Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Welche Kohlenmonoxid-Alarmschwelle sollte für einen Pförtnerarbeitsplatz in einer Tiefgarage eingestellt werden?

KomNet Dialog 42605

Stand: 22.02.2019

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Zulässige Belastungen > Grenzwerte

Dialog
Favorit

Frage:

Wir betreiben eine größere Tiefgarage mit mechanischer Entlüftung und Alarmierung bei 250 ppm Kohlenstoffmonoxid in der Luft (Sonderbauverordnung NRW). Allerdings gibt es in der Tiefgarage einen Pförtner, für den die Arbeitsplatzgrenzwerte nach TRGS 900 gelten (30 bzw. 60 ppm CO ). Welche Alarmschwelle sollte hier eingestellt werden?

Antwort:

Kohlenmonoxid / Index-Nr. 006-001-00-2 / EG-Nr. 211-128-3 / CAS-Nr. 630-08-0 ist gemäß Anhang VI Tabelle 3 der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP-Verordnung) als extrem entzündbares Gas (Flam.Gas.1;H220), in Gasflachen als Gas unter Druck (Press.Gas.;H280), als giftig bei Einatmen (Acute Tox.3;H331), fruchtschädigend (Repr.1A;H360D) und organschädigend (STOT RE 1;H372) eingestuft. Letale Wirkungen sind bereits ab 0,15 ppm (0,15% v/v / 0,15 ml/m³ / 0,175 mg/m³) zu erwarten, wobei die Dauer der Einwirkung, die Expositionszeit entscheidend ist: 4,0% v/v / 2 min, 1,6% v/v / 5 min, 0,8% / 10 min, 0,3% / 30 min, 1,5% v/v / 60 min, siehe Gefahrstoffinformationssystem der gewerblichen Berufsgenossenschaften (GESTIS)


Für Kohlenmonoxid sind Grenzwerte mit unterschiedlichen Bewertungs- und Bezugsgrundlagen wie folgt verfügbar:


Arbeitsplatzgrenzwerte: Der in Deutschland für Gefahrstoff-Arbeitsplätze gesetzlich einzuhaltender Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) ist gemäß TRGS 900 - https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRGS/pdf/TRGS-900.pdf - festgelegt auf 30 ppm (0,030% v/v / 30 ml/m³) / 35 mg/m³ als 8-h-Schichtmittelwert, 60 ppm / 70 mg/m³ als 15-min-Jurzzeitwert. Die gleichen Werte wwerden von der MAK-Kommission der Deutschen Forchungs-gemeinschaftt (DFG) empfohlen – Internet: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/book/10.1002/9783527812127. Als gemeinschaftlicher Arbeitsplatz-Richtgrenzwert (OEL) ist gemäß Richtlinie 2017/164 – Internet: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32017L0164&qid=1550570689454&from=DE – ein 8-h-Schichtmittelwert von 20 ppm / 23 mg/m³ und ein 15-min-Kurzzeitwert von 100 ppm / 117 mg/m³ festgelegt.


Biologischer Grenzwert: Der wie der AGW für Gefahrstoff-Arbeitsplätze ebenfalls gesetzlich einzuhaltende Biologische Grenzwert (BGW) ist gemäß TRGS 903 - https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRGS/pdf/TRGS-903.pdf - festgelegt als Beanspruchungs-Indikator Carboxyhämoglobin (COHb) im Blut auf 5%, zu bestimmen nach Expositions- bzw. Schichtende.


Immissionsgrenzwert: Gemäß § 8 der 39. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschatzgesetzes (BImSchG) über Luftqualitätsstandards für die Außenluft und Emissionshöchstgrenzen in Stadt und Land (29. BImSchV) – Internet: https://www.gesetze-im-internet.de/bimschv_39/ - ist als höchster pro Tag zu ermittelnder 8-Stundenmittelwert ein Emissionsgrenzwert von 10 mg/m³ (8,6 ppm / 0,009% v/v) festgelegt.


Innenraumrichtwerte: Von der Ad-Hoc-Arbeitsgruppe „Innenraumrichtwerte“ der Innenraumkommission (IRK) und der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden (AOLG) - Internet: https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/kommissionen-arbeitsgruppen/ausschuss-fuer-innenraumrichtwerte-vormals-ad-hoc - wurden gemäß Bundesgesundheitsblatt 11/97 für die Luft in Innenräumen, z.B. in Wohnungen, – https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/pdfs/Kohlenmonoxid.pdf - für die Innenraumluft ein wirkungsbezogener Langzeit-Richtwert II L von 15 mg/m³ als Acht-Stunden-Wert mit einem Kurzzeit-Richtwert II K von 60 mg/m³ als Halbstundenwert, sowie ein vorsorgebezogener Langzeit-Richtwert I L von 1,5 mg/m³ als Acht-Stunden-Wert mit einem Kurzzeit-Richtwert I K von 6 mg/m³ abgeleitet.


Grenzwerte in Tiefgaragen: Gemäß § 136 Absatz 4 der Sonderbauverordnung und Verordnung zur Änderung der Verordnung über bautechnische Prüfungen (SBauV.NRW) – Internet: https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_vbl_detail_text?anw_nr=6&vd_id=16083&ver=8&val=16083&sg=0&menu=1&vd_back=N  - müssen maschinelle Abluftanlagen von Mittel- und Großgaragen so geschaffen sein, dass der Kohlenmonoxid-Halbstundenmittelwert einschließlich der zu erwartenden Verkehrsspitzen von nicht mehr als 100 ppm (100 ml/m³ / 0,01% v/v / 117 mg/m³) eingehalten wird. Nach § 136 Absatz 6 müssen geschlossene Großgaragen mit nicht nur geringem Zu- und Abgangsverkehr mit CO-Anlagen zur Messung und Warnung (CO-Warnanlagen) ausgestattet sein, wobei bei einem CO-Gehalt der Luft von mehr als 250 ppm (250 ml/m³ / 0,015% v/v / 293 mg/m³) die Garagenbenutzer aufgefordert werden müssen, die Motoren abzustellen.


Welcher der genannten Grenzwerte für den Pförtner-Arbeitsplatz anwendbar ist , ergibt sich aus den Regelungen des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) – Internet: https://www.gesetze-im-internet.de/arbschg/ und der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) - http://www.gesetze-im-internet.de/gefstoffv_2010/ wie folgt:


Nach § 5 ArbSchG zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen hat „(…) der Arbeitgeber (…) durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind (…)“, wobei sich „(…) eine Gefährdung (…) insbesondere ergeben durch (…) physikalische, chemische und biologische Einwirkungen (…)“.

Nach § 6 GefStoffV zur Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung hat „(…) im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung als Bestandteil der Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (…) der Arbeitgeber festzustellen, ob die Beschäftigten Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausüben oder ob bei Tätigkeiten Gefahrstoffe entstehen oder freigesetzt werden können (…)“.

„(…) Ist dies der Fall, so hat er alle hiervon ausgehenden Gefährdungen der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten unter folgenden Gesichtspunkten zu beurteilen: gefährliche Eigenschaften der Stoffe oder Gemische, einschließlich ihrer physikalisch-chemischen Wirkungen (…), Arbeitsplatzgrenzwerte und biologische Grenzwerte (…)“.


Ob die Aufgabe eines Pförtners eine Tätigkeit im Sinne der GefStoffV darstellt und daher Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) und Biologische Grenzwerte (AGW) einzuhalten sind, ist anhand von § 2 Absatz 5 GefStoffV mit Begriffsbestimmungen wie folgt überprüfbar:

„Eine Tätigkeit ist jede Arbeit mit Stoffen, Gemischen oder Erzeugnissen, einschließlich Herstellung, Mischung, Ge- und Verbrauch, Lagerung, Aufbewahrung, Be- und Verarbeitung, Ab- und Umfüllung, Entfernung, Entsorgung und Vernichtung. Zu den Tätigkeiten zählen auch das innerbetriebliche Befördern sowie Bedien- und Überwachungsarbeiten.“


Demnach entspricht die Aufgabe eines Pförtner einer Tätigkeit im Sinne der GefStoffV und es sind daher AGW und BGW als gesetzliche Grenzwerte einzuhalten. Außerdem sind bei Tätigkeiten mit Kohlenmonoxid gemäß § 4 und Anhang Anlage 1 Nr. 1 Absatz 1 der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) - http://www.gesetze-im-internet.de/arbmedvv/ - u. a. bei Nichteinhaltung des AGW Pflicht-Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen, nach ArbMedVV § 5 Anhang Anlage 1 Nr. 1 Absatz 2 Angebotsvorsorge auch bei Einhaltung des AGW zu ermöglichen.


Um die Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes (AGW) von Kohlenmonoxid im Raum des Pförtners sicherzustellen, ist eine kontinuierliche Messung der Kohlenmonoxid-Konzentration mit einem dort installierten direktanzeigenden Mess-System notwendig. Sinnvoll ist dabei die Festsetzung des Kurzzeitwertes von 60 mg/m³ als Alarmwert, da bei dessen Überschreitung auch eine Überschreitung des AGW möglich sein kann. Hiermit kann sichergestellt werden, dass auch bei kurzzeitigen Spitzenkonzentrationen, der über eine Schichtlänge geltende AGW dauerhaft sicher eingehalten werden kann.