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Was ist zu beachten, wenn ein Lastenaufzug mit Personenbeförderung zu einem reinen Güteraufzug ohne Personenbeförderung umgebaut werden soll?

KomNet Dialog 42689

Stand: 30.04.2019

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Aufzugsanlagen

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Frage:

Was ist zu beachten, wenn ein Lastenaufzug mit Personenbeförderung zu einem reinen Güteraufzug ohne Personenbeförderung umgebaut werden soll?

Antwort:

In NRW hat das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen mit Erlass vom 19.06.2018 die Maßnahmen festgelegt, damit ein Lastenaufzug mit Personenbeförderung zu einem Güteraufzug ohne Personenbeförderung umgebaut werden kann.


Mit Umbau eines Lastenaufzuges in einen Güteraufzug, bleibt der Güteraufzug ein Arbeitsmittel, ist jedoch keine überwachungsbedürftige Anlage nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) mehr. Der ordnungsgemäße Umbau des Aufzuges ist von einer ZÜS prüfen und bestätigen zu lassen.


Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass die Verwendung des Güteraufzuges nach dem Stand der Technik sicher ist. Gemäß § 4 Abs. 2 Satz 2 BetrSichV sind die zu treffenden Maßnahmen entsprechend dem TOP-Prinzip festzulegen.


Der § 9 Abs. 1 Nr. 8 BetrSichV formuliert u. a. Anforderungen an die zu treffenden Maßnahmen, welche den unbeabsichtigten Zugang von Beschäftigten zum Gefahrenbereich von beweglichen Teilen von Arbeitsmitteln verhindern.


Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 3 BetrSichV hat der Arbeitgeber (im Sinne des § 2 Abs. 3 Satz 1 BetrSichV) festzulegen, welche technischen, organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen notwendig sind, um Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu gewährleisten.


Für die Verwendung eines zu einem Güteraufzug umgebauten Lastenaufzuges sind die Anforderungen an den Stand der Technik zur sicheren Verwendung und des § 9 Abs. 1 Nr. 8 BetrSichV erfüllt, wenn der Arbeitgeber mindestens folgende technische und organisatorische Maßnahmen getroffen hat:


  • die Steuereinheit im Fahrkorb des Aufzuges ist ausgebaut,
  • die Steuereinheit ist vom Fahrkorb aus nicht erreichbar,
  • die Innenseiten von Griffmulden in Fahrschachttüren sind abgedeckt, sodass die Türen von der Innenseite des Fahrkorbes aus nicht geschlossen werden können,
  • an jeder Haltestelle sowie im Fahrkorb ist jeweils ein Hinweis darauf angebracht, dass eine Personenbeförderung verboten ist,
  • es liegt eine Betriebsanweisung vor, anhand welcher die Beschäftigten regelmäßig unterwiesen werden,
  • in der Unterweisung wird insbesondere darauf hingewiesen, dass der Fahrkorb nur dann bedient werden darf, wenn sich keine Personen im Fahrkorb befinden.


Hat der Arbeitgeber die vorgenannten Maßnahmen vollständig umgesetzt, so ist der Einbau eines Lichtgitters i. d. R. nicht erforderlich. Dies gilt auch dann, wenn der umgebaute Güteraufzug nicht über Fahrkorbtüren verfügt.


In Einzelfällen können weitere Maßnahmen notwendig sein (Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung), um die sichere Verwendung des Güteraufzuges zu gewährleisten, z. B. der Einbau eines Schlüsselschalters.


Noch nicht abschließend geklärt ist, ob der Aufzug nach dem Umbau wieder erneut in Verkehr gebracht wird und somit den zum Zeitpunkt geltenden Anforderungen der Maschinenrichtlinie entsprechen muss.