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KomNet-Wissensdatenbank

Pausengestaltung bei Computerarbeit

KomNet Dialog 430

Stand:

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (8.1.8)

Dialog
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Frage:

Wie oft soll eine Computerpause eingelegt werden, wenn der Arbeitsplatz überwiegend durch den PC gestaltet ist.

Antwort:

Die Dauer und Häufigkeit von "Computerpausen" hängt in hohem Maße von den Arbeitsbedingungen und der Tätigkeit am Bildschirmgerät ab. Der Arbeitgeber hat nach dem Arbeitsschutzgesetz bzw. der Bildschirmarbeitsverordnung durch eine Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu ergreifen sind, damit gesundheitsgerechte Bedingungen am Bildschirmarbeitsplatz
sichergestellt werden können. Eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen und die Festlegung von Unterbrechungen der Bildschirmarbeit z.B. durch Pausen sollte vor Ort in Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfachkraft und/oder dem Betriebsarzt erfolgen.

Nach § 5 „Täglicher Arbeitsablauf“ der Bildschirmarbeitsverordnung hat der Arbeitgeber die Tätigkeit der Beschäftigten so zu organisieren, dass die tägliche Arbeit an Bildschirmgeräten regelmäßig durch andere Tätigkeiten oder durch Pausen unterbrochen wird, die jeweils die Belastung durch die Arbeit an Bildschirmgeräten verringern. Das heißt z.B., dass der Arbeitgeber zunächst zu versuchen hat, die Arbeit an Bildschirmgeräten so zu organisieren, dass sie durch andere belastungsreduzierende Tätigkeiten unterbrochen wird. Erst in zweiter Linie kommen Unterbrechungen durch Pausen in Frage.

Mit der Forderung nach regelmäßiger Unterbrechung der Bildschirmarbeit durch andere Tätigkeiten, die die Belastung durch die Arbeit am Bildschirmgerät verringern, ist das Konzept „Mischarbeit“ angesprochen. Ziel von „Mischarbeit“ ist es, dass das Bildschirmgerät ein „normales“ Arbeitsmittel des Beschäftigten ist, das nicht Inhalt und Art der Aufgabenerledigung diktiert oder dominiert. Mischarbeitsmodelle für die unterschiedlichsten Tätigkeitsfelder sind im Rahmen des Programms „Arbeit und Technik“ im Auftrag der Bundesregierung entwickelt worden.

Bei den alternativ geforderten regelmäßigen (Kurz-) Pausen, die die Belastung durch die Arbeit am Bildschirmgerät verringern, handelt es sich nicht um die im Arbeitszeitrecht geforderten Ruhepausen. Die (Kurz-) Pausen sollen vielmehr dem Auftreten von Ermüdung entgegenwirken.

Der Erholungswert einer Pause hängt im wesentlichen von zwei Faktoren ab: Pausenlänge und Pausenhäufigkeit. Mikropausen oder Kürzestpausen sind kürzer als eine Minute; gerade diese sind es, die den höchsten Erholungseffekt haben. Wichtig ist, dass sie regelmäßig und nicht erst am Ende der Schicht genommen werden. Kurzpausen liegen zwischen 1 und 10 Minuten. Der Erholungswert einer Pause folgt einer Expotentialfunktion, die Effizienz der Pause nimmt mit zunehmender Länge ab. 

In Bezug auf die Pausengestaltung bei der Bildschirmarbeit sollte folgendes beachtet werden:

  • Als Faustregel gilt: nach 50 Minuten Bildschirmarbeit ist eine Arbeitsunterbrechung von 5 bis 10 Minuten sinnvoll.
  • Ein anderes Modell sieht nach jeweils 100 Minuten Bildschirmarbeitszeit eine Erholzeit von 20 Minuten vor.
  • Der Erholungswert von mehreren kurzen Pausen ist größer als der von mehreren langen Pausen, sie sollten deshalb nicht "angespart" werden, beispielsweise, um den Feierabend vorziehen zu können.
  • Häufigkeit und Dauer der Pausen richten sich nach dem Schwierigkeitsgrad der Arbeit. Für Tätigkeiten mit starker Bindung an den Bildschirm, beispielsweise im Callcenter oder bei der Dateneingabe, werden sogar bis zu 15 Minuten pro Stunde empfohlen.
  • Der Regenerationswert von Pausen darf nicht durch andere Arbeiten vermindert werden.
  • Die selbstgewählte Pause hat sich nicht so sehr bewährt, da sie erst dann genommen wird, wenn die Konzentration bereits nachgelassen hat. Es kommt aber darauf an, sich eine Pause zu gönnen, bevor man ermüdet.

Das Wissen über die Funktion der Pausen bei der Bildschirmarbeit sowie Regeln zur Pausengestaltung sollte den Mitarbeitern im Rahmen der durchzuführenden Unterweisung vermittelt werden, damit sie eigenverantwortlich handeln können.