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KomNet-Wissensdatenbank

Was ist beim Transport von Gartengeräten mit Lithium-Ionen-Akkus zu beachten?

KomNet Dialog 42836

Stand: 06.09.2019

Kategorie: Sicherer Transport > Beförderung gefährlicher Güter > Gefahrguttransport

Dialog
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Frage:

Handwerksbtriebe verwenden immer häufiger Arbeitsgeräte, die mit Lithium-Ionen-Akkus betrieben werden. Neben dem Akku im Gerät, werden auch mehrere zusätzliche Akkus (< 100 Wh und auch > 100Wh) im Fahzeug mitgenommen. Gibt es nach ADR eine Ausnahmeregelung (Handwerkerregel) zur Mitnahme (kein Transport nach ADR) ? Wenn ja, was sind die maximalen Mengen, Schutzmaßnahmen (Verpackung), und ggf. Kennzeichnung ? Gibt es ggf. einen kurzen Leitfaden zur Erläuterung ?

Antwort:

Die Geräte fallen unter die UN Nummer 3363 "GEFÄHRLICHE GÜTER IN MASCHINEN oder GEFÄHRLICHE GÜTER IN GERÄTEN". Es können die Sondervorschriften 301 und 672 des Kapitel 3.3 ADR in Anspruch genommen werden. Hier ist folgendes nachzulesen:


"301 Diese Eintragung gilt nur für Maschinen oder Geräte, die gefährliche Güter als Rückstände oder als Bestandteil der Maschinen oder Geräte enthalten. Sie darf nicht für Maschinen oder Geräte verwendet werden, für die in Kapitel 3.2 Tabelle A bereits eine offizielle Benennung für die Beförderung besteht. Maschinen und Geräte, die unter dieser Eintragung befördert werden, dürfen nur gefährliche Güter enthalten, die für eine Beförderung in Übereinstimmung mit den Vorschriften des Kapitels 3.4 (begrenzte Mengen) zugelassen sind. Die Menge gefährlicher Güter in der Maschine oder im Gerät darf die in Kapitel 3.2 Tabelle A Spalte 7a für jedes einzelne enthaltene gefährliche Gut angegebene Menge nicht überschreiten. Wenn die Maschine oder das Gerät mehrere gefährliche Güter enthält, muss jedes gefährliche Gut getrennt eingeschlossen sein, um zu verhindern, dass diese während der Beförderung gefährlich miteinander reagieren (siehe Unterabschnitt 4.1.1.6). Wenn sichergestellt werden muss, dass flüssige gefährliche Güter in ihrer vorgesehenen Ausrichtung verbleiben, müssen Ausrichtungspfeile gemäss den Vorschriften des Unterabschnitts 5.2.1.10 mindestens auf zwei gegenüberliegenden senkrechten Seiten angebracht sein, wobei die Pfeile in die richtige Richtung zeigen.

Bem. In dieser Sondervorschrift schliesst der Verweis «bereits eine offizielle Benennung für die Beförderung besteht» die spezifischen n.a.g.-Eintragungen der UN-Nummern 3537 bis 3548 aus."


"672 Maschinen und Geräte, die unter dieser Eintragung und in Übereinstimmung mit der Sondervorschrift 301 befördert werden, unterliegen nicht den übrigen Vorschriften des ADR, vorausgesetzt:

– sie sind entweder in einer widerstandsfähigen Aussenverpackung verpackt, die aus einem geeigneten Werkstoff hergestellt ist und hinsichtlich ihres Fassungsraums und ihrer beabsichtigten Verwendung eine ausreichende Festigkeit und Auslegung aufweist und die den anwendbaren Vorschriften des Unterabschnitts 4.1.1.1 entspricht, oder

– sie werden ohne Aussenverpackung befördert, wenn die Maschine oder das Gerät so gebaut und ausgelegt ist, dass die Gefässe, welche die gefährlichen Güter enthalten, ausreichend geschützt sind."


Für den Transport der Ersatzakkus können die Freistellungen nach dem Unterabschnitt 1.1.3.1 c) ADR in Anspruch genommen werden. Dort ist folgendes nachzulesen:


"Die Vorschriften des ADR gelten nicht für:


c) Beförderungen, die von Unternehmen in Verbindung mit ihrer Haupttätigkeit durchgeführt werden, wie Lieferungen für oder Rücklieferungen von Baustellen im Hoch- und Tiefbau, oder im Zusammenhang mit Messungen, Reparatur- und Wartungsarbeiten in Mengen, die 450 Liter je Verpackung, einschließlich Großpackmittel (IBC) und Großverpackungen, und die Höchstmengen gemäß Unterabschnitt 1.1.3.6 nicht überschreiten. Es sind Maßnahmen zu treffen, die unter normalen Beförderungsbedingungen ein Freiwerden des Inhalts verhindern. Diese Freistellungen gelten nicht für die Klasse 7. Beförderungen, die von solchen Unternehmen zu ihrer internen oder externen Versorgung durchgeführt werden, fallen jedoch nicht unter diese Ausnahmeregelung;"


In der RSEB finden sich unter der Nummer 1-2 Beispiele was unter "normalen Beförderungsbedingungen" zu verstehen ist.


– ausreichende Ladungssicherung,

– wirksamer Schutz von Verschlussventilen bei verpackten Gütern der Klasse 2 (z. B. Schutzkappen),

– Verwendung sicherer Verschlüsse für flüssige und feste Stoffe.


Unter der 1-5.1 ist noch folgendes nachzulesen:


"Freigestellt sind Beförderungen zum direkten Verbrauch, wie z. B.

– Farbe im Fahrzeug eines Malers,

– Sauerstoff- oder Acetylenflaschen im Fahrzeug eines Schweißers,

– Kraftstoff für die Befüllung von Rasenmähern im Fahrzeug eines städtischen Arbeiters oder in einem Schienenkraftwagen,

– Kraftstoff für die Befüllung von Arbeitsgeräten,

– Mittel zur Schädlingsbekämpfung durch Landwirte für die eigene Verwendung oder

– Lithiumbatterien (Ersatzbatterien), die zum Betrieb seiner Maschinen und Geräte benötigt werden (siehe auch Nummer 1-5.5 der RSEB),

sofern die jeweilige Beförderung z. B. zu oder von einem Kunden bzw. Einsatzort erfolgt."


Unter der Nummer 1-5.5 ist weiterhin folgendes nachzulesen:


"Bei im Rahmen von Unterabschnitt 1.1.3.1 Buchstabe c mitgeführten Lithium-Ionen-Batterien der UN-Nummern 3480 und 3481 sowie von Lithium-Metall-Batterien der UN-Nummern 3090 und 3091 sind geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von Beschädigungen der Batterien zu treffen."


Hinweis:

Es wurde das ADR des Bundeamt für Strassen der Schweiz (ASTRA) verwendet. Die Terminologie bestimmter schweizerischer Begriffe weicht von der offiziellen deutschen Fassung ab.