weitere Informationen zu Erkrankungen durch Quecksilber oder seine Verbindungen finden Sie im Merkblatt zur Berufskrankheit der BK-Ziffer 1102:
http://arbmed.med.uni-rostock.de/bkvo/m1102.htm .

Informationen zu Gefahrstoffen erhalten sie unter:
http://www.hvbg.de/d/bia/gestis/stoffdb/index.html  


Stand: Juni 2006